Bildnachweis: Porsche AG

Diesen und weitere Artikel zum Thema IPO, Aktien und Börse finden Sie in der neuen Ausgabe des GoingPublic Magazins 01-2022.

Porsche SE bestätigt IPO-Gespräche

Die Porsche Automobil Holding SE hat bestätigt, dass sie sich aktuell in fortgeschrittenen Gesprächen mit der Volkswagen AG über Eckpunkte eines möglichen Börsengangs der Dr. Ing. h.c. F. Porsche AG befindet. Mit einem geschätzten Emissionsvolumen zwischen 15 und 25 Milliarden EUR könnte das Porsche-IPO unter die Top Ten der größten Börsengänge der Welt kommen. Zum Vergleich: Das Emissionsvolumen des bisher größten Going Public des Öl- und Petrochemie-Riesen Saudi Aramco 2019, lag bei knapp 26 Milliarden EUR.

Die Porsche Automobil Holding SE ist bereits an der Börse notiert und seit September 2021 mit den Vorzugsaktien auch im Dax notiert. Die SE hält insbesondere die Mehrheit der Stammaktien am Volkswagen-Konzern. Die Porsche AG wiederum, der eigentliche Sportwagenbauer, ist eine 100prozentige Tochter der Volkswagen AG, die insgesamt zwölf Marken aus sieben europäischen Staaten unter einem Dach vereint: Volkswagen Pkw, Audi, Seat, Škoda, Bentley, Bugatti, Lamborghini, Ducati, Volkswagen Nutzfahrzeuge, Scania, MAN und eben Porsche.

Wie schon bei der Porsche Holding SE, sollen auch bei der Porsche AG nur stimmrechtslose Vorzugsaktien breit an der Börse platziert werden, vorgesehen für ein IPO sind bis zu 25 Prozent der Vorzüge. Es ist nicht beabsichtigt, Porsche-Stammaktien über die Börse anzubieten. Die Holding der Familienerben will sich laut Mitteilung der Volkswagen AG eine Sperrminorität (25 Prozent der Stämme plus eine Aktie) sichern. Die Volkswagen AG würde nach dem IPO weiterhin eine Mehrheitsbeteiligung an der Porsche AG halten und diese im Wege der Vollkonsolidierung in ihren Abschluss einbeziehen.

Über das Stammkapital der Porsche SE kontrollieren die Familien Porsche und Piech die Beteiligungsholding zu 100 Prozent und bekommen auch mehr als die Hälfte der Dividende der Volkswagen AG, haben aber den Einfluss auf den Automobilbau an sich weitgehend verloren. Dies könnte sich nun je nach Detail-Konstruktion eines Börsengangs der Porsche AG, der nicht vor der zweiten Jahreshälfte erwarten wird, signifikant ändern.

Die Einnahmen aus dem möglichen Börsengang der Porsche AG möchte VW für die Beschleunigung der industriellen und technologischen Transformation des Konzerns nutzen. Dazu gehören Investitionen in die weltweiten Produktionskapazitäten für Elektrofahrzeuge und die Finanzierung von zusätzlichem Wachstum.

Credicore expandiert in ­Deutschland

Im laufenden Jahr plant das Hamburger Pfandhaus Credicore weiteres zweistelliges Wachstum am Standort Hamburg und den Start seiner deutschlandweiten Expansion.

Zur Wachstumsfinanzierung hat die Credicore Pfandhaus GmbH Ende 2021 eine Unternehmensanleihe an der Börse Frankfurt begeben. Die Anleihe hat ein Zielvolumen von bis zu 15 Mio. EUR, einen Festzins von 8,0% p.a. und eine Laufzeit von fünf Jahren. Der Wertpapierprospekt wurde durch die Luxemburgische Finanzmarktaufsichtsbehörde (CSSF) gebilligt. Als Zahlstelle fungiert die Baader Bank AG.

Credicore wurde im April 2021 in ­Hamburg gegründet. Das Team rund um Gründer Miguel Meyer verfügt über ­jahrzehntelange Erfahrung im Pfand­geschäft und in der Bewertung unterschiedlichster Pfandgüter. So ist es dem Unternehmen gelungen, bereits innerhalb weniger Monate ein Pfandvolumen von 2,8 Mio. EUR zu generieren und deutlich profitabel zu sein.

Henri Broen hält an Aktienbörsengang fest

Nach ihrer Anleiheemission 2021 und ­diversen erzielten Meilensteinen ging die Henri Broen Holding im Dezember 2021 eine Partnerschaft mit der Balthazar ­Unternehmensgruppe ein und konnte sich so ein exklusives Zugriffsrecht auf ein deutsches Immobilienportfolio in Metropolen mit einem Verkaufsvolumen von über 2 Mrd. EUR sichern. Die Balthazar Unternehmensgruppe ist Experte im deutschen Immobilienmarkt und seit 40 Jahren aktiv. Im laufenden Jahr wolle die Holding weitere Partnerschaften realisieren sowie den Markteintritt in Spanien und in aus­gewählte Länder Afrikas vollziehen.

