Über den Autor

Dr. Martin Steinbach - Ernst & Young - Head of IPO and Listing Services

Dr. Martin Steinbach

Dr. Martin Steinbach ist Partner und IPO Leader bei EY. Er verantwortet seit April 2011 den Bereich IPO und Listing Services in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Darüber hinaus leitet er das IPO Leader Netzwerk in Europa, Mittlerem Osten, Indien und Afrika.

Für Familienunternehmen kann ein Börsengang eine sinnvolle Option sein, das Unternehmen auf eine neue Finanzierungsbasis zu stellen und die Familie auf eine nachhaltige Weiterentwicklung vorzubereiten. Ein Börsengang bietet sich darüber hinaus dann an , wenn sich abzeichnet, dass in Zukunft kein Mitglied der Familie den Willen oder die Qualifikation zur Führung des Unternehmens hat. Von Dr. Martin Steinbach

Einen guten Einblick in die Finanzierungszugänge von großen Familienunternehmen gibt der Global Family Business Index1. Der in Zusammenarbeit vom Center for Family Business der Universität St. Gallen und EY erstellte Index zeigt die Entwicklung der 500 größten Familienunternehmen der Welt: So ist mit rund 51% dieser umsatzstärksten Familienunternehmen die Mehrheit börsennotiert und nutzt die Vorteile des offenen Kapitalmarktzugangs zur Finanzierung des nachhaltigen Wachstums und der Entwicklung auf Unternehmens- und Eigentümerseite.

Europa führt mit börsennotierten Familienunternehmen

Zu den Top-Three-Sitzländern der Familienunternehmen des Indexes zählen die USA (24%), gefolgt von Deutschland mit 16% und Frankreich mit 6%. Die meisten börsennotierten Familienunternehmen kommen aus Europa (43%), gefolgt von Amerika (32%) und Asien (25%). Dazu zählen auch 24 börsennotierte Familienunternehmen aus dem DACH-Raum, etwa Roche Holding AG, Henkel AG & Co. KGaA, Merck KGaA und Kuehne + Nagel International AG.

Neuzugänge sind überwiegend börsennotiert

Die Gruppe der börsennotierten Unternehmen ist im Durchschnitt 16 Jahre jünger als die nicht-börsennotierten Familienunternehmen und blickt durchschnittlich auf eine 61-jährige Unternehmensgeschichte zurück. Von den diesjährigen 44 Neuzugängen auf der Liste der größten Familienunternehmen sind sogar 59% börsennotiert.

Heimatmarktnotiz bevorzugt

Die deutliche Mehrheit von 93% der Familienunternehmen schätzt die Notierung ihrer Aktien am Heimatmarkt. Der vergleichsweise geringe Anteil von 7% wählte eine Cross-Border-Notierung an Börsen in New York, London oder Hongkong. Die durchschnittliche Marktkapitalisierung liegt bei 10 Mrd. USD; diese Unternehmen sind im Durchschnitt seit zehn Jahren börsennotiert.

Passt die Strategieoption Börsengang zur DNA von Familienunternehmen?

Immer häufiger wird der Börsengang in einer Strategieevaluierung mit anderen Optionen auf der Eigenkapitalseite wie der Beteiligung von Finanzinvestoren (Private Equity oder Family Offices) oder einem Verkauf an strategische Investoren (M&A) im vertrauten Kreis abgewogen. So wählten in den letzten Jahren in Deutschland Familienunternehmen wie Hella, Schaeffler und jüngst Knorr-Bremse die Strategieoption Börsengang. Sie sind heute Teil großer Auswahlindizes wie SDAX und MDAX. Bei der Evaluierung der Optionen geben häufig Experten aktuelle Einblicke in Best Practices bei Börsengängen von Familienunternehmen und moderieren die Diskussion mit Transaktions-Know-how.
Dabei werden oft folgende Aspekte angesprochen und mit der besonderen DNA von Familienunternehmen abgeglichen: