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1992 als Spin-off des Max-Planck-Instituts für Biochemie gegründet, hat sich die Martinsrieder MorphoSys AG inzwischen zu einem der wichtigsten Player der deutschen Biotech-Szene entwickelt. Neben der Kooperation mit internationalen Pharmakonzernen, darunter Roche, Merck & Co. oder Pfizer, steht immer mehr die eigenverantwortliche Entwicklung von Antikörpern im Mittelpunkt der Geschäftstätigkeit. Heute verfügt MorphoSys über eine breite Produktpipeline mit verschiedenen Wirkstoffkandidaten in der klinischen Prüfung. Ende 2016 könnte ein erstes Produkt auf den Markt kommen.

GoingPublic Magazin: Herr Dr. Moroney, im März wurde das Ende der Forschungskooperation mit der US-Firma Celgene zur Weiterentwicklung des Wirkstoffkandidaten MOR202 bekannt. Was waren die Hintergründe?
Dr. Simon Moroney: Die Prioritäten großer Konzerne ändern sich manchmal und Portfolio-Entscheidungen werden getroffen, die kleinere Entwicklungs-Partner betreffen. Das ist in unserer Industrie ein normaler Prozess und sagt per se nichts über die eigentliche Qualität des Kandidaten aus. Für uns und unsere Investoren entscheidend ist die Tatsache, dass wir MOR202 in Eigenregie weiterentwickeln werden. Im Herbst dieses Jahres werden wir die ersten klinischen Ergebnisse der laufenden Phase 1/2a-Studie auf der ASCO-Konferenz in Chicago präsentieren.

MorphoSys hat gute Geschäftszahlen für das 1. Quartal vorgelegt. Die Prognose für das laufende Jahr wurde angehoben. Doch wie stark werden etwa die künftigen Forschungskosten für MOR202 die weitere Geschäftsentwicklung beeinflussen?
Wir werden unsere Ausgaben für Forschung und Entwicklung wie geplant tätigen. Darüber hinaus ist festzuhalten, dass sich neben MOR202 auch unsere Kandidaten MOR208 und MOR209 in der klinischen Entwicklung befinden. Wir sind bestens finanziert und werden auch in Zukunft Umsätze generieren, etwa durch vereinbarte Meilensteinzahlungen unserer strategischen Partner.

Die MorphoSys AG hat ganz aktuell das Peptid-Therapeutika-Unternehmen Lanthio Pharma übernommen. Was versprechen Sie sich von dieser Akquisition?
Mit der vollständigen Übernahme von Lanthio Pharma – wir haben zuvor bereits rund 19% der Unternehmensanteile gehalten – können wir unser Produktportfolio optimal erweitern. Lanthio hat sich auf die Entwicklung neuartiger Moleküle fokussiert, welche unter anderem gegen diabetische Nephropathie und fibrotische Erkrankungen eingesetzt werden soll. Wir übernehmen das gesamte Portfolio von Lanthio und werden das am weitesten fortgeschrittene Programm als MOR107 in unserer Forschungs- und Entwicklungspipeline fortführen. Die Akquisition von Lanthio Pharma ist eine logische Konsequenz im Rahmen der langfristigen Erweiterung unserer Produktplattform und Substanzpalette.

MorphoSys verfolgt eine Doppelstrategie: Neben der Kooperation mit Arzneimittelfirmen treibt Ihr Unternehmen auch eigene Forschungsprojekte voran. Wird MorphoSys künftig dieser Strategie treu bleiben?
Der Erfolg der MorphoSys AG beruht letztlich auf unserer breiten Produktpalette. Gerade in der Frühphase des Unternehmens war es nur vernünftig, mit größeren Firmen zusammenzuarbeiten. Ende 2016 könnte ein erstes Produkt auf den Markt kommen, welches wir im Rahmen einer solchen Kooperation entwickelt haben. Langfristig wollen wir allerdings vermehrt die Entwicklung von eigenen Wirkstoffen vorantreiben. Hier wird ohne Zweifel der meiste Wert generiert.

MorphoSys ist ein börsenerfahrenes Unternehmen und im TecDax notiert. Warum tun sich so viele Ihrer Konkurrenten schwer damit, den Gang auf das Parkett zu wagen, gerade in Deutschland?
Es fehlt in Deutschland ganz einfach an Investoren, die bereit sind, in die Biotechnologie zu investieren. Das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen, denn die Mehrzahl unserer Investoren kommt aus den USA. Dort herrscht bekannter Maßen ein anderes Börsenklima. Aus diesem Grund ist es gerade für kleinere Biotech-Start-ups sinnvoll und logisch, sich Kapitalgeber im Ausland zu suchen – und dann auch an ausländischen Handelsplätzen an die Börse zu gehen, also dort, wo die Investoren sind.

Herr Dr. Moroney, vielen Dank für das interessante Gespräch.

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