Außerdem äußerte sich Henri-Broen-CFO Carsten Mainitz auch zum geplanten IPO: „Die Anleiheemission vor gut einem Jahr war unser erster Schritt in Richtung Kapitalmarkt. In einem nervösen Markt für Mittelstandsanleihen hat unsere ­Gesellschaft mit ihrer ersten Coupon­zahlung problemlos geliefert. Die erstrangig besicherte Anleihe mit einem umfangreichen Sicherheiten- und Treuhandkonzept besticht außerdem durch eine hohe Rendite. Mit der stärkeren Internationalisierung unseres Geschäfts und der Realisierung großer Immobilienprojekte ziehen wir uns jetzt Siebenmeilenstiefel an. ­Unser im zweiten Quartal 2022 geplanter Börsengang ist da nur ein konsequenter Schritt.“

Börsengang von CHEPLAPHARM verschoben

Aufgrund der aktuellen Marktbedingungen wurde das ursprünglich für das erste Quartal geplante IPO von CHEPLAPHARM vorerst auf Eis gelegt.

Die CHEPLAPHARM AG habe demnach beschlossen, den Zeitplan für ihren ­ursprünglich für das erste Quartal 2022 geplanten Börsengang zu verlängern. Das Unternehmen teilte mit, dass der Grund für diese Entscheidung die derzeit ­ungünstigen Marktbedingungen sind, die die Preisfindung erschwerten. CHEPLAPHARM wollte mit dem Börsengang ca. 750 Mio. EUR einnehmen und mit dem Emissionserlös zusätzliche Pharmaprodukte aufkaufen sowie weiterhin einen Teil der insgesamt 2,5 Mrd. EUR an Schulden abbauen.

CHEPLAPHARM ist ein pharmazeu­tisches Unternehmen mit Hauptsitz in Greifswald, das seine Produkte in rund 145 Ländern weltweit anbietet. Das Fami­lienunternehmen konzentriert sich auf die Auswahl sowie den Erwerb geeigneter Produkte oder Produktportfolios, das Management der Übertragung der Vermarktungszulassungen sowie die Verbesserung der Perspektiven durch Lebens­zyklus­manage­ment. Der Investitionsschwerpunkt liegt auf etablierten, patentfreien Marken- und Nischenprodukten mit planbaren Cashflows von großen Pharmaunternehmen.

FlixMobility mit Personalwechsel vor avisiertem Börsengang

In Vorbereitung auf den seit Langem erwarteten Börsengang kommt ein neuer CFO mit Kapitalmarkterfahrung zu FlixMobility. Das Unternehmen verkündete, dass Christoph Debus ab Anfang März den Posten als CFO übernehmen wird. Debus, der noch bis Ende Februar CFO bei der Fluggesellschaft Condor tätig ist und vorher für Thomas Cook und Air Berlin arbeitete, gilt als kapitalmarkterfahren.

Der Personalwechsel wird als vorbereitender Schritt für einen demnächst angepeilten Börsengang gedeutet. Dagegen wird Christian Rummel, seit zehn Monaten Finanzvorstand von FlixMobility, das Unternehmen wieder verlassen. Außerdem wechselt FlixMobility ab 1. April seine Rechtsform von einer GmbH hin zur SE (Societas Europaea) als eine weitere Voraussetzung für die Börsennotiz. Dem Vernehmen nach soll FlixMobility aktuell etwa 3 Mrd. EUR wert sein.

Des Weiteren wird sich das bisherige gleichberechtigte Führungstrio der Gründer André Schwämmlein, Daniel Krauss und Jochen Engert umstellen, indem ab sofort Schwämmlein als CEO ­fungiert und dabei für die die Geschäftsbereiche ­FlixBus und FlixTrain, die kommerziellen Funktionen sowie den Bereich Kommunikation, Politik und Nachhaltigkeit zuständig sein wird. Krauss wird als CIO die Bereiche Technology und People ­Management verantworten. Engert ­hingegen wird in den Aufsichtsrat ­wechseln.

Börse London lockt ­Privatunternehmen

Medienberichten zufolge möchte die ­Londoner Börse ein neues Marktsegment auflegen, um die Hemmschwelle für ­Tech-Start-ups niedriger zu legen. Von den Plänen berichtete zuerst das Wall Street Journal unter Berufung auf ­Vorschläge an die heimische Aufsichts­behörde FCA sowie das britische Finanzministerium.

Im Fokus stünden schnell wachsende Technologieunternehmen, für die aufgrund zu hoher Auflagen bis dato kein Marktsegment passend oder machbar sei – und die daher auf eine frühzeitige Börsennotiz verzichten bzw. verzichten müssen. Für zahlreiche Start-ups wirken gängige Börsenauflagen häufig abschreckend.

Um diese Hemmschwelle abzubauen, plant die LSE offenbar ein Retuschieren der Grenze zwischen privaten und öffent­lichen Unternehmen. Die sicherlich ­gewöhnungsbedürftigste Lockerung: Ein Handel der Wertpapiere würde nach Wahl lediglich an einem bis fünf Werktagen im Monat, im Quartal oder im Halbjahr erfolgen. Intern soll der Vorschlag MTF-light heißen. MTF steht für Multi­lateral
Trading Facility. Hintergrund ­dürfte die seit mehr als einem Jahrzehnt zurück­gehende Zahl an notierten Unternehmen an der LSE sein – allerdings zeitigen ­andere Börsenplätze inkl. Frankfurt das gleiche Phänomen: Seit einigen Jahren sind mehr Delistings als Börsen­debü­tanten zu verzeichnen.