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Bekannte Tiere, man denke etwa an Bulle und Bär, repräsentieren an der Börse Markttrends – aber auch Unternehmensgruppen. Darunter die sogenannten Gazellen, junge Wachstumsunternehmen aus dem Start-up-Umfeld, und „Unicorns“ mit einer Bewertung von über 1 Mrd.. Entgegen dem derzeitigen globalen Trend sinkender IPO-Aktivität steigen die Zahl und das Volumen von Unicorn-IPOs 2018 und übertriffen bereits das Vorjahr. Von Dr. Martin Steinbach

In den letzten Jahren sind über 100 Unicorns auf das Börsenparket galoppiert. Allein bis Ende September 2018 haben sich schon 33 Unicorns aus Amerika, Europa und Asien für den Börsengang als Meilenstein der Unternehmensentwicklung entschieden. Mehr als im IPO-Rekordjahr 2017 – Tendenz steigend. Gemessen am Platzierungsvolumen hat sich die IPO-Aktivität mit 28 Mrd. USD sogar verdoppelt; drei der fünf größten Unicorns kamen 2018 auf den Markt. Das größte IPO – gemessen am Platzierungsvolumen – war die chinesische Alibaba Group mit über 25 Mrd. USD. Weitere Unicorns wie jüngst Xiaomi aus China, Snap aus den USA und die deutsche Rocket Internet sind unter den Global-Top-Ten-IPOs.

Verglichen mit den relativ stabilen Durchschnittswerten (Median) der Vorjahre sind im Jahr 2018 die durchschnittlichen Transaktionsgrößen gemessen am Platzierungsvolumen auf 417 Mio. USD sowie die durchschnittliche Marktkapitalisierung auf 2,9 Mrd. USD gestiegen.

In USA, China und Deutschland geboren – mehrheitlich am Heimatmarkt notiert

Unicorns sind häufig junge Technologieunternehmen, beim Börsengang ist die Mehrheit acht bis zehn Jahre jung. Zalando und Delivery Hero, zwei deutsche Beispiele, liegen mit sechs bzw. sieben Jahren zum Zeitpunkt des IPOs sogar deutlich darunter. Unicorns kommen mit 72% überwiegend aus dem Technologiesektor, gefolgt von den Sektoren Healthcare (6%) und Financials (5%). Gemessen am Platzierungsvolumen führt der Technologiesektor deutlicher mit 75%, gefolgt vom Telekommunikations- und Finanzsektor.

Die größte „Herde“ an Unicorn-IPOs kommt aus den USA, gefolgt von China und Deutschland. Dagegen führen chinesische Unicorns gefolgt von amerikanischen und deutschen in Sachen Gesamtplatzierungsvolumen. Unicorns gehen mehrheitlich an heimischen Plätzen an die Börse. Neben den US-Börsen sind Hongkong und London die wichtigsten Cross-Border-IPO-Börsen für Unicorns, die Vorteile außerhalb des Heimatmarktes sehen. Rund 80% der Unicorn-Neuzugänge der letzten fünf Jahre sind in den USA gelistet. Zu den Top-Five-Börsen, gemessen sowohl an der Anzahl an Unicorns als auch am Platzierungsvolumen, zählen die NYSE, die NASDAQ, die Stock Exchange of Hong Kong, die Deutsche Börse und die Tokioter Börse.

Börsengang – Accelerator für schnelleres Wachstum

Auf dem Weg zum Unicorn sind Umsatzwachstum und Schnelligkeit kritisch für den Erfolg in den Märkten mit durch Digitalisierung verbundenen Umbrüchen. So erwägen viele stark wachsende Unternehmen die Strategieoption Börsengang, um Kapital zu beschaffen, Zugang zu neuen, externen Investoren zu ermöglichen, bestehenden Investoren einen liquiden Exitmarkt zu eröffnen und Wachstum zu beschleunigen, Innovationen zu finanzieren sowie schneller zur Marktführerschaft zu erlangen. Der Börsengang kann die Marke stärken und die Präsenz eines Unternehmens bei Stakeholdern und in der Öffentlichkeit erhöhen. Er macht das Unternehmen für Top-Manager attraktiver. Unternehmer erhalten so ein zusätzliches Bindungsinstrument sowie eine neue Möglichkeit, Vertreter aus der Topriege der Manager anzuziehen und Schlüssel-Know-how besser zu gewinnen und zu binden. Im Gegensatz zu einer M&A-Transaktion kann ein IPO ein Unternehmen in die Lage versetzen, weiter unabhängig zu agieren – ohne von einer größeren Organisation aufgesogen zu werden. Die strategische Handlungsfreiheit bleibt so gewahrt.

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