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Bildnachweis: Compleo Charging Solutions, Sebastian Grabert/Compleo.

Von der Euronext ging es für Sebastian Grabert zu Compleo, einem Ladesäulenanbieter für E-Autos – vom Unternehmen mit 400 Jahren Geschichte zum jungen Börsenneuling. Jetzt zieht Grabert ein erstes positives Fazit: sowohl die Entwicklung seiner jetzigen Firma betreffend als auch in Sachen Verkehrswende und E-Mobilität.

GoingPublic: Sie sind Anfang 2021 von der Euronext zu Compleo gewechselt – eine gute Entscheidung?

Grabert: Die Zeit bei der Euronext war für mich sehr lehrreich. Ich hatte die Möglichkeit, ein großes Netzwerk aufzubauen, und habe es genossen, Start-ups in der Tiefe kennenzulernen und ihnen beratend zur Seite zu stehen.

Nach dem Wechsel kann ich aber auch sagen, dass es definitiv einen Unterschied macht, ob man für eine 400 Jahre alte Organisation arbeitet, die sich der Finanzierung innovativer Geschäftsmodelle verschrieben hat, oder ob man für das junge Unternehmen selbst arbeitet, das bereits nach wenigen Jahren Geschäftstätigkeit an der Börse ist. Die Entscheidungswege sind hier kürzer, die Verantwortungsspanne ist generell breiter und die Dynamik damit stets hoch.

Welchen Herausforderungen sind Sie begegnet?

Wir haben ein sehr starkes organisches Wachstum und möchten zeitgleich auch die anorganischen Wachstumsoptionen optimal nutzen – es ist eine Herausforderung im positiven Sinn, diese Wachstumsgeschichte gemeinsam mit einem engagierten Team zu begleiten.

Welche Wachstumsschritte ist Compleo seit dem IPO gegangen?

Neben dem starken organischem Wachstum haben wir nur wenige Monate nach dem Börsengang eine Kapitalmaßnahme umgesetzt und mit dem eingesammelten Kapital unsere erste Akquisition refinanziert: die Übernahmen von wallbe. Dadurch haben wir uns neue Kundensegmente erschlossen, neue Technologien ins Portfolio aufgenommen und uns international besser aufgestellt.

Lesen Sie hier unsere IPO News.

Wie kam das bei den Anlegern an?

Ich bin sehr zufrieden mit der Kursperformance: Die Aktie steht heute fast doppelt so hoch wie zum Handelsstart bei IPO. Der Markt hat unsere Ideen und Transaktionen gut aufgenommen. Wir genießen starkes Vertrauen und wissen das zu schätzen.

Sie wachsen, was das Zeugt hält – aber profitabel sind Sie nicht.

Wir haben für das Geschäftsjahr 2021 das Ziel, einen Umsatz von 68 Mio. bis 78 Mio. EUR zu erzielen. Darüber hinaus wollen wir den Break-even auf adjustierter EBITDA-Basis in diesem Jahr erreichen. Mit dieser Guidance fühlen wir uns Stand heute wohl. Es ist unsere große Anstrengung, das Unternehmen Stück für Stück in die Profitabilität zu führen.

Welche Hürden gilt es auf diesem Weg zu überwinden?

Für mich sind unter anderem zwei große Themen derzeit bestimmend: Wir wachsen so stark, dass wir permanent auf der Suche nach neuen Talenten sind. Ich will dabei die richtigen Teammitglieder finden und ihnen den Raum zur Entfaltung bieten, den sie brauchen, um unseren positiven Impact als Unternehmen stetig zu vergrößern.

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Hinzu kommt die spannende fachliche Aufgabe der integrierten Berichterstattung, also der unternehmensweiten Implementierung von ESG-Kriterien. Wir sind ein Greentech – das bringt uns produktseitig natürlich einen erheblichen Vorteil in diesem Bereich. Jetzt gilt es, diesen Vorteil in ein Format zu gießen, das langfristig den Anforderungen unserer Stakeholder entspricht. Damit wird die Investor-Relations-Funktion mehr und mehr zur unternehmensstrategischen Aufgabe. Konkret haben wir bereits in diesem Jahr in unserem Geschäftsbericht auf mehreren Seiten das Thema ESG adressiert und planen kurzfristig auch einen separierten Nachhaltigkeitsbericht. Nachhaltigkeit wird vor allem unsere Investoren in Zukunft begleiten und für uns weiter an Relevanz gewinnen.

Glauben Sie an ein baldiges Ende des Verbrenners?

Auf gesellschaftlicher Ebene besteht großes Interesse, sich dem grünen Gedanken mehr zu verschreiben. Das hat direkte Auswirkungen auf die Mobilität und die Art und Weise, wie wir uns bewegen wollen. Wir spüren einen riesigen Rückenwind, zunehmend auch von der Politik. Gigantische Subventionierungen für die E-Mobilität laufen – und kommen auch der Ladeinfrastruktur zugute, die noch überall fehlt. Und auch in der Automobilindustrie ist das Umdenken inzwischen angekommen. Über kurz oder lang führt das zum Ende des Verbrenners.

Auch, wenn sich die CSU in einer neuen Regierung wieder das Verkehrsministerium sichern würde?

Egal, wie die Wahl ausgeht: Keine politische Konstellation kann sich vor der gesellschaftlichen Forderung zur E-Mobilität verstecken.

Und Compleo wird das Unternehmen sein, das die E-Mobilität mit seinen Ladesäulen federführend in Kraft setzt?

Der Markt für Ladeinfrastruktur ist sehr stark fragmentiert – aber er konsolidiert sich allmählich. Mit dem Zugang zu neuem Kapital, den wir über die Börse haben, können wir als aktiver Konsolidierer auftreten. Wir wollen die Nummer eins im E-Auto-Ladeinfrastruktur-Business sein.

Herr Grabert, danke für das gute Gespräch.

Sebastian Grabert

Zum Interviewpartner:
Sebastian Grabert ist Leiter Investor Relations bei Compleo Charging Solutions AG, einem im Prime Standard notierten Greentechunternehmen aus dem Bereich E-Mobility. Vorherige Stationen inkludierten Positionen bei den Investmentbanken Berenberg und HSBC sowie bei der paneuropäischen Aktienbörse Euronext. Grabert ist darüber hinaus CFA Charterholder.