| GoingPublic Kolumne |
24.10.2003, 14:08 |
| Google gesucht & gefunden - Genau das, was jetzt noch fehlte
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Der Internetboom Part 2 ist gerade mal wenige Monate alt, schon nutzt Internet-Finde-Maschine Google sein IPO-Zeitfenster. Da Konkurrent Yahoo! an der Börse mit illustren 26 Mrd. US-$ bewertet wird, können wir uns auf einiges gefaßt machen.
Und weil bei Google natürlich nichts so sein darf wie bei
früheren Börsengängen bekannter Internet-Unternehmen (schließlich muß man ja
seine Einzigartigkeit unter Beweis stellen), schon gar nicht wie bei Yahoo,
soll eine breit angelegte Onlineversteigerung der Aktien ein echtes Novum
bringen.
Google ist profitabel, macht immerhin Gewinne, und das, obwohl das Unternehmen
auch erst gerade mal fünf Jahre alt ist. Bei einem Umsatz von 0,5 Mrd. US-$
verdient Google Schätzungen zufolge vielleicht 150 Mio. US-$. Konkurrent Yahoo
(mit 3.600 Mitarbeitern) ist derzeit obskure 26 Mrd. US-$ wert, also etwa 7
Mio. US-$ pro Mitarbeiter. Ein jedes Unternehmen wäre stolz auf derart wichtige
Angestellte.
Nun ist Yahoo schon 26 Mrd. US-$ wert, da kann und wird Google kaum zurückstehen
wollen. Eine Investmentbankerin schätzte den „Wert“ auf 15 bis 25 Mrd. US-$.
Nehmen wir die untere Spanne: Das ergibt ein lächerliches
Kurs-Umsatz-Verhältnis von gerade mal 30 oder ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von
100. Sollte die Börse bis zum Frühjahr (dem avisierten Börsentermin)
weiterklettern im bisherigen Ausmaße, müßte man dieses Sonderangebot sicherlich
noch mal nach oben revidieren, zumal man für Yahoo dann schließlich auch schon
möglicherweise 40 Mrd. US-$ wird hinblättern müssen, also in etwa den aktuellen
Gegenwert von DaimlerChrysler mit seinen 375.000 Mitarbeitern (=0,1 Mio. US-$
pro Mitarbeiter).
Die beabsichtigte Online-Auktion trägt der Stimmung der Zeit gebührend
Rechnung, und die lautet: Derzeit gibt es gar nicht mehr genügend Internet-Unternehmen,
die die Krise der letzten Jahre überlebt haben und in die man deshalb
investieren könnte. Deshalb werden Yahoo mit 26 Mrd., Amazon mit 22 Mrd. und
Ebay mit 35 Mrd. US-$ bewertet, was zusammengerechnet in etwa dem Wert
sämtlicher weltweit existierender Edelmetallminen entspricht.
Da wäre es schön, wenn Google zu Hilfe käme und einen Teil der vagabundierenden
Überschußliquidität auf sich ziehen könnte, allein schon, um den Irrsinn
gerechter zu verteilen. Im Rahmen einer Online-Auktion können Investoren so
auch locker auf einen Wert von 50 Mrd. US-$ hochbieten. Das wäre sogar
ausdrücklich wünschenswert, weil nach nur sechs Monaten Hausse an den Börsen
ehemals gelernt scheinende Lektionen wieder aufgefrischt werden müssen. Die
Köpfe der Internet-hysterischen Börsenfans werden selbst bei den neuen
Bewertungsniveaus von der Idee eines Google-IPOs vollständig ausgefüllt werden
– schließlich scheint da wenig zu sein, was ihnen den Platz streitig machen
könnte.
Die GoingPublic erscheint zweimal wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.
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