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Trotz getrübter Marktstimmung setzt die Beteiligungsgesellschaft ihre Börsenpläne in die Tat um: Die Berliner glauben an das Potenzial deutscher Startups und wollen dafür frisches Kapital einsammeln. An einigen lukrativen Firmen sind sie schon beteiligt.

Börsengang
Bis zu 20 Mio. neue Aktien können bis zum 16. Juli gezeichnet werden. „Der Börsengang ist eine reine Finanzierungsmaßnahme, unsere Aktionäre verkaufen Aktien nur dann, wenn der Greenshoe der Banken ausgeübt wird“, erläutert uns Vorstandschef Christoph Gerlinger. Die mögliche Mehrzuteilung umfasst bis zu 2,1 Mio. Aktien der Altgesellschafter. Die Preispanne wurde auf 2,70 bis 3,60 EUR festgelegt.

Durch den Börsengang sollen der German Startups Group Berlin GmbH & Co. KGaA (GSG) bis zu 72 Mio. EUR zufließen. Das IPO ist insgesamt bis zu 79,6 Mio. EUR schwer,  beim geplanten Ausgabepreis wäre die Beteiligungsgesellschaft an der Börse zwischen 74 Mio. und knapp 100 Mio. EUR wert. Für seine Anteile verpflichtete sich Gerlinger zu einer Haltefrist von 12 Monaten nach dem Börsengang, andere Aktionären wählten nur ein Lock-up von 6 Monaten. GSG wird außerdem bis 12 Monate nach dem IPO keine Aktien emittieren oder veräußern. Die Commerzbank begleitet das IPO als Global Coordinator und Joint Bookrunner. Weitere Beteiligte sind Hauck & Aufhäuser, BHF-BANK und quirin bank.

Unternehmen
Die German Startups Group hat in einige der größten deutschen Startups investiert: Im Portfolio befinden sich junge deutsche Firmen wie der Lieferservice Delivery Hero, der Brillenhändler Mister Spex und das Musikportal SoundCloud. Derzeit befinden sich 43 Minderheitsbeteiligungen im Portfolio. Allerdings sind die meisten Anteile sehr klein. Mit exozet wurde erst vor kurzem die erste Mehrheitsbeteiligung erworben. Die Tech-Agentur mit 110 Mitarbeitern besteht vor allem aus Programmierern, Web- und User-Interface-Designern: ihre Dienstleistungen benötigen Startups zur Gestaltung ihres Produkt- und Webauftritts. Gegründet wurde GSG von Christoph Gerlinger. Der 47-Jährige Betriebswirt war bis 2002 Finanzvorstand des nur anfangs am Neuen Markt erfolgreichen Computerspieleherstellers cdv software (Insolvenz 2010). 2005 gründete Gerlinger die börsennotierte Spielefirma Frogster Interactive, die 2010 an die Karlsruher Gameforge verkauft wurde.

Das zehnköpfige GSG-Team prüft nach eigenen Angaben jährlich knapp 600 Beteiligungsmöglichkeiten. Nur bei etwa 20 entschließt sich das Management letztlich zu einem Investment. Dazu zählen Geschäftsmodelle oder Produkte, die innovativ sind und das Potential haben, richtig groß zu werden. Genauso wichtig sei das Gründerteam: „Ergänzen sich ihre Kompetenzen, haben sie zuvor schon einmal erfolgreich gegründet?“, sind für Gerlinger zentrale Fragen. Das investierte Geld dafür ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag stammte bisher von Gerlinger und aus seinem privaten Umfeld. Anders als ein klassischer VC-Fonds mit einer bestimmten Laufzeit kann sich GSG auch langfristig an Unternehmen binden: „Wir schlagen eine Brücke von Privatanlegern zur Venture Capital- und Start-up-Szene“, erläutert Gerlinger. „Die einen bekommen eine spannende Möglichkeit, ihr Geld anzulegen; die anderen eine weitere Finanzierungsquelle, ihr Wachstum zu finanzieren.“ Damit auch Privatanleger bei der Neuemission zum Zug kommen, hat GSG auf seiner Homepage ein spezielles Zeichnungstool für sie eingerichtet.

German Startups Group Berlin GmbH & Co. KGaA
2013 2014 2015e 2016e
Ergebnis Beteiligungsgeschäft *) 0,9 2,5 5,8 15,0
Nettoergebnis *) 0,2 1,4 2,8 6,2
EpS 0,01 0,05 0,10 0,23
KGV min. >100 52,8 26,4 11,9
KGV max. >100 70,5 35,2 15,9
*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: GoingPublic Research. Zugrundegelegt ist natürlich die NEUE Aktienanzahl der Vergleichbarkeit halber.


Geschäftszahlen

Im Geschäftsjahr 2014 verdreifachte sich das Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft auf 2,5 Mio. EUR. Der Gewinn nach IFRS verbesserte sich von 0,2 auf 1,4 Mio. EUR. Im 1. Quartal 2015 setzte sich dieser Trend fort: Das Ergebnis aus dem Beteiligungsgeschäft verzehnfachte sich in etwa, wodurch sich das Nettoergebnis gegenüber dem Vorjahresquartal von -0,2 auf +0,6 Mio. EUR verbesserte. Neben dem Erwerb neuer Beteiligungen ist dies auf die Wertsteigerung von siebzehn Portfoliounternehmen zurückzuführen.

Daneben konnte die Gesellschaft mit dem Verkauf ihrer Anteile an dem Werbetech-Anbieter Fyber und dem Online-Erotikhändler Amorelie zwei erfolgreiche Exits verbuchen. Laut Gerlinger arbeitet GSG seit dem ersten vollen Geschäftsjahr 2013 profitabel. Vom Zeitpunkt der Gründung am 1. Juli 2012 bis zum 31. März 2015 habe das Unternehmen eine jährliche Durchschnitts-Brutto-Rendite von über 30% erzielt. Der Wert des GSG-Portfolios betrage demnach aktuell 18,4 Mio. EUR. Perspektivisch will GSG weitere Mehrheitsbeteiligungen eingehen, die dann beim Umsatz ein Übergewicht bekämen. Daneben sollen weitere Minderheitsbeteiligungen erworben werden: „Wir wollen aber Firmen nicht nur mit unserem Kapital, sondern auch mit unserem Wissen, Erfahrungen und Netzwerk helfen“, betont Gerlinger.

Mittelverwendung
Das Geld aus dem Börsengang will GSG zu 70 bis 80% in bestehende und neue Beteiligungen investieren. „Wir können jetzt auch verstärkt Mehrheitsbeteiligungen erwerben“, kündigt Gerlinger an. „Bisher war das nicht so einfach möglich, da uns die notwendige Finanzierungskraft fehlte.“ Für allgemeine Geschäftszwecke und eine Liquiditätsreserve sollen 20 bis 30% zurückgehalten werden.

Fazit
Mit dem Fokus auf junge Wachstumsunternehmen in Deutschland hat GSG einen sehr guten Zugang zu unabhängigen Gründerteams. Neben der klassischen Beteiligung an Finanzierungsrunden profitiert das Unternehmen durch den Erwerb von Anteilen, die Altgesellschafter abgeben wollen. Positiv fällt auf, dass sich beim IPO nur im Falle einer Mehrzuteilung Altaktionäre von eigenen Wertpapieren zu trennen beabsichtigen. Nicht zu vergessen ist das Geschäftsmodell natürlich von einer hinreichenden Zahl aussichtsreicher Startups abhängig. Eine Ergebnisprognose ist aufgrund der schwer zu bewerkstelligenden Beteiligungsbewertungen naturgemäß schwierig – Rocket Internet lässt grüßen. Außer es gibt erfolgreiche Exits beispielsweise im Falle von Börsengängen einiger Beteiligungen. Das Wertpapier eignet sich daher für risikobereite Anleger mit langfristigem Horizont.

 

German Startups Group Berlin GmbH & Co. KGaA
WKN A1M MEV
Zeichnungsfrist 8. bis 16. Juli
Erstnotiz vsl. 17. Juli
Preisspanne 2,70 bis 3,60 EUR
MarketCap 74 Mio. bis 98,6 Mio. EUR
Marktsegment Entry Standard
Emissionsvolumen 59,7 bis 79,6 Mio. EUR
Konsortium Commerzbank (Global Coordinator);
Hauck & Aufhäuser, BHF-BANK, quirin bank (Joint Bookrunner)
Free Float  max. 81%

 

 

Über den Autor

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