| GoingPublic Kolumne |
22.01.2010, 11:44 |
| Erntezeit - mit aktiv gemanagten Aktienfonds
|
|
Aktives Fondsmanagement musste in jüngerer Vergangenheit viel Kritik über sich ergehen lassen: Die erwirtschafteten Renditen seien zu mager, die Kosten zu hoch, und nachdem die Performance 2008 zu allem Übel auch noch ins Minus abglitt, lag die Reputation der Branche endgültig im Argen.
Die Hauptursache für diese Entwicklung ist dabei keineswegs
ein sich zu Ungunsten des aktiven Fondsmanagements entwickelnder ideologischer
Glaubenskrieg der Anleger, sondern vor allem ein Strukturproblem der aktiven
Fondsbranche: Nahezu 75% aller aktiv gemanagten Investmentfonds auf dem Markt
gelingt es nach Abzug der Gebühren nicht, ihre Vergleichsindizes zu schlagen.
Die Angst vieler aktiver Fondsmanager, dem Markt hinterherzuhinken, ist häufig
stärker ausgeprägt als der Wunsch, den Markt zu übertreffen. Die Folge davon
sind magere Performanceergebnisse, die die höheren Kosten für Research,
Fondsmanager, Verwaltungs- und Transaktionsgebühren nur selten rechtfertigen.
Dies führt zu einer steigenden Popularität passiver Fonds, die zwar im Hinblick
auf mögliche Gewinne weit unterhalb der Möglichkeiten aktiv gemanagter Fonds
bleiben, aber dafür kostengünstiger sind. Großanleger und Pensionsfonds nutzen
daher vermehrt diese Anlagekategorie, weil die Überwachung ausgelagerter
aktiver Managementleistungen durch Zunahme strengerer aufsichtsrechtlicher
Vorschriften sich hier als besonders aufwendig und damit kostenintensiv
erweist.
Dabei ist es keineswegs so, dass das aktive Fondsmanagement kein rentables
Investmentfeld mehr darstelle. Das Gegenteil ist der Fall, wie sich anhand der
Ergebnisse zahlreicher aktiv gemanagter Fonds aufzeigen lässt. Der Grundtenor
eines erfolgreichen Anlagestils liegt dabei in einer klaren Abweichung von der
Benchmark, was durch Einzeltitelauswahl (Stock-Picking) auf Grundlage von
Fundamentalanalysen einzelner Unternehmen realisiert werden kann. Durch
gezieltes Investieren in Aktien einer bestimmter Gesellschaft, eines bestimmten
Marktes oder Sektors lassen sich auf diese Weise über einen Zeitraum von 3–5
Jahren beträchtliche Benchmarkabweichungen erzielen, die wiederum zu
beträchtlichen Fondsgewinnen führen. Dabei können die auf effektives
Stock-Picking ausgerichteten Anlageprozesse je nach Fondsart unterschiedlich ausgestaltet
werden. So fokussieren sich manche Fonds beispielsweise auf einen
marktgegenläufigen (contrarian) Ansatz, der dem Herdentrieb vieler Anleger
entgegenwirkt und zu teuer gewordene Einzeltitel abbaut oder unterbewertete
Aktien in den Fondsbestand aufnimmt. Andere Fonds identifizieren
gesellschaftlich relevante Themen wie Demographie oder Vermögensanlagen und
analysieren daraufhin dann die betreffenden Unternehmen. Die unterschiedlichen
Ansätze können auch mehr oder weniger stark miteinander kombiniert werden.
Durch maßgeschneiderte quantitative Modelle für bestimmte Fonds kann dann eine
Auswahl der bestmöglichen Titel erfolgen.
Vor diesem Hintergrund erweist sich sogar die steigende Popularität für das
passive Management seitens vieler Anleger als durchaus vorteilhaft für aktives
Fondsmanagement: Denn je mehr Kapital im Rahmen von passiven Investmentfonds
analog zum Markt oder zur Benchmark investiert wird, desto mehr werden
unterbewertete Aktien außer Acht gelassen werden, was die Chancen für Über- bzw.
Unterbewertung einzelner Aktientitel (Marktungleichgewichte bzw.
Marktineffizenzen) beträchtlich erhöht. Aktive Manager suchen aber gerade nach
diesen Marktineffizienzen, um eine Abweichung von der Benchmark und damit hohe
Gewinne zu realisieren. Beherzigt man diese Grundsätze, stehen den Anlegern
ertragreiche Ernten mit aktiv gemanagten Fonds bevor.
Von Susanne Hellmann, Geschäftsführerin, ING Investment Management Germany
Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 1/2010
|
| Mehr Kapitalmarkt – weniger Bankenfinanzierung - Ausblick auf die nächste Dekade
|
28.12., 16:34 |
| Antagonismus oder wirkliche Alternative? - Familienunternehmen und Börse
|
05.11., 09:07 |
| Megawattpeak - ... oder die Rechnung, die nicht aufgeht
|
11.09., 09:57 |
| Abwrackprämie 2.0 vs. Einspeisevergütung - Kampf der Subventionen
|
26.08., 13:30 |
| Die Macht der Wahrnehmungen - ...auf dem Weg zum Taupunkt
|
19.08., 13:08 |
| Lebendgesagte sterben früher - Hedgefonds-Story vor Wiederbelebung?
|
12.08., 11:19 |
| Wie man es sich schwer macht - ... oder besser Augen zu und durch?
|
05.08., 13:18 |
| Was vom Skandal... - ...übrig blieb
|
29.07., 12:19 |
| Ideale Kaufzeit - Fast alles spricht für einen Einstieg
|
22.07., 15:32 |
| Analog-Banken und Surimi-Retter - Etikettenschwindel auf breiter Front
|
15.07., 13:17 |

Die GoingPublic Media AG
kann trotz sorgfältiger Auswahl und ständiger Verifizierung
der Daten keine Gewähr für deren Richtigkeit übernehmen. Zur Berechnung
der abgebildeten Kennzahlen werden die Schlusskurse des jeweiligen Vortages sowie
die Gewinn- und Umsatzschätzungen von GoingPublic Research herangezogen.
Alle aufgeführten Kurse beziehen sich auf den umsatzstärksten Börsenplatz
der letzten 4 Wochen. Informationen zu einzelnen Unternehmen stellen keine Aufforderung
zum Kauf bzw. Verkauf von Aktien dar. © GoingPublic-Online 1999 - 2010 |