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Im Kampf gegen Krebs verspricht die Immuntherapie einen wichtigen Beitrag zu leisten. Die junge Firma Vira Therapeutics hat ein Virus entwickelt, mit dem die Krankheit besonders in fortgeschrittenem Stadium behandelt werden kann. Von Bärbel Brockmann

 

Die klassische Krebstherapie versucht, einen Tumor direkt mit einem Medikament zu bekämpfen. Die Immuntherapie hingegen zielt darauf ab, das körpereigne Immunsystem durch Impfung mit speziellen Viren so zu verändern, dass es in der Lage ist, Krebszellen anzugreifen und zu vernichten. Dieser therapeutische Ansatz wird in der Forschung seit etwa zehn Jahren verfolgt. Auf dem neuen Feld arbeitet das Biotechnologieunternehmen Vira Therapeutics GmbH. Es entstand 2013 als Ausgründung aus der Medizinischen Universität Innsbruck. Ende 2018 wurde es von dem Pharmakonzern Boehringer Ingelheim übernommen. Dort wird die Firma seither als eigenständige Tochtergesellschaft geführt.

Übernahme durch Boehringer Ingelheim

Boehringer Ingelheim war 2015 über seinen Venture Fund in der Series A-Runde bei Vira Therapeutics eingestiegen. Ein Jahr später wurde eine Kaufoption vereinbart – ein Novum für den Konzern. Die Option wurde 2018 gezogen. Boehringer zahlte 210 Mio. EUR für Vira Therapeutics. Unter dem Dach des Konzerns wird jetzt weiter geforscht. „Um eine Therapie wie die von Vira Therapeutics in die Klinik zu entwickeln, braucht man sehr viel Geld. Das ist allein mit öffentlichen Mitteln einer Universität nicht zu schaffen“, sagt Dr. Lisa Egerer, Chief Operating Officer von Vira. Deshalb hatte sie bereits im frühen Stadium zusammen mit ihrer Professorin Dorothee Holm-von Laer die Idee für die Translation in ein Start-up entwickelt.

Biotech birgt höheres Risiko

Die Investorensuche gestaltete sich anfangs schwierig. Es dauerte, bis der erste Business Angel einstieg und öffentliche Fördergelder eingeworben werden konnten. Egerer erklärt die Zurückhaltung mit dem vergleichsweise hohen Risiko, das eine Biotech-Entwicklung birgt. „So eine Idee ist komplexer als in anderen Bereichen. Es ist auch schwierig, ausreichend viele wissenschaftliche Daten im Hintergrund zu haben, um einen Investor zu überzeugen“, sagt sie. Die Geldgeber, die an Bord kamen, kannten sich alle gut in dem Metier aus. „Man weiß natürlich, dass eine Investition in Biotech ein höheres Risiko birgt. Aber wenn sie erfolgreich ist, bringt das auch einen relativ hohen Return des investierten Kapitals“, sagt Dr. Knut Elbers, Chief Executive Officer von Vira Therapeutics und vorher Direktor des Boehringer Ingelheim Corporate Venture Funds.

Virus mit doppelter Wirkung

Für seine Immuntherapie hat Vira ein so genanntes onkolytisches Virus aus zwei anderen geschaffen, die für den Menschen als harmlos gelten.  Dieses Virus wirkt doppelt. Zuerst vermehrt es sich in den Krebszellen und tötet diese ab. Dann regt die Virusinfektion das Immunsystem zusätzlich an, die Krebszellen ins Visier zu nehmen. Die Therapie zielt auf fortgeschrittenen Krebs, der bereits Metastasen gebildet hat und dem man mit der klassischen Methode kaum mehr beikommen kann. Der Ansatz lässt sich mit komplementären Technologien kombinieren. Dadurch vergrößert sich der Nutzen. Denn, da sind viele Experten auf diesem Gebiet überzeugt, es wird nie nur eine einzige Therapie geben – dazu ist die uralte Krankheit Krebs zu komplex. „Die relativ neuartige Immuntechnologie zusammen mit der Kombinierbarkeit hat uns dazu veranlasst, uns zu engagieren“, erklärt Dr. Jan Adams, Managing Director des EMBL Venture Funds, der bis zum Verkauf an Boehringer ebenfalls bei Vira investiert war.

Ausblick

Das nächste große Etappenziel sind klinische Studien, in denen die bislang an Mäusen getestete neue Therapie erstmals an Menschen erprobt werden soll. „Wir wollen möglichst schnell und möglichst umfangreich in die klinischen Studien gehen. Dabei unterstützen wir Vira auch mit den Ressourcen, die wir in anderen Gesellschaften bei uns schon haben“, sagt Elbers. Parallel dazu sollen Möglichkeiten ausgelotet werden, die Immuntherapie mit anderen Therapien zu kombinieren. Wann erste Ergebnisse zu erwarten sind lässt Elbers offen: „Wir versuchen es so schnell wie möglich.“