| GoingPublic Kolumne |
24.01.2012, 12:17 |
| Prime Standard für Anleihen - Ein konsequenter Schritt
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Nachdem im Segment der Mittelstandsanleihen ein funktionierender Kapitalmarktzugang geschaffen wurde und dieser mit 40 Anleihen bereits ein Volumen von über 2 Mrd. EUR umfasst, kündigte jüngst die Deutsche Börse AG an, das Angebot für institutionelle Anleihen bzw. Benchmarkbonds auszuweiten. Ab Anfang 2012 können Emittenten an der Frankfurter Börse ihre Anleihen im neuen „Prime Standard für Unternehmensanleihen“ begeben.
Somit bietet die Deutsche Börse für Unternehmen aller
Größenordnungen eine organisierte Plattform für die Erstnotierung und den
Handel von Anleihen an. Für mittelständisch orientierte Emittenten existiert
seit Frühjahr 2011 der „Entry Standard für Anleihen“, in dem neun Anleihen mit
einem Gesamtemissionsvolumen von rd. 400 Mio. EUR gelistet sind.
Der „Prime Standard für Anleihen“ richtet sich an größere börsen- und nicht
börsennotierte Emittenten, die ein Anleihevolumen von mindestens 100 Mio. EUR
anstreben und im Unterschied zum Mittelstandssegment die Gepflogenheiten
institutioneller Emissionspraktiken berücksichtigen. Dazu gehört als typisches
Emissionsverfahren die Fremdemission, in der für die Anleiheplatzierung i.d.R.
ein Banken- bzw. ein Underwriterkonsortium mandatiert wird. Bei der
Fremdemission sind die Anleihebedingungen stark standardisiert, vor allem im
Hinblick auf Covenant-Regelungen, und unterliegen oft einer international
ausgerichteten Prospektierung und Dokumentation. Der Primärmarkt
institutioneller Corporate Bonds deutscher Non-Financials-Emittenten betrug im
Jahr 2010 fast 50 Mrd. EUR bzw. zum 30.09.2011 rd. 32 Mrd. EUR und liegt damit
deutlich über dem Equity-Primärmarkt. Grundsätzlich wird im institutionellen
Bondmarkt zwischen „High-Yield“- und Investmentgrade-Emissionen unterschieden.
Rund drei Viertel der Emissionen 2010 und 2011 gehören zur letztgenannten
Kategorie. Zum Standard ist geworden, dass High-Yield-Anleihen eine
Freiverkehrszulassung erhalten und für die Investmentgrade-Emissionen
üblicherweise eine Primärmarktbilligung in einem EU-regulierten Marktsegment
vorgenommen wird.
Aufgrund praktikabler Zulassungs- und Billigungsverfahren und der eingespielten
Routine werden Luxemburg und Dublin als bevorzugte Börsenplätze von den
Emittenten bzw. von den Konsortialbanken gewählt. Frankfurt bildete bisher die
Ausnahme. Die typischen Primärmarktinvestoren sind vor allem große
international ausgerichtete, institutionelle Fonds, die auch das Pricing und
den Ablauf der Emission wesentlich bestimmen. Nicht selten erfolgen die
Platzierungen innerhalb von wenigen Stunden. Kleinere Fonds oder sogar
Privatanleger spielen keine Rolle. Ebenfalls findet der anschließende
Sekundärmarkthandel zu 90% im OTC-Markt statt, der wiederum fest in der Hand
institutioneller Investoren bzw. der Banken ist. Angesichts dieser
Rahmenbedingungen kann es sowohl für den Emittenten als auch für den Anleger
nur von Vorteil sein, mehr Transparenz in den Sekundärmarkt zu bekommen, indem
der öffentliche Börsenhandel ein höheres Gewicht erhält. Die Absicht der
Deutschen Börse, eine 10%ige Free-Float-Quote als Zulassungsvoraussetzung zu
verlangen, kann dabei helfen, bereits in der Primärmarktphase eine
transparentere Preisbildung zu bewirken. Hierzu möchte die Deutsche Börse den
Emittenten eine neuartige Platzierungshilfe bereitstellen, um vor allem dem
Unternehmen nahestehende Anlegerinteressenten (Stakeholder) in die
Erstplatzierung einzubinden. Wir halten zudem die Idee für schlüssig, dass der
Zugang in den „Prime Standard für Anleihen“ sowohl über den Freiverkehr als
auch über den regulierten Markt erfolgen kann. Insbesondere nicht
börsennotierte Familienunternehmen können somit weiterhin nach HGB bilanzieren.
Wir sind der Überzeugung, dass dieses Segment sowohl bei den erfahrenen
Anleiheemittenten als auch bei Neulingen Zuspruch finden wird, da hier
erstmalig Instrumentarien angeboten werden, die nicht mehr Transparenz in der
Preisbildung, sondern auch Liquidität im Sekundärmarkt fördern. Dies ist umso
wichtiger, da die Liquidität maßgeblich das Pricing von späteren
Folgeemissionen beeinflusst.
Von Prof. Dr. Wolfgang Blättchen
Ursprünglich erschienen im GoingPublic Magazin 01/2012.
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