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Trotz des anhaltenden Fachkräftemangels gestaltet sich das Marktumfeld bei Amadeus Fire schwierig. Die konjunkturelle Flaute bekommt das Unternehmen ordentlich zu spüren. Dies verdeutlichten auch nochmal die am vergangenen Dienstag (17. Februar) nach Börsenschluss gemeldeten Jahreszahlen. Auch wenn diese in etwa im Rahmen der Analysten-Schätzungen lagen, fehlte doch eines: Die positive Überraschung. So gab die Aktie bis heute rund 17 % nach von über 34 auf nun knapp 28,10 EUR. Der aktuelle Börsenwert von unter 160 Mio. EUR wirft die Frage auf, ob man hier erste Positionen aufbauen sollte. Von Gian Hessami


Die Amadeus Fire Group (WKN: 509310) hat nach vorläufigen und noch nicht testierten Finanzkennzahlen im Geschäftsjahr 2025 einen Konzernumsatz in Höhe von rund 364 Mio. EUR erwirtschaftet – 17 % weniger als im Vorjahr. Der Umsatz lag damit innerhalb der prognostizierten Bandbreite von 355 bis 385 Mio. EUR (Vorjahr: 436,9 Mio. EUR). Das operative Ergebnis (operatives EBITA) sank von 55,5 Mio. (2024) auf rund 14 Mio. EUR (2025) und lag damit leicht unter der prognostizierten Bandbreite von 15 bis 25 Mio. EUR.

Amadeus Fire ist ein spezialisierter Personaldienstleister und Weiterbildungsanbieter mit Sitz in Frankfurt am Main, der sich auf kaufmännische und IT-Berufe konzentriert. Das Unternehmen begründet den Gewinnrückgang des vergangenen Jahres zum einen mit gesunkenen operativen Roherträgen in beiden Segmenten. Zum anderen verweist der Konzern auf einmalige Restrukturierungsaufwendungen in Höhe von 6 Mio. EUR sowie zukunftsorientierte Investitionen in die digitale Transformation der Amadeus Fire Group.

Schwieriges Marktumfeld

„Geprägt von einer anhaltenden und tiefgreifenden Wachstumskrise mangelte es 2025 an jeglicher Aufbruchstimmung bei Unternehmen in Deutschland, so dass sich die langjährige Phase der wirtschaftlichen Stagnation fortsetzte“, teilte das Unternehmen einleitend zu den Jahreszahlen mit. Das Segment Personaldienstleistungen sei im Geschäftsjahr 2025 maßgeblich von der schwachen wirtschaftlichen Lage geprägt gewesen. Trotz des anhaltenden Fachkräftemangels in vielen Bereichen zeigte sich im Jahresverlauf 2025 keine spürbare Belebung, sondern eine weiter zunehmende Marktschwäche. Weiterhin gebe es auf der Seite der Kandidaten eine ausgeprägte Zurückhaltung bei beruflichen Wechseln, da Arbeitsplatzsicherheit und Stabilität im aktuellen Umfeld der Unsicherheit höchste Priorität besitzen. Vor dem Hintergrund eines ebenfalls herausfordernden Marktumfelds im Segment Weiterbildung, insbesondere im Bereich der staatlich geförderten Weiterbildung (B2G), war der Weiterbildungsumsatz im Berichtsjahr 2025 ebenfalls rückläufig und lag unter dem Vorjahresniveau.

Analysten erwarten echte Erholung erst ab 2027

Die negative Geschäftsentwicklung kam für Marktbeobachter nicht überraschend. So konstatierten die Analysten von mwb research im Vorfeld der Veröffentlichung der jüngsten Zahlen bereits am 13. Februar, dass Amadeus Fire voraussichtlich schwache Ergebnisse für das vierte Quartal bekannt geben werde, und nahm auch zum Ausblick deutlich Stellung: „Wir erwarten, dass die Verluste im ersten Halbjahr 2026 anhalten, wobei sich die Ergebnisse verbessern sollten, da etwa 6 Mio. EUR an Restrukturierungskosten wegfallen.“ Eine bedeutendere operative Erholung sei nach Meinung der Analysten vor 2027 unwahrscheinlich. Die Analysten erwarten längerfristig jedoch deutliche Kurssteigerungen und sehen das Kursziel bei 80 EUR.

Amadeus Fire 1 Woche Chart Stand 23.02.2026 9:13 Uhr || Quelle: stock3.com

Fazit

An der Börse kamen die jüngsten Zahlen von Amadeus Fire nicht gut an, obwohl die negative Überraschung ausblieb und lediglich das Ergebnis leicht unter den Analysten-Schätzungen vermeldet wurde. Rund 17 % Kursabschlag in wenigen Tagen erscheint aber (zu) viel. Auf Sicht der vergangenen 12 Monate steht sogar ein Minus von rund 64 % zu Buche. Derzeit ist Amadeus Fire an der Börse weniger als 160 Mio. EUR wert. Das entspricht weniger als der Hälfte des Jahresumsatzes 2025 und dem 3fachen des noch 2024 erzielten Ergebnisses. Sieht man sich die Kursziele der Analysten an – mwb taxiert 80 EUR, Kepler Chevreux gar 95 EUR – sollten mutige Anleger jetzt erste Positionen aufbauen. Den geprüften Konzernjahresabschluss 2025 verkündet Amadeus Fire am 25. März nach Börsenschluss. Spannend dürfte dann vor allem der Ausblick aufs laufende Jahr sowie 2027 werden.

Autor/Autorin

Gian Hessami
Finanzjournalist at  | Website

Gian Hessami gehört zum Redaktionsteam der Kapitalmarkt-Plattform GoingPublic (GoingPublic, HV Magazin, www.goingpublic.de). Als Finanzjournalist beleuchtet er regelmäßig aktuelle Entwicklungen an der Börse und ist Autor von Beiträgen und Aktienanalysen. Mit den Finanzmärkten beschäftigt sich der gelernte Zeitungsredakteur bereits seit 2004.