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LSP (Life Science Partners), der niederländische Investor mit Sitz in Amsterdam, Offices u.a. in München und Boston, hat das erste „Gesundheits-SPAC“ als European Biotech Acquisition Corporation (EBAC) mit 120 Millionen US-Dollar an die NASDAQ gebracht. Diese „Special Purpose Acquisition Company“ (SPAC) fokussiert sich ausschließlich auf europäische Biotechnologie (siehe zum SPAC-Thema eine Übersicht auf GoingPublic). EBAC wurde am 16. März 2021 erstmalig unter dem Tickersymbol „EBACU“ gehandelt.

Martijn Kleijwegt, Gründer und geschäftsführende Gesellschafter von LSP und neuer Vorsitzender bei EBAC kommentierte dazu: „Wir sind sehr stolz darauf, unseren SPAC auf den Markt und 120 Millionen US-Dollar für die europäische Biotechnologie aufzubringen. Wir haben gesehen, dass der europäische Life-Science-Markt in den letzten Jahren in einem beispiellosen Tempo gewachsen ist. Dieses Wachstum hat LSP mit seinen verschiedenen Anlagestrategien mit ausgelöst und genutzt.“ LSP hat seit seiner Gründung 1998 über 2,5 Milliarden USD akquirieren können und damit über 300 Unternehmen unterstützt. Erst im Frühjahr 2020 gelang LSP das Closing eines der größten europäischen Fonds für LifeSciences mit rund 600 Mio EUR.

Der Biotechnologie-Veteran Eduardo Bravo ist im Zuge des IPO als Partner zu LSP gewechselt und CEO von EBAC geworden. Er sagte zum erfolgreichen Börsengang: „Ich freue mich sehr, Teil von LSP zu werden wo wir mit einem unübertroffenen Zugang zum europäischen Dealflow sehr gut positioniert sind, um das ideale Ziel für EBAC zu finden. Viele europäische Biotech-Unternehmen werden in den kommenden Monaten versuchen, an der NASDAQ zu notieren, und EBAC bietet eine sehr attraktive Alternative zu einer solchen direkten Notierung. “

Die Plattform Life Sciences (PLS) konnte mit Eduardo Bravo und Joachim Rothe (Office München) über die Hintergründe sprechen.

 

„Das SPAC muss die richtige Größe haben“

Joachim Rothe, Eduardo Bravo, (Foto: LSP)

PLS: LSP hatte einen der größten Fonds in den europäischen Biowissenschaften mit rund 600 Millionen Euro gerade im Frühjahr 2020 geschlossen. Warum ist der aktuelle SPAC an der NASDAQ ein wichtiges zusätzliches Instrument?

LSP: Unterschiedliche Instrumente dienen unterschiedlichen Zwecken. Der 600-Millionen-Euro-Fonds, auf den Sie sich beziehen, soll in private Unternehmen investieren, die das Kapital benötigen, um zu wachsen und sich zu entwickeln, bis sie von einem BigBiopharma erworben werden oder bereit sind für einen IPO. Nahezu jedes gute Biotech-Unternehmen betrachtet NASDAQ heute als den richtigen Ort: höhere Kapitalmengen, viele spezialisierte Investoren und viele vergleichbare Projekte als Referenz, was sich in höheren Bewertungen niederschlägt. Ein privates europäisches Unternehmen zur NASDAQ zu bringen ist jedoch kein einfacher Prozess: Es ist langwierig, verwässernd, kostspielig und es gibt keine Erfolgsgarantie. Ein SPAC wie unser EUBAC bietet diesen guten europäischen Biotech-Unternehmen einen sehr wettbewerbsfähigen Weg mit einer Reihe von Vorteilen.

PLS: Inwieweit können sich Biotech-Unternehmen aus dem deutschsprachigen Raum auf dieses SPAC „bewerben“?

LSP: Genauso wie europäische Biotech-Unternehmen aus anderen europäischen Ländern! Wir suchen nach den richtigen Kandidaten: gute Wissenschaft, Medikamentenkandidaten in der Klinik, eine bestimmte Größe des Unternehmens vor der Transaktion, gutes Management usw., aber wir sind völlig unabhängig vom Herkunftsland oder der Sprache, die im Unternehmen gesprochen wird, vorausgesetzt, sie sind in einem europäischen Land eingetragen.

PLS: Es gibt andere SPACs in der Größenordnung von Hunderten von Millionen oder sogar über der Milliardenschwelle, 120 Millionen sind der „bescheidene europäische Weg“ oder in Bezug auf ihre Bewertung auf ein ganz bestimmtes Ziel ausgerichtet?

LSP: Die Größe des SPAC muss an die Größe des potenziellen Ziels angepasst werden. Mit 120 Millionen Dollar können wir europäische Biotech-Unternehmen mit einer Pre-Money-Bewertung im Bereich von 250 bis 750 Millionen Euro ansprechen (mit dem Sweet-Spot im Bereich von 400 bis 500 Millionen Euro). Ein viel größerer SPAC bedeutet, dass Sie nach Unternehmen suchen müssen, die weit über 1 Milliarde liegen, und es gibt nur sehr wenige davon. Wir glauben, dass wir mit unserer Größe perfekt positioniert sind, um der Mehrheit der richtigen Kandidaten zu entsprechen.

PLS: Kann man hoffen, die verschlafene europäische Börsenkultur (im Biotech-Bereich) mit der SPAC-Methode zu inspirieren, oder ist das etwas eher für professionelle Anleger?

LSP: Wir denken, dass NASDAQ für den Biotech-Sektor der richtige Kapitalmarkt ist. Wie bereits erwähnt, verfügen die USA über eine überlegene Liquidität, viele spezialisierte Anleger (das Topic ist ja nun einmal nicht einfach zu analysieren) und andere Unternehmen auf demselben Gebiet, die als Referenz dienen. Wir denken nicht, dass die Verfügbarkeit von SPACs in der Biotechnologie im Allgemeinen die Art und Weise verändern wird, wie Europäer in Biotechnologie investieren, aber es gibt denjenigen, die investieren, eine weitere Möglichkeit, dies zu tun, indem sie von der Arbeit von Branchenexperten profitieren, die den richtigen Kandidaten ausgewählt haben für die Transaktion.

Hintergrundinfo SPAC:
Auf den Seiten von GoingPublic finden sich einige Informationen zu SPAC und aktuellen Aktivitäten (siehe auch oben, bisher jedoch meist in anderen Branchen als LifeSciences).
EBAC ist eine solche SPAC-„Hülle“ die alleine zum Zweck der Fusion, des Umtauschs, des Erwerbs von Vermögenswerten, des Erwerbs von Aktien, der Umstrukturierung oder eines ähnlichen Unternehmenszusammenschlusses mit einem oder mehreren Unternehmen gegründet wurde.

Über den Autor

Dr. Georg Kääb ist seit 1. Februar Redaktionsleiter der Plattform LifeSciences. Davor war er über 10 Jahre Manager Communications bei der Biotech-Netzwerkagentur BioM. Von der Ausbildung her Biologe waren die ersten Berufsstationen als freier Journalist bei u.a. Süddeutscher Zeitung sowie DIE ZEIT und dann ebenfalls ein gutes Jahrzehnt als Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift des Verbandes dt. Biologen, vdbiol.