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Bildnachweis: Sirion Biotech.

Das US-Biotech-Urgestein Perkin Elmer kauft sich den Gen-Vektor-Spezialisten Sirion Biotech, beheimatet im Martinsrieder IZB. Hier könnten wir jetzt die Pressemeldung abbilden und den Vermerk, dass über die finanziellen Details keine näheren Informationen verkündet werden.

Oder aber, wir machen das erst zum Schluss und gehen ein paar Schritte zurück und blicken auf viele Meldungen und die Entwicklung dieser Plattform-Technologiefirma: Alleine auf unserer Plattform Life Sciences finden sich viele Nachrichten zum beständigen, erfolgreichen Fortschritt des Unternehmens mit Expansion nach USA, vielen wertvollen Kooperationspartnerschaften… und nicht zuletzt bereits seit 2013 ein Eintrag in die „IPO-Watch-Liste“ von goingpublic, da damals und seither immer wieder der Börsengang eine geeignete nächste Finanzierungsmöglichkeit für noch größere Schritte zu sein schien (siehe hier).

Sirion legt IPO beiseite und verkauft

Es war eine anstrengende Zeit für das Management, das durchaus auch durch schwierige Zeiten der Finanzierung gegangen ist, da vor rund 10 Jahren die Gentherapie und passende Vehikel (Vektoren), die solche Therapeutika ermöglichen würden überhaupt nicht modern war, ja sogar eher ein Buhmann-Image wegen großer Versprechen und wenig Einlösung derselben angehängt bekommen hatte. Diese Zeiten änderten sich nur langsam, aber dann gewaltig, als mit den CAR-T Immuntherapien und ihrer Zulassung und großartigen Heilungswirkungen plötzlich ein Anwendungsfeld sich eröffnete, das alle früheren Vorbehalte wegwischte, die „Heilung von Krebs“ stand im Raum und auf vielen Schlagzeilen. Gute Zeiten für Sirion, nicht nur waren die bisherigen Investoren nun wieder zuversichtlicher, hochangesehene Kooperationspartner fanden sich ein, auch weitere Investoren (letzte Nachzügler, könnte man sagen) sprangen noch auf den Zug, der damit aber auch immer mehr Tempo aufzunehmen schien, einen wirklich fulminanten Exit hinzulegen. Die IPO-Gerüchte wurden nicht nur immer realistischer, das Management bildete sich auch extra in all den Fragen rings um den Börsengang weiter, knüpfte Netzwerke zu diversen internationalen Börsenplätzen, expandierte nach USA, um dort noch näher an Kunden aber eben auch der aktiveren Finanzszene zu sein… Und nun (doch lieber, möchte man fast sagen) der Verkauf.

Sirion – die offiziellen Worte

PerkinElmer hat also bekanntgegeben, eine Vereinbarng zur Übernahme von SIRION Biotech aus Martinsried abgeschlossen zu haben. Der Abschluss der Übernahme wird für das dritte Quartal 2021 erwartet.

SIRION Biotech ist ein führender kommerzieller Anbieter von viralen Vektortechnologien, um Gentherapie-Studien im Übergang in die klinische Erprobung zu unterstützen. Dafür nutzt SIRION proprietäre Technologieplattformen auf Basis von Lenti-, Adeno- und Adeno-assoziierten Viren. Weitere Standorte betreibt das Unternehmen in Deutschland, den USA und Frankreich. Das Portfolio an lizensierten Vektortechnologien wird von mehr als einem Dutzend Pharma- und Biotech-Unternehmen zur Erforschung von insgesamt über 25 verschiedene Krankheiten genutzt.

SIRION Biotech wird seine führende Position im Bereich virale Vektortechnologie für die Zell- und Gentherapie in Zukunft als Teil von PerkinElmer weiter ausbauen, wobei die Leistungen von SIRION das Horizon Discovery-Portfolio von PerkinElmer ergänzen sollen. Dieses Portfolio umfasst Gen-Editier- und Modulations-Tools für CRISPR, CRISPRi und RNAi, kundenspezifische Zelllinien für die Bioproduktion und Base-Editing-Technologien. Darüber hinaus soll die Übernahme die bestehenden Zell- und Genforschungslösungen von PerkinElmer weiter ausbauen.

Finanzielle Details zur Vereinbarung wurden nicht genannt. Freuen über den Verkauf werden sich die Investoren, die da sind Bayern Kapital, HTGF, KfW, Creathor Ventures.

Prahlad Singh, President und Chief Executive Officer von PerkinElmer, kommentierte die Vereinbarung zur Übernahme des Unternehmens: „Siebzig Prozent der Gentherapieversuche nutzen heute virale Vektoransätze, und wir erwarten, dass dies auch in Zukunft so bleiben wird, da die Nachfrage nach gezielter, hochwirksamer Verabreichung bei der Behandlung von Krankheiten wie Krebs groß ist. Durch die Kombination von SIRIONs innovativer „Payload“-Transporttechnologie mit unseren bestehenden Horizon-Tools zur Bearbeitung von genetischem Material und unseren Lösungen für die phänotypische Forschung werden wir in der Lage sein, die Zell- und Gentherapie-Workflows von Organisationen zu unterstützen, die ihre Bemühungen rationalisieren und beschleunigen wollen.“

Dr. Christian Thirion, CEO von SIRION, fügte hinzu: „Unser Team freut sich auf die Zusammenarbeit mit PerkinElmer, um unsere führende Position bei viralen Vektortechnologien für die Zell- und Gentherapie weiter auszubauen. Wir werden sehr davon profitieren, Teil des PerkinElmer-Portfolios zu werden, mit einem verbesserten Zugang zu Genomanalyse, Gene Editing und Base Editing-Technologien sowie einer starken globalen Infrastruktur und Reichweite.“

Über den Autor

Dr. Georg Kääb ist seit 1. Februar Redaktionsleiter der Plattform LifeSciences. Davor war er über 10 Jahre Manager Communications bei der Biotech-Netzwerkagentur BioM. Von der Ausbildung her Biologe waren die ersten Berufsstationen als freier Journalist bei u.a. Süddeutscher Zeitung sowie DIE ZEIT und dann ebenfalls ein gutes Jahrzehnt als Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift des Verbandes dt. Biologen, vdbiol.