Interview mit dem Manager Magazin- und SPIEGEL-Bestsellerautor Marc Friedrich.

goingpublic.de: Müssten Sie jetzt nachdem die EZB über Ihr Staatsanleihenkaufprogramm bis zu eine Milliarde Euro in die Märkte pumpt ein neues Buch schreiben, bzw. das letzte neu auflegen?

Marc Friedrich & Matthias Weik, Friedrich & Weik Vermögenssicherung
Marc Friedrich & Matthias Weik, Friedrich & Weik Vermögenssicherung

Marc Friedrich: Wir haben leider richtig prognostiziert, dass die Notenbanken in einer Zwickmühle sind und gar nicht anders können als die Zinsen auf Rekordtief zu belassen und weiter zu senken sowie die Bürger weiter durch diese Niedrigzinsphase zu enteignen. Auch die Negativzinsen werden für alle Kleinsparer kommen. Ein Bargeldverbot steht schon im Raum, wie auch vom ehemaligen IWF-Chefökonom Kenneth Rogoff schon vorgeschlagen. Und natürlich gehen die Kosten der Bankenrettung und der Euro-Krise auf die Kosten der Bürger. Das ist das Ziel der Politik Hand in Hand mit der Finanzwirtschaft. Das Buch ist also immer noch hochaktuell

Hätte die EU nicht die Schuldenschnitte durchgeführt und Griechenland stattdessen Pleite gehen lassen, wären die Folgen zum damaligen Zeitpunkt überhaupt tragbar gewesen?
Durch die Rettung Griechenlands wurde die größte Insolvenzverschleppung in der Geschichte der Menschheit durchgeführt. Wir müssen endlich realisieren: Griechenland ist de facto bankrott. Die werden niemals im Zinskorsett der EZB gesunden können. Genau wie Portugal, Spanien, Italien, Frankreich…..Griechenland müsste erst einmal eine eigene Währung haben und die abwerten um wettbewerbsfähig zu werden. Wir müssen das rein politische, jetzt schon gescheiterte Währungsexperiment Euro endlich ad acta legen.

Was ist der nächste Schritt?
Dann kommt ein Schuldenerlass, so oder so. Deutschland ist seit Jahren Weltmeister, was den Export betrifft, hat Rekordsteuereinnahmen und -Beschäftigungsquoten, aber nicht mal wir als Wirtschaftslokomotive Nummer eins schaffen es in Rekordjahren unsere Schulden zu tilgen. Wie können wir dann erwarten, dass es Griechenland oder Japan oder Portugal jemals schaffen können? Seit 2008 wird dieser Patient Griechenland mit Maßen an Geld künstlich am Leben gehalten. Die Griechen leben über ihre Verhältnisse, wie wir alle. Sie müssen auf jeden Fall 30, 40, 50% ihres Lebensstandards abgeben. Nur so kann eine Genesung passieren. Die Heilung wird nicht ohne Schmerzen einhergehen.

Wie geht es mit Griechenland jetzt weiter?
Griechenland wird niemals von Alleine auf die Beine kommen. Wie wir im Buch geschrieben haben brauchen wir jetzt eine Art Marshallsplan, damit Griechenland wieder eine wettbewerbsfähige Industrie und Wirtschaft aufbauen kann, denn durch Einsparung kann man nicht wachsen: so entstehen keine Arbeitsplätze, kein Binnenkonsum und somit auch keine Steuereinnahmen. Aber all das braucht ein Land um Prosperität für alle zu schaffen.

Was die neue Regierung jetzt fordert sind aber eben keine Einsparungen. Sind durch die veränderten politischen Bedingungen in Griechenland, die Stützung des Marktes durch die großangelegten Anleihekäufe der EZB und die Gewöhnung der Marktteilnehmer an das Austrittsszenario jetzt endlich die Bedingungen für ein Exit geschaffen?

Jetzt sind die Umstände natürlich noch optimaler als vor einem Jahr oder drei Jahren als es viele Banken erwischt hätte. Wir haben in dem Buch ja gerade diese Entwicklung beschrieben, dass diese fatale Politik der Krisenmanager und die falsche Notenbankpolitik in Europa einen brandgefährlichen Nährboden schaffen für Extremisten, Separatisten und Nationalisten. Das müssen sie sich mal überlegen: In Griechenland gibt es jetzt eine rechts- und linksradikale Regierungskoalition. Da sieht man mal wie verzweifelt die Lage ist. Dass zeigt auch, dass die ganze griechische Rettungspolitik ad absurdum geführt wurde, auch weil die griechischen Schulden jetzt höher sind als vor dem Schuldenschnitt.

Was ist das Kernproblem? Und wie sieht es damit aus, dass die EU eben nicht nur eine Wirtschafts- und Währungsunion sondern eben auch eine politische Union ist, was ganz andere Implikationen hat?
Es gab nur eine weitere Verschiebung des Vermögens von unten, der Mitte und von oben nach ganz oben. Es gab parallel dazu eine weitere Verschiebung der Probleme in die Zukunft. Irgendwann werden die über uns hereinbrechen – mit immensen Kollateralschäden. Die EU braucht weder die europäische Union noch den Euro. Und was die EU über Jahre verpasst hat: Wir haben eine Währungsunion, aber wir haben keine politische Union. Wir haben keine soziale- und keine Steuerunion. Und so etwas kann nicht funktionieren. Die Menschen fühlen sich deshalb von der EU auch nicht abgeholt. Es ist nur eine Frage der Zeit bis uns das Konstrukt um die Ohren fliegt. Wir sehen ja wie immer mehr extremistische Kräfte Zulauf erhalten. Alle Währungsunionen in der Geschichte sind ausnahmslos gescheitert. Die Frage ist nicht ob der Crash kommt, sondern nur wann. Wir werden alle abgeben müssen. Über Niedrigzinsen, Euroschwäche, Steuern und Mietsteigerung geben wir aber jetzt schon ab. Den Lebensstil, den wir die letzten sieben bis acht Jahre teuer erkauft haben, werden wir nicht halten können.

Herr Friedrich, vielen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Konstantin Riffler.

Die beiden Ökonomen und Honorarberater und „Querdenker“ – wie sie sich selbst bezeichnen – Matthias Weik und Marc Friedrich schrieben 2012 zusammen den Bestseller “Der größte Raubzug der Geschichte – warum die Fleißigen immer ärmer und die Reichen immer reicher werden“, der 2013 eines der verkaufstärksten Wirtschaftsbücher war. Mit ihrem zweiten Buch, „Der Crash ist die Lösung – Warum der finale Kollaps kommt und wie Sie Ihr Vermögen retten“, haben sie es bis auf Rang 2 der Spiegel Bestsellerliste geschafft sowie auf Rang 1 im Manager Magazin und Handelsblatt.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.