Bildnachweis: Merck.

Stefan Oschmann, der Chef des Darmstädter Parma- und Chemiekonzerns Merck, tritt seit geraumer Zeit kräftig aufs Gaspedal. Nach dem Übergangsjahr 2018, als er sich vom OTC-Geschäft getrennt hat und den Konzern auf innovative Produkte und Technologien ausrichtete, legt er nun einen erstaunlichen Dealflow hin. Der könnte eine viel versprechende Saat für 2019 und die kommenden Jahre darstellen.

Dabei fällt auf, dass Oschmann stark auf innovative digitale Technologien setzt. Zugleich sucht der Konzern über sein Accelerator-Programm die Nähe zu jungen Start Ups und Unternehmensgründern. Nicht zuletzt treibt das Unternehmen mit Schwung die Entwicklung neuer Therapien voran. Dabei wirkt das Darmstädter Dickschiff mit seinen weltweit 51.000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 15,3 Milliarden Euro erstaunlich agil und innovationsbereit. In der Summe sollte das auch für Investoren ein guter Grund sein, einen Blick auf das Unternehmen zu werfen.

Dabei war der Aufbruch in die Zukunft im vergangenen Jahr geprägt von einem „Großreinemachen“. Im Dezember 2018 einigten sich die Darmstädter mit Procter & Gamble darauf, dass die Amerikaner für 3,4 Milliarden Euro das Geschäft mit verschreibungsfreien Arzneimitteln und Gesundheitsprodukten übernehmen.

Die digitale Brille

Wer dachte, Oschmann würde sich auf dieser Nachricht und dem damit verbundenen Geldfluss ausruhen, wurde eines Besseren belehrt. Im gleichen Maße, wie er sich von Altem trennte, richtete er den Blick nach vorne. Und der, so zeigt sich, ist stark digital geprägt. So überraschte der Konzern im November 2018 mit der Ankündigung, seine Kooperation mit der Silicon-Valley-Firma Palantir, einem Big-Data-Spezialisten, ausweiten zu wollen. Merck und Palantir gründen dazu das Gemeinschaftsunternehmen Syntropy, welches Wissenschaftlern eine Plattform zur Bündelung und zum Austausch von Daten bieten soll. Die digitale Kompetenz dürfte Merck nicht nur eine Tür zu neuen Ansätze in der Erforschung innovativer Wirkstoffe öffnen, sondern auch dazu beitragen, die Effizienz der Forschung und Entwicklung weiter zu steigern.

Nur wenige Wochen später machte Merck deutlich, dass dieser Ausflug in die digitale Welt keine einmalige Angelegenheit ist. So vermeldete der Konzern, dass er künftig die auf künstlicher Intelligenz basierende Screening-Plattform der Firma Cyclica zur Erweiterung seiner Forschungskapazitäten nutzen wolle.
Ende Januar teilte der Konzern dann mit, dass er das US-Patent für eine neuartige Kombination von künstlicher Intelligenz (KI) und Blockchain-Technologie erhalten habe. Das Patent betrifft die Bildung von „Crypto-Objekten“ und soll dazu beitragen, die Integrität von Lieferketten zu schützen und Produktfälschungen vorzubeugen.

Nur einen Wimpernschlag später streute Merck schließlich die Nachricht, dass man mit Tencent, einem Anbieter internetbasierter Dienste, bei intelligenten digitalen Gesundheitsdiensten in China kooperieren werde.

Megadeal mit GSK

Parallel zu diesen Ausflügen in die digitale Welt zurrte Merck in den zurückliegenden Wochen im Arzneimittelbereich mehrere Deals fest. So wollen Oschmanns Wissenschaftler mit dem britischen Pharmariesen GlaxoSmithKline (GSK) eine neue Immuntherapie entwickeln und vermarkten, die Potenzial bei mehreren schwierig zu behandelnden Krebsarten haben soll. Derzeit seien acht klinische Entwicklungsprogramme von hoher Priorität im Bereich Immunonkologie am Laufen oder sollen voraussichtlich 2019 gestartet werden.

Bemerkenswert sind die finanziellen Details der Vereinbarung: So wird Merck eine Vorauszahlung in Höhe von 300 Millionen Euro erhalten und hat Aussicht auf potenzielle Meilensteinzahlungen von bis zu 500 Millionen Euro. Dazu könnten nochmal bis zu 2,9 Milliarden kommen, die an künftige Meilensteine geknüpft sind. Der potenzielle Gesamtwert dieser Vereinbarung summiert sich damit auf stattliche 3,7 Milliarden Euro.

Da passt es ins Bild, dass Merck seine Biopharma-Forschung in den USA erweitert und 70 Millionen Dollar in die Erweiterung seines Standorts in Billerica ausgeben will. 400 Mitarbeiter arbeiten dort in den Bereichen Onkologie, Immunonkologie und Immunologie.

Kurs nahe 52-Wochen-Hoch

Kein Wunder, dass sich Konzernchef Oschmann kürzlich in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos optimistisch für das laufende Jahr zeigte und nach schwierigen vergangenen Phasen nun die Rückkehr zu nachhaltigem Wachstum anpeilt. Die Aktie hat den Kurs der Darmstädter Konzernlenker in den zurückliegenden zwölf Monaten jedenfalls goutiert – der Kurs notiert aktuell nicht allzu weit unter seinem 52-Wochen-Hoch von ziemlich genau 100 Euro. Wenn aber die von Oschmann und seinen Mitarbeitern ausgebrachte Saat erst einmal greift, könnte die Merck-Aktie noch deutlich mehr Fantasie entfalten.

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