Laut einer aktuellen Studie der Wirtschaftskanzlei CMS gemeinsam mit dem Finance-Magazin dämpfen politische Unsicherheiten, wie der Brexit, die Sorge vor verschärften Investitionskontrollen und hohe Kaufpreise, die Deal-Ambitionen. Besonders strategisch investierende Unternehmen stehen neuen Zukäufen skeptisch gegenüber. Anders sieht es bei den M&A-Beratern aus: Sie sagen deutlich steigende Projektauslastungen voraus. 

Transaktionen scheitern aus Sicht der befragten M&A-Chefs am häufigsten an der gesamtwirtschaftlichen Situation. Der dafür ermittelte Wert von 4,77 (10 = sehr wichtiger Dealbreaker) ist der höchste seit Februar 2016. Gleiches gilt für die befragten Beratungshäuser. Auch den Widerspruch durch Regulierungsbehörden kalkulieren Corporates mittlerweile vermehrt ein. Lag der Wert im Juni noch bei 3,35 ist dieser im aktuellen Panel auf 4,27 gestiegen. Das entspricht einem Plus von rund 27%.

Aus Sicht der M&A-Verantwortlichen stagniert die Entwicklung des Umfelds für Deal-Finanzierungen auf hohem Niveau. Ein Wert von 5,27 (Skala von 1 = drastisch verschlechtert bis 10 = deutlich verbessert) für die Verfügbarkeit von Akquisitionsfinanzierungen in den zurückliegenden zwölf Monaten unterstreicht diese Sicht. Auch am M&A-Markt erwarten die Umfrageteilnehmer keine weitere Verbesserung und rechnen nicht damit, dass sich das Umfeld für Deals in den kommenden zwölf Monaten verbessern wird.  „Das Finanzierungsumfeld ist nach wie vor sehr gut, dürfte sich in den kommenden Monaten vor dem Hintergrund der unsicheren Konjunkturaussichten allerdings eher verschlechtern“, betont Dr. Oliver Wolfgramm, Corporate-Partner bei CMS.

Strategen geraten unter Druck

Neben politischen und regulatorischen Herausforderungen sind auch Kaufpreise weiterhin ein großes Thema: Bewertungen für M&A-Ziele bleiben auf Spitzenniveau. Finanzstarke Private Equity-Fonds treiben Strategen zunehmend in die Defensive. Viele von ihnen stehen unter extremem Anlagedruck und buhlen aktiv um Targets. Im Rennen um attraktive Zielunternehmen fühlten sich Corporates gegenüber PE-Fonds lange überlegen – dieses Verhältnis kippe jedoch laut der Studie seit Oktober 2016 immer weiter: Der These, Strategen seien Finanzinvestoren gegenüber im Vorteil, stimmen die M&A-Chefs nur noch mit einem Wert von 4,86 zu (10 = volle Zustimmung). Dies ist der niedrigste Wert seit Start des M&A Panels im Februar 2011.

Automobilbranche weniger gefragt – IT dafür umso mehr

Am meisten an Deal-Aktivität eingebüßt hat laut Panel der Automotive-Sektor. Aus Sicht der Beratungshäuser ist hier ein deutlicher Rückgang von 19% im Vergleich zur letzten Befragung zu beobachten (Wert 10 = sehr aktiv, aktuell 5,3). Demgegenüber sind Transaktionen mit Beteiligung von Software- und IT-Unternehmen derzeit äußerst beliebt. Die Berater bewerten die M&A-Aktivität für diesen Sektor mit 8,09. Das entspricht einem deutlichen Zuwachs von rund 22%  im Vergleich zum letzten Panel aus dem Monat Juni. „Wir sehen derzeit eine große Anzahl von Transaktionen im Bereich Technology, Media und Communications, wobei interessanterweise die überwiegende Anzahl der Käufer Nicht-Tech-Unternehmen sind“, erklärt Thomas Meyding, Partner im Bereich Corporate/M&A bei CMS. Für viele Unternehmen sei der Zukauf von Software- und IT-Unternehmen eine Antwort auf die Herausforderungen, die die Digitalisierung und Industrie 4.0 mit sich bringen.

M&A-Berater bleiben optimistisch

Die zunehmende Zurückhaltung von Unternehmen im M&A-Markt lässt die M&A-Berater unbeeindruckt. Die Berater sehen ihre Auslastung auf dem gleichen Level wie im Juni dieses Jahres, die damit auf überdurchschnittlichem Niveau verharrt. Aktuell liegt die durchschnittliche Auslastung bei insgesamt 2,01 (Skala von -5 bis +5, Wert 0 = durchschnittliches Projektaufkommen).

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