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Am 22. Mai 2015 schrieb ich in einem Beitrag für den DVFA Blog über MiFID II, und welche Folgen dies auf Investment Research haben könnte. So hieß es: „Viele Sell-Side-Vertreter sind besorgt, dass sich für das Research zu Small- oder Mid Cap-Unternehmen keine ausreichende Anzahl von Kunden interessiert bzw. sich die Produktion von Research für diese Größenordnung nicht mehr darstellen lässt, was dazu führen könnte – könnte! –, dass kleinere Unternehmen aus dem Universum fliegen und nicht mehr gecovert werden. Kein Mensch weiß, ob es so kommen wird.“ Von Ralf Frank, Geschäftsführer, DVFA

Ralf Frank, Geschäftsführer DVFA
Ralf Frank, Geschäftsführer DVFA

An dieser Stelle sind wir empirisch schon etwas weiter: Das Gros der in Deutschland tätigen Broker wird einer Umfrage der DVFA nach Research-Universen schrumpfen, im Schnitt um 30%. Auch wenn keiner der befragten Broker Namen nennt, dürften, dem Mechanismus der MiFID II gehorchend, jene Unternehmen unter die Räder kommen, deren Aktien relativ illiquide sind, und nach denen kein Käufer (Asset Manager) lauthals schreit.

Weiterhin schrieb ich im Mai 2015 im Blogbeitrag: „MiFID II kommt. Und es zeichnet sich (…) auch kein einheitliches Muster ab, nach dem sich Sell- und Buy-Side auf MiFID II einstellen. Die einen bauen Buy-Side-Research aus, die anderen überlegen, wie sie sich die Researchkosten von ihren Kunden budgetieren lassen können.“ Auch hier haben wir jetzt mehr Klarheit: Die meistern Broker befinden sich zur Zeit in intensiven Gesprächen mit den Abnehmern von Research, also Anlagemanagern, in denen es um Preisvorstellungen geht. Die, so wie man hört, teilweise noch sehr weit auseinanderliegen.

Dann formuliert ich noch: „Aber auch von der technologischen Front droht Gefahr: Roboter!“ Kaum verwunderlich, dass sich auch hier das Rad weitergedreht hat. Methoden aus dem Bereich Big Data, und Künstliche Intelligenz sind weiter auf dem Vormarsch. Auch passive Investments haben in den vergangenen zwei Jahren weiter zugenommen, gemessen an der Gesamthöhe der Assets under Management. Die Sell-Side kann gerne weiterhin Ansätze wie Sentiment Analysis oder die Anwendung von Modellen auf Basis von GPS-Daten, Google-Abfragen oder randomisierten Tweets belächeln: ‚Mein DCF-Modell ist erhaben, ich habe über Jahre daran gearbeitet, es spiegelt mein geballtes Industrie Knowhow wider.’ Schön, aber was wenn der Kunde dafür nach dem 3. Januar 2018, wenn MiFID II sozusagen live ist, dafür nicht mehr zu zahlen bereit ist?

Hier noch mehr Gutes von kürzlich: „Freunde, es ist eine Frage der Zeit, bis irgendwer in der Finanzdienstleistungsindustrie auf die Idee kommt, den Roboter an die Tasten zu lassen (war schon 2015 längst Realität). Wollen wir wetten, dass dabei einige Spielarten von Research, z.B. die, die gemeinhin als Number crunching geringschätzt werden, über die Klinge springen werden, weil Kunden den Preis nicht bezahlen wollen, den der Broker nolens volens aufruft? (…) Es ist unvermeidlich, dass bestimmte Services – und dazu zähle ich die Fleißarbeiten, die von Finanzanalysten erledigt werden müssen – gar nicht überleben können, weil sie bislang qua Quersubvention aus den Commissions mitgetragen wurden, aber künftig niemand mehr dafür bezahlen wird (muss nicht revidiert werden).“