Werbung

Bildnachweis: peterschreiber.media – stock.adobe.com, HMNC Brain Health.

Das Münchner Biotech-Unternehmen HMNC Brain Health, das sich auf die Entwicklung innovativer und personalisierter Therapien gegen Depressionen und andere neuropsychiatrische Erkrankungen konzentriert, startet mit einem neuen Führungsteam in eine neue Wachstumsphase.

Benedikt von Braunmühl, bisher COO Diagnostic Services bei Medicover, hat vor einigen Wochen die Position des Chief Executive Officers von Firmengründer Prof. Florian