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Neben den Lieferkettenstörungen belasten auch die deutlich ansteigenden Corona-Fallzahlen erneut die wirtschaftlichen Aussichten für Deutschland. Sollte die weitere Ausbreitung des Virus nicht schnell eingedämmt werden, besteht die akute Gefahr einer verbreiteten Überauslastung der Gesundheitskapazitäten und damit möglicherweise erneute Shutdowns. Damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sich nach einem Nullwachstum im vierten Quartal auch in den ersten Monaten des neuen Jahres nur eine verhaltene wirtschaftliche Dynamik ergibt. Denn weltweit ist auch kein Ende der Abfertigungsstaus einiger großer Containerhäfen absehbar.

In den USA hingegen wird die Wirtschaft im vierten Quartal stärker zulegen als im Vorquartal. Darauf deuten die zuletzt gestiegenen Einkaufsmanagerindizes hin. Die Wirtschaft profitiert in diesem Fall von der geringen Exportabhängigkeit. Der wichtigste Baustein für die US-Konjunktur ist der private Konsum, der zurzeit von deutlich nachgebenden Arbeitslosenzahlen unterstützt wird. Entsprechend stiegen die Einzelhandelsumsätze allein im Oktober um 1,7%. Auch die Industrieproduktion konnte mit 1,6% im Vergleich zum Vormonat deutlich zulegen.

Neben der zuletzt auf 4,6% gesunkenen Arbeitslosenquote und 604.000 neu geschaffenen Stellen außerhalb der Landwirtschaft ist in den USA auch eine steigende Anzahl von Kündigungen von Arbeitsverhältnissen durch Arbeitnehmer zu verzeichnen, die durch einen Jobwechsel höhere Löhne vereinbaren können. Gleichzeitig suchen Unternehmen angesichts der boomenden Wirtschaft hängeringend nach neuen Arbeitskräften. Die Anzahl der offenen Stellen in den USA liegt weiterhin bei etwa 10,4 Millionen.

Der zunehmende Lohndruck bewirkt zusammen mit deutlich steigenden Preisen für viele Vorleistungen, Rohstoffe, Transportkapazitäten und Energie einen anhaltenden Anstieg der Produzentenpreise. Diese wiederum sind in den USA Haupttreiber des sehr hohen Anstiegs der Verbraucherpreise – von zuletzt 6,2%. Die US-Notenbank Fed räumt zwar mittlerweile ein, dass die Inflation länger anhalten wird, geht jedoch nach wie vor von einem temporären Phänomen aus. Daran sind jedoch zunehmende Zweifel angebracht.

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Je länger die hohen Preissteigerungsraten anhalten, umso stärker werden sie von Wirtschaftssubjekten in allen Formen von Preissetzungen berücksichtigt – bspw. bei Lohnverhandlungen oder der Kalkulation von Verkaufspreisen von Gütern und Dienstleistungen. So kann eine sich selbst antreibende Preisspirale entstehen, die von der Notenbank nur durch schnelle und drastische Zinserhöhungen durchbrochen werden könnte. Die Wahrscheinlichkeit für ein solches Szenario ist zuletzt erheblich gestiegen. Es ist daher gut möglich, dass die Fed die Geschwindigkeit der Reduktion der Wertpapierkaufvolumina (Tapering) schon im Dezember anhebt und bereits im zweiten Quartal 2022 eine erste Leitzinserhöhung vornimmt.

Die schneller als erwartetet steigenden US-Zinsen würden dem US-Dollar einen weiteren Auftrieb geben. Für US-Aktien würden sich die kurzfristigen Perspektiven damit zusätzlich eintrüben. Auch für Schwellenländer wären steigende US-Zinsen und ein festerer Dollar ein Belastungsfaktor.

Sollte die Inflation auf stark erhöhten Niveaus verharren, wären über den Verlust an Kaufkraft negative Auswirkungen auf den Konsum wahrscheinlich. Auch deswegen äußerte sich US-Präsident Biden zuletzt besorgt. Dabei befindet sich gerade er in einer Zwickmühle: das verabschiedete 1,2 Billionen US-Dollar Infrastrukturpaket und das in den Verhandlungen befindliche Paket für Klimaschutz und Soziales heizen die Nachfrage und die Inflation tendenziell weiter an. Gleichzeitig verwässert aufgrund steigender Preise der Investitionseffekt. In dieser Situation hat die Opposition leichtes Spiel und – aus heutiger Sicht – für die in einem Jahr stattfindenden Midterm Elections die besseren Karten.

Über den Autor / die Autoren

Carsten Mumm

Carsten Mumm ist Chefvolkswirt bei der Privatbank Donner & Reuschel.