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Man möchte ihnen die Standarderkenntnis gebeutelter Kleinanleger zurufen: Grämt Euch nicht, das Geld ist ja nicht weg, es haben nur andere. Otto Normalanleger hat ja ob der vielen Anlageklassen von Derivaten, verschachtelten Optionen, Zertifikaten und mit was weiß der Geier alles für Sicherheiten hinterlegten Finanzvehikeln schon lange der Verdacht beschlichen, nicht mehr so recht den Überblick behalten zu haben. Jetzt kann er befreit durchatmen. Alles nur halb so peinlich, die Profis blicken ganz offenbar selbst nicht mehr durch. Sonst würden sie ja nicht Milliardenabschreibungen anhäufen.
Die Lordsiegelbewahrer des klaren, wahrhaftigen Investierens hatten es schon immer gewusst: Stecke Dein im Zweifelsfall hart erarbeitetes Geld nur in Unternehmen, deren Geschäftsmodell Du verstehst. Das Geschäftsmodell, ziemlich mittellosen Kunden ziemlich hohe Kredite zu gewähren, bloß weil Geld gerade billig zu haben und die Risiken fein verpackt und verbrieft zu einem großen Teil weiter zu reichen waren, ist auch bei mehrmaligem Nachdenken nicht wirklich als nachhaltig zu verstehen. Die Sache platzt ja schon, bloß weil die Zinsen gestiegen sind. Was wäre denn bei einer Rezession in USA passiert (mal abgesehen davon, dass die Zahl derer, die die US-Statistiken für geschönt halten und die größte Volkswirtschaft der Welt schon in einer Nicht-Wachstumsphase sehen, steigt)?

Es dürfte bei all denen, die sich noch heute die Wunden der Verluste zum Beispiel am Neuen Markt lecken, ein gewisses Gefühl irgendwo zwischen Erleichterung und Schadenfreude einstellen: Nicht nur die Amateure, sondern auch Profis können richtig daneben liegen, jedes Gefühl für das Risiko verlieren und im Übrigen alle Sicherungseinrichtungen hinwegfegen. Genau genommen können das die Profis sogar noch krasser, wie man nun weiß. Geahnt hatte man das schon lange, aber bislang stellte es sich eher als Werk Einzelner dar, die zumeist grob pflichtwidrig handelten. Nun beweist der Hagelschlag quer durch die Bilanzen: So ziemlich die ganze Branche hat sich verspekuliert. Und Citi, J.P.Morgan, die Deutsche Bank oder Bear Sterns sind ja keine nachrangigen Adressen.

So hat die Subprime-Krise doch etwas Gutes: Die Kleinanleger können insofern wieder beruhigt schlafen, als sie nicht die einzigen sind, die an der Börse und bei der Geldanlage bisweilen daneben liegen.

Stefan Preuß