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Der Marineschiffbauer TKMS (ISIN: DE000TKMS001, MarketCap: 6,02 Mrd. EUR) stellt für das laufende Geschäftsjahr ein stärkeres Wachstum in Aussicht als bislang prognostiziert. Für das Geschäftsjahr 2025/26 rechnet das Unternehmen nun mit einem Umsatzplus von 2 bis 5 %. Von Christian Euler
Der im MDAX gelistete Börsenneuling hat im ersten Quartal (bis Ende Dezember) operativ stagniert. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) blieb mit 26 Mio. Euro auf Vorjahresniveau, während der Umsatz leicht von 550 auf 545 Mio. Euro zurückging. Unter dem Strich brach der Gewinn um 85 % auf 4 Mio. Euro ein – maßgeblich bedingt durch höhere Steuerlasten und ein schwächeres Finanzergebnis. Die EBIT-Marge verbesserte sich dennoch leicht von 4,7 auf 4,8 %.
TKMS, nach eigenen Angaben Weltmarktführer bei nicht nuklear betriebenen U-Booten, baut zudem Fregatten und Korvetten. Die Quartalszahlen lagen insgesamt im Rahmen der Erwartungen. Für Aufmerksamkeit sorgte die angehobene Umsatzprognose für das Geschäftsjahr 2025/26: Statt eines Korridors von minus 1 bis plus 2 % stellt das Management nun ein Wachstum von 2 bis 5 % in Aussicht. Zugleich bestätigte der Vorstand seine Margenziele mit einer Ausweitung auf über 6 % sowie einem mittelfristigen Zielwert von mehr als 7 %. Das bereinigte EBIT soll weiterhin zwischen 100 und 150 Mio. EUR liegen.
Positives geopolitisches Umfeld
CEO Oliver Burkhard bekräftigte zugleich die mittelfristigen Wachstumsziele. Demnach sollen die Erlöse jährlich im Schnitt um rund 10 % steigen, begleitet von zunehmender Dynamik. „Angesichts aktueller geopolitischer Entwicklungen haben unsere Kunden weiterhin einen hohen Bedarf an fortschrittlichen, maritimen Fähigkeiten“, sagte Burkhard. Der Auftragsbestand der Thyssenkrupp-Rüstungstochter summiert sich inzwischen auf rund 18,7 Mrd. Euro – ein Rekordwert in der Unternehmensgeschichte.
Die TKMS-Aktie gab am frühen Nachmittag um rund 2 % nach. Nach dem fulminanten Börsendebüt (Zur Story) im Oktober vergangenen Jahres fiel der Kurs Ende November auf 57,50 EUR und rutschte damit sogar unter den Ausgabepreis in Höhe von 60 EUR. Im Dezember erfolgte die Aufnahme in den MDAX (Zum Bericht). Anfang Februar markierte das Papier bei 107,50 EUR schließlich sein bisheriges Hoch.
Das geopolitische Umfeld dürfte die Marktbewegungen weiterhin beeinflussen. Wolfgang Ischinger, Vorsitzender der Münchner Sicherheitskonferenz, warnte gegenüber dem Berliner „Tagesspiegel“, dass ein Waffenstillstand zwischen der Ukraine und Russland die Sicherheitslage für NATO-Europa verschärfen könnte. „Dann kann Putin seine Aufrüstung in aller Ruhe fortsetzen, und die Bedrohungslage verschärft sich für die NATO-Länder an der Ostflanke“, so Ischinger.
Aktie zwischen Kaufchance und Margenrisiko

Für MWB-Research-Analyst Jens-Peter Rieck kam die negative Reaktion der TKMS-Aktie nach einem „soliden“ ersten Quartal überraschend, da der Quartalsbericht keine negativen Neuigkeiten enthalte. Er rechnet für das laufende Jahr mit einem EBIT 122 Mio. EUR und bewertet das aktuelle Kursniveau als attraktiven Einstiegszeitpunkt. TKMS bleibe der Top-Pick im Verteidigungssektor, so Rieck, der seine Kaufempfehlung mit einem Kursziel von 125,00 EUR bestätigt.
Bernstein-Analyst Adrien Rabier hingegen stuft die Aktie als hoch bewertet ein. Zwar lobt er die Quartalszahlen insgesamt, doch die Marge in der strategisch wichtigen U-Boot-Sparte bereitet ihm Sorgen. Positiv bewertet er jedoch den Ausblick: TKMS sei auf Kurs, die Profitabilität im zweiten Quartal spürbar zu verbessern, was Anlegern Hoffnung auf eine operative Trendwende geben könnte.
Fazit
TKMS lieferte solide Quartalszahlen, die operativ weitgehend stabil bleiben. Im Fokus stehen die angehobene Umsatzprognose, die Margenziele und der Rekordauftragsbestand von 18,7 Mrd. Euro, die die mittelfristigen Wachstumsperspektiven stützen. Analysten sehen die Aktie differenziert. Insgesamt bleibt der Marineschiffbauer trotz kurzfristiger Volatilität ein aussichtsreicher Wert im Verteidigungssektor.
Autor/Autorin

Christian Euler
Christian Euler ist seit rund 20 Jahren Redakteur im Bereich Wirtschaft und Finanzen. Für die Redaktion der Kapitalmarktplattform GoingPublic beleuchtet er seit 2025 Kapitalmarktthemen und interessante Aktien.





