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Biopharmazeutika sind aus dem medizinischen Alltag nicht mehr wegzudenken. Bei der Behandlung von Stoffwechselkrankheiten, Diabetes oder gar Krebs spielen sie oftmals eine entscheidende Rolle, ebenso beim Schutz vor Infektionskrankheiten. Die Liste lässt sich weiter fortführen. Deutschland hat bei der Produktion von Biopharmazeutika eine entscheide Rolle inne. Doch heimische Produzenten müssen um ihre Vormachtstellung fürchten.

 

Entscheidend für die Produktion von Biopharmazeutik ist die Verfügbarkeit von Fermentern. Hier liegt Deutschland weltweit nur noch auf dem 3. Platz. Länder wie Irland, Österreich oder Süd-Korea holen auf und der Grund dafür liegt, wie wohl so häufig, in den regulatorischen Rahmenbedingungen. Denn die Herstellung von Biopharmazeutika ist, wenig überraschend, kostenintensiv. Und die spürbare steuerliche Erleichterung für Hersteller und Investoren in diesem Segment lässt hierzulande weiter auf sich warten.

Eine gute Ausgangsposition

Dabei liegt Deutschland im Bereich der Produktvielfalt weltweit auf dem ersten Platz: Allein im vergangenen Jahr wurden hierzulande 23 neue Biopharmazeutika-Produkte zugelassen, mehr als je zuvor. Zehn dieser Produkte waren Biosimilars (Nachahmerprodukte von Biopharmazeutika), laut des Branchenreports „Medizinische Biotechnologie in Deutschland 2018″, den die Boston Consulting Group unlängst für den vfa bio erarbeitet hat. Dabei steig der Umsatz mit Biopharmazeutika (Apotheken und Klinikmarkt) gegenüber 2016 um 10,3% auf 10,2 Mrd. EUR. Der Marktanteil von Biopharmazeutika im Vergleich zu chemischen und sonstigen Wirkstoffen stieg auf 26%. Wachstum konnte in fast allen Anwendungsgebieten verzeichnet werden, insbesondere bei Mitteln gegen Krebs, immunologische Erkrankungen und Erkrankungen des zentralen Nervensystems (ZNS). Allein die beiden erstgenannten machen gemeinsam über die Hälfte des Umsatzes mit Biopharmazeutika aus.

Einstweilen muss man sich also um die Produktvielfalt keine Sorgen machen, wie überhaupt sich die biopharmazeutische Pipeline seit 2005 mehr als verdoppelt hat, von 256 klinischen Entwicklungskandidaten auf 639 Ende 2017. Ähnlich gut steht es um die Exzellenz in Forschung und Entwicklung oder um die Ausbildung und Qualifizierung des nötigen Personals. Doch was nützt all dies, wenn langfristig die Produktionskapazitäten hierzulande zurückgehen, zu Gunsten anderer Länder? Immerhin, Boehringer Ingelheim baut bis 2020 am Standort Biberach bei Ulm ein neues Entwicklungszentrum für biopharmazeutische Medikamente und investiert dabei rund 230 Mio. EUR. Der Konzern will das Wachstum der eigenen Forschungspipeline für Biopharmazeutika weiter vorantreiben und gleichzeitig die Kapazitäten für die Auftragsfertigung erhöhen.

Schließlich drängt die Zeit. Laut der AG Pro Biosimilars, der Interessenvertretung der Biosimilarunternehmen in Deutschland, wird allein das Volumen der Patentabläufe von Biopharmazeutika nach Herstellerabgabepreisen das Volumen der Nichtbiopharmazeutika, die aus dem Patent laufen, allein in diesem Jahr um rund 326 Mio. EUR übersteigen. Schon im vergangenen Jahr konnten die hiesigen Krankenkassen dem Wissenschaftlichen Institut der AOK (WIdO) zufolge 78 Mio. EUR durch die Umstellung von Biologika auf Biosimilars einsparen. Und weiteres Einsparpotenzial von 214 Mio. EUR wird prognostiziert. Hersteller von Biopharmazeutika sollten sich also sputen, ihre Vormachtstellung nicht zu verlieren, im Kampf um die Marktführerschaft gegen billigere Nachahmerprodukte. Doch alleine werden sie diesen Kampf wohl kaum für sich entscheiden können, die Gründe wurden oben genannt.

Deutsche würden Biopharmazeutika in Anspruch nehmen

Was also tun? Die Forderungen nach einer steuerlichen Forschungsförderung, der Mobilisierung von mehr Innovationskapital oder der Förderung des Technologietransfers sind nicht neu. Andererseits sollte der Patientennutzen von Biopharmazeutika noch stärker in den Vordergrund gestellt werden. Hier tut auch Aufklärung not, denn nach einer Studie des Pharmakonzerns Amgen können 94% aller Deutschen mit dem Begriff „Biopharmazeutika“ nichts anfangen. Doch einmal gut informiert würden 84% durchaus mit biotechnologischen Arzneimitteln behandelt werden, wenn man sie denn entsprechend aufklären würde. Gleichzeitig fordert etwa der vfa bio eine stärkere Vernetzung aller Stakeholder des Gesundheitssystems, die Wahrung der Therapiefreiheit des Arztes unter Einbeziehung des Patienten sowie eine angemessene Bewertung und Honorierung von Biopharmazeutika allgemein. So gilt abschließend: Die hohe Bedeutung von Biopharmazeutika ist weiterhin ungebrochen. Ausruhen auf den Lorbeeren sollte man sich freilich nicht.

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