Christian Dreyer, Vorstandsvorsitzender, SMT Scharf AG

Die SMT Scharf AG ist Weltmarktführer für entgleisungssichere Bahnsysteme wie sie vor allem im Bergbau zum Transport von Kohle und anderen Bodenschätzen eingesetzt werden. Rund 90% seiner Erlöse erwirtschaftet das Unternehmen im Ausland. Neben einer starken Präsenz in Osteuropa (Polen) sind die Westfalen vor allem in Russland, China und Südafrika aktiv, wo die Fördertechnik in den Bergwerken oftmals veraltet und somit besonders störungsanfällig ist. In das neue Geschäftsjahr ist der Konzern mit einem Umsatz- und Ergebnisrückgang gestartet.

GoingPublic: Herr Dreyer, handelt es sich bei der SMT Scharf um einen „Hidden Champion“?
Dreyer:
Ich nutze diese Umschreibung eigentlich sehr gerne, ist die SMT Scharf doch einer dieser vielen Weltmarktführer des deutschen Mittelstands und zugleich in einer sehr speziellen Nische tätig. Dort kennt uns natürlich wiederum jeder. Zudem sind wir ein sehr exportorientiertes Unternehmen. Rund 90% unserer Umsätze erzielen wir inzwischen außerhalb Deutschlands.

GoingPublic: Wo in der Welt sind Sie überall vor Ort und welche Rolle spielt insbesondere Osteuropa für Ihr Geschäft?
Dreyer:
Die wichtigsten Länder sind für uns heute China, Russland, Polen und Südafrika. Dabei liegen die beiden letztgenannten in etwa gleich auf. Polen und Tschechien hatten Anfang der 1990er Jahre einen gewaltigen Nachholbedarf bei den Bergwerksinvestitionen, wovon auch die SMT profitierte. Gleichzeitig kompensierte der dortige Boom die Schwäche des deutschen Marktes, wo wir es mit auslaufenden Subventionen und sterbenden Kunden zu tun hatten. Wir besitzen heute eine Fertigung in Polen und haben teilweise die Bereiche Service und Montage dorthin verlagert. Osteuropa erwies sich überdies als Sprungbrett für unsere weitere Internationalisierung. Von da aus führte uns der Weg nach Asien. Vor allem China verzeichnete ab dem Jahr 2000 einen rasant wachsenden Bedarf an modernen Bergbaumaschinen.

GoingPublic: Welche Rahmenbedingungen finden Sie derzeit in Osteuropa vor?
Dreyer:
Polen und Tschechien gehören mittlerweile zur EU, was die Rahmenbedingungen und die Arbeitsweise doch sehr angeglichen hat. In Polen haben wir es mitunter noch mit einer etwas bürokratischen Verwaltung zu tun, aber selbst das kennt man aus Deutschland. Betrachtet man allein die Produktivität, so liegen beide Länder nahezu gleichauf. Die noch etwas niedrigeren Löhne in Polen werden hierzulande durch eine bessere Infrastruktur wieder aufgeholt. Das Motiv, dort eine eigene Fertigung aufzubauen, lag dann auch nicht in einem Kostenargument. Wir wollten hauptsächlich näher bei unseren Kunden sein und gute Arbeitskräfte für uns gewinnen. In der Zukunft werden wir uns noch weiter in Richtung China orientieren und dort produzieren.

GoingPublic: Mit welchem Marktwachstum kalkulieren Sie in den einzelnen Regionen?
Dreyer:
Da bietet sich ein ziemlich starkes Ost-West-Gefälle. Je weiter man nach Osten blickt, desto dynamischer entwickelt sich die Nachfrage nach unseren Bahnsystemen. Während der Markt in Deutschland aus den bekannten Gründen schrumpft, weist Polen eine stabile Fördermenge von 75 Mio. Tonnen Kohle jährlich aus. Russland bringt es hingegen bereits auf ein Wachstum zwischen 4 und 5%, was letztlich nur noch von China überboten wird.

GoingPublic: Was können Sie uns über Ihre bisherigen Erfahrungen in China und Südafrika berichten?
Dreyer: In China, das mag vielleicht überraschen, finden wir eigentlich sehr marktwirtschaftliche Verhältnisse vor. Natürlich ist die Bürokratie dort mitunter ein Problem, ansonsten bietet die Politik aber sehr verlässliche Rahmenbedingungen. In Russland haben wir es im Vergleich dazu des Öfteren mit eher willkürlichen Entscheidungen zu tun. Südafrika ist wiederum ein ganz anderer Fall. Obwohl das Land zweifellos ein Rechtsstaat und dem Westen zugewandt ist, muss man doch mit Blick auf die nächsten Jahre politische Instabilitäten befürchten. Die sozialen Probleme des Landes zeigten sich bereits vergangenes Jahr bei den Streiks in den Bergwerken und Minen, die unser Geschäft vor Ort behinderten. So etwas schreckt in der Konsequenz natürlich viele Investoren und auch die großen Bergbaukonzerne ab. Wir erwarten dort jedenfalls kein nennenswertes Wachstum.

SMT Scharf ist Weltmarktführer bei Bahnsystemen im Bergbau.

GoingPublic: Wie sehr bremst der sinkende Kohlepreis die Investitionsbereitschaft Ihrer Kunden?
Dreyer:
Es gibt zwischen Kohlepreis und Investitionen durchaus eine direkte Verbindung, allerdings ist sie weniger stark, als man dies vielleicht vermuten würde. Weltweit werden Jahr für Jahr rund 8 Mrd. Tonnen Kohle gefördert. An dieser Menge wird sich auf absehbarer Zeit wenig ändern. Viele Bergwerke liefern zudem direkt an ein bestimmtes Kraftwerk, mit dem langfristige Abnahmeverträge vereinbart wurden. Darin sind die Preise meist fixiert, so dass nur ein kleinerer Teil der geförderten Kohle tatsächlich den Tagesschwankungen unterliegt. Allerdings nimmt der Preisdruck zu, wenn die Notierungen für Kohle und andere Rohstoffe fallen. Diesen Zusammenhang spüren wir durchaus.