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Bildnachweis: Bildquelle: Adobe Stock; © wanida prapan/EyeEm.

Kein Unternehmen kommt mehr an der Auseinandersetzung mit unternehmerischer Nachhaltigkeit vorbei. Nachhaltigkeit hat dabei viele Gesichter und steuert in Summe einer neuen Realität entgegen: Der Demokratisierung der Nachhaltigkeit!

Nachhaltigkeit ist heute überall

Unter dem Akronym ESG (Environmental Social Governance) lässt sich mittlerweile so gut wie fast jegliche unternehmerische Aktivität subsummieren, die nicht offensichtlicher Unfug ist und dem Zeitgeist entgegensteht. Die einen begeben „Green Bonds“. Das macht auch Sinn, denn die sind bei Investoren beliebt und qualifizieren für günstige Konditionen. Andere schreiben sich Diversität groß auf die Fahnen. Auch das macht Sinn und ist im Wettbewerb um die besten Köpfe sogar unumgänglich.

Wieder andere pflanzen Bäume für geflogene Flugkilometer; dedizieren Cent-Beträge aus verkauften Treibstoff-Litern für den CO2-Ausgleich; bauen Rollstuhl-gerechte Wanderwege; unterstützen Künstler und solchen, die es noch werden wollen; setzen auf Mülltrennung, Kooperationen mit innovativen Startups, Stakeholder-Dialoge, Assessments, Ratings, Preise und Belobigungen, nehmen an Konferenzen teil, geben Interviews und buchen (nicht selten) großflächige Werbeanzeigen, um all dieses Tun auch werbetechnisch zu verbraten. Fast alle – zumindest börsennotierte Unternehmen – lassen darüber dann elaborierte Nachhaltigkeitsberichte erstellen und bekräftigen daraus abgeleitete Nachhaltigkeits-Ziele für 20-irgendwann. All das – dies sei an dieser Stelle klargestellt – ist dem Grunde nach gut, richtig und wichtig.

Von der Verpflichtung gegenüber Stakeholdern…

Larry Fink von BlackRock spricht von einer fundamentalen Umgestaltung der Finanzwelt und impft den CEOs dieser Welt das Bewusstsein dafür ein, dass ein Unternehmen nur dann auf Dauer Gewinne erzielen wird, wenn es sich auf seinen Unternehmenszweck konzentriert und die Bedürfnisse seiner verschiedenen Stakeholder berücksichtigt. In einem seiner letzten Briefe schreibt er: „Ein Pharmaunternehmen, das rücksichtslos die Preise anhebt, ein Bergbauunternehmen, bei dem die Sicherheit zu kurz kommt, eine Bank, die ihre Kunden nicht respektiert: Solche Unternehmen mögen kurzfristig ihren Gewinn maximieren. Aber wie wir immer wieder erleben, fallen Handlungen, die der Gesellschaft schaden, letztlich auf das Unternehmen zurück und vernichten Vermögenswerte für die Aktionäre. Ein Unternehmenszweck und eine Verpflichtung gegenüber den Stakeholdern helfen einem Unternehmen, eine tiefere Verbindung mit seinen Kunden einzugehen und sich den sich ändernden gesellschaftlichen Anforderungen anzupassen.“ Und darin liegt, nicht nur weil Larry Fink es so prominent formuliert, die Chance des Jahrhunderts.

…zur Demokratisierung der Nachhaltigkeit

An der Börse sagt man sich gerne, dass der Markt immer Recht hat. Die Summe der abgegebenen Kauf- und Verkaufsaufträge führt zu einem für alle gültigen und akzeptierten Preis. Der Markt macht den Preis. Von Politikern hört man selbst nach unerwarteten Wahlausgängen, dass der Wähler der Souverän ist und das Ergebnis einer Wahl zu akzeptieren ist. Die Macht geht vom Volk aus. Und von Fischschulen über Bienenschwärme bis hin zu Ameisenvölkern bestätigt Mutter Natur, was mittlerweile auch in der modernen Welt der sozialen Medien Bestätigung zu finden scheint, nämlich dass kollektive Intelligenz – die Schwarmintelligenz – geneigt ist, zu richtigen Entscheidungen zu führen.

Wenn Larry Fink von der „Verpflichtung gegenüber Stakeholdern“ spricht, so spricht er in vielerlei Hinsicht von der Gesellschaft als Ganzes. Treibhausgase, Klimawandel, die Verschmutzung der Weltmeere und vieles mehr gehen uns alle etwas an. Sie manifestieren eine Verantwortung auch gegenüber den nächsten Generationen. Und es sind allen voran die Eigentümer der Unternehmen – die Aktionäre und wirtschaftlich Begünstigten – die aufgrund ihres berechtigten Interesses am Wohlergehen des Unternehmens, auch eine offensichtliche Verpflichtung gegenüber der Gesellschaft zum nachhaltigen Handeln „ihrer“ Unternehmen haben.

The Sun is Rising

Der Wert, der entsteht, wenn unternehmerische Nachhaltigkeitsbemühungen einer qualifizierten Öffentlichkeit verständlich und intuitiv erklärt werden, wenn diese Bemühungen die Unterstützung einer breiten Basis finden, ja ganz besonders wenn diese Bemühungen die wirtschaftlichen Eigentümer als Stakeholder und Multiplikatoren inkludieren … dieser Wert wird gerade erst erkannt. Die Sonne der Demokratisierung geht für die Nachhaltigkeit gerade erst auf. Sie wird umfassend positiv und gewinnbringend, und für Unternehmen ebenso wie die gesamte Asset-Management-Industrie unausweichlich werden, denn:

  1. Nachhaltigkeit zahlt mittel- bis langfristig massiv positiv auf den Unternehmenswert ein. Nachhaltig denkende Investoren werden in nachhaltig agierende Unternehmen investieren. Die Möglichkeiten moderner Kommunikationstechnologien werden die Einflussmöglichkeiten der Investoren-Basis und der Gesellschaft insgesamt katalysieren. Unternehmen müssen entscheiden, ob sie sich aktiv oder reaktiv damit auseinandersetzen wollen.
  2. Nachhaltigkeit kann kurz- bis mittelfristig ein effektives Kommunikations-Instrument sein. Sei es zur Attrahierung talentierter Arbeitnehmer, als USP in der Kundenansprache und Partnergewinnung, oder als Thema der sozial-medialen Kommunikation. Nachhaltig negativ wahrgenommene Unternehmen werden es schwer haben, sich gegenüber nachhaltig positiv wahrgenommenen Unternehmen durchzusetzen.

Nachhaltigkeit auf breite Beine zu stellen, Nachhaltigkeit als ein inklusives Instrument der Unternehmenssteuerung und -kommunikation zu machen – Nachhaltigkeit zu demokratisieren – ist ein Gebot der Stunde. Unternehmen, die dies erkennen, werden signifikante Wettbewerbsvorteile generieren. Andere werden zurückfallen.

Über den Autor / die Autoren

Dr. Martin Foussek

Dr. Martin Foussek ist Mitglied des Management Boards der Simpel S.A., einer in Luxemburg ansässigen Kapitalanlagegesellschaft, die u.a. für die Verwaltung des Standortfonds Österreich und des Standortfonds Deutschland verantwortlich ist. Über OWN360, eine digitalen Vertriebs-, Kommunikations- und Voting-Plattform, werden rund 25.000 Investoren betreut.