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Haben Sie den Münchner Tatort am 21. Oktober gesehen? Da ging es um künstliche Intelligenz, neuronale Netze, dass diese sich unter Umständen verselbstständigen und dadurch zu einer Gefahr für den Menschen werden. Das ist ein immer noch sehr weit hergeholter Gedanke – und die Episode mit der KI namens Maria, die gehackt und kopiert wird, mithin frei ist, hat auch nicht die besten Kritiken bekommen. Kein Zweifel besteht aber darüber, dass die Erwartungen an KI und andere digitale Anwendungen nirgends so hoch sind wie in der Gesundheitsbranche. Etwa im Bereich der Diagnostik – wenn es um seltene Erkrankungen geht, oder auch bei allen Themen rund um die personalisierte Medizin, erwartet man mit zunehmendem technologischem Fortschritt große Erfolge. Nicht umsonst sind allein in den USA im letzten Jahr rund 6 Mrd. USD an VC-Geldern in die Entwicklung digitaler Gesundheitslösungen geflossen. Da kommt in absehbarer Zeit eine große Welle an Anwendungen auf uns alle zu, die die Art und Weise der Erbringung von Gesundheitsleistungen sehr stark verändern werden.

Die Ziele dieser Anwendungen sind relativ einfach zu beschreiben: bessere und schnellere Diagnostik, bessere Therapien, individuellere Behandlung von Patienten, verbesserte Kostenstrukturen bei der Entwicklung und Verbesserungen im Workflow – nicht nur in der Forschung selbst, sondern auch bei der Erbringung der Leistung am Patienten, inklusive Monitoring. Die große Hürde bei einer flächendeckenden Einführung sind nicht nur die zum Teil noch ungelösten Probleme bei der Behandlung von Patientendaten und damit zusammenhängenden Sicherheitsthemen. Die Annahme solcher Anwendungen wird vor allem auch davon abhängen, wie das nationale Gesundheitssystem aufgebaut ist und ob diejenigen, die einen Service, eine Diagnose, eine Behandlung erbringen und dabei auf digitale Lösungen setzen, mit denjenigen zusammenfinden, die eine solche Leistung bezahlen sollen. Das wird wohl noch ein längerer Prozess werden, denn alle Beteiligten betreten hier Neuland. Sobald aber Krankenversicherungen und die anderen Beteiligten im Gesundheitswesen eine Einigung darüber erzielt haben, welche neue Lösung sie anerkennnen, sprich honorieren, wird sich die oben erwähnte Welle mit neuen techbasierten Gesundheitsleistungen sehr schnell aufbauen und die Branche massiv verändern.

Die Revolution wird gar nicht so sehr im Bereich Forschung und Entwicklung stattfinden – dieser Bereich wird zwar schneller, kostengünstiger und im besten Fall individueller sein als heute. Die großen Umwälzungen werden wir jedoch vermutlich bei den Vertriebskanälen erleben – und die Beziehung zwischen Patient und behandelnden Ärzten und Pflegepersonal wird sich ebenfalls verändern. Diese werden im besten Fall durch den Einsatz digitaler Lösungen entlastet und haben mehr Zeit für das, was immer noch einen guten Teil des Heilungsprozesses ausmacht: die persönliche Hinwendung zum Patienten.

 

ZUM AUTOR

Dr. Hubert Birner verantwortet die Investmentstrategie von TVM Capital Life Science in Europa, Nordamerika und Kanada. Seine akademische Ausbildung umfasst ein Studium der Veterinärmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München, gefolgt von einer Promotion in Biochemie, ausgezeichnet mit dem Hoffmann-La Roche Preis für Grundlagenforschung im Bereich meta bolische Störungen, und eine Tätigkeit als Assistenz-Professor. Dr. Birner ist Absolvent (MBA) der Harvard Business School.

www.tvm-lifescience.com