Der KMU-Wachstumsmarkt ist wesentlicher Baustein der Kapitalmarktunion, eines der Prestigeprojekte  der EU-Kommission. Eine aktuelle Initiative will jetzt neue Dynamik in das Thema bringen. Von Dr. Marc Feiler und Dr. Rainer Wienke

Nach dem neu eingefügten § 48a BörsG (1) können Börsen ihren Frei- verkehr bzw. einen Teilbereich dessen als Wachstumsmarkt für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU)(2) registrieren lassen. Der sog. KMU-Wachstumsmarkt soll KMU bei angemessenem Verwaltungsauf- wand den Zugang zu Kapital erleichtern. So werden den Emittenten des KMU-Wachstumsmarktes nach geltendem Recht Erleichterungen bei der Erfüllung der Transparenz- und Publizitätspflichten der Marktmissbrauchsverordnung (MAR) (3) gewährt.

Die Gastautoren Dr. Marc Feiler und Dr. Rainer Wienke, Börse München.
Die Gastautoren Dr. Marc Feiler und Dr. Rainer Wienke, Börse München.

Obwohl die hierzulande etablierten Mittelstandssegmente wie etwa Scale der Deutschen Börse AG oder m:access der Börse München eine Registrierung als KMU-Wachstumsmarkt einfach erlangen könnten, wurde dies bislang nicht beantragt. Europaweit haben sich  aktuell von den potenziell 40 KMU-Wachstums- märkten lediglich die beiden Märkte des Alternative Investments Market (AIM) und die Börse Sofia registrieren lassen (4). Dabei ist zu berücksichtigen, dass der AIM London demnächst nicht mehr zur EU gehört und der aktuelle Boom des AIM Italia durch steuerliche Begünstigungen indiziert ist.

Die Zurückhaltung der Börsen lässt sich mit den nur marginalen Erleichterungen beim Being-public erklären, die noch kei- nen erkennbaren Mehrwert für Emittenten bieten. Eine Notwendigkeit, den etablierten Sondersegmenten das neue „Mäntelchen“ des KMU-Wachstumsmarktes umzuhängen, wurde bislang nicht gesehen.

Neue Initiativen der Kommission

Zur Steigerung der Akzeptanz bessert die Kommission das bisherige Konzept des KMU-Wachstumsmarktes mit neuen Initiativen nach (5). U.a. soll

  • bei öffentlichen Angeboten ein KMU-Wachstumsprospekt bestimmte Erleichterungen gewähren und
  • für KMU-Emittenten, die in den Regulierten Markt „aufsteigen“ wollen, ein vereinfachter „Transferprospekt“ geschaffen Zusätzlich werden bestimmte Transparenz- vorschriften der MAR bei Insiderthemen und Directors’ Dealings weiter abgeschwächt durch
  • die Beschränkung der Insiderlisten auf permanente Insider, die Erleichterung der Aufschiebung von Veröffentlichungen von Insiderinformationen,
  • die Befreiung von Offenlegungspflichten bei Privatplatzierungen von Anleihen und
  • eine Fristverlängerung bei der Veröffentlichung von Directors’ Dealings.
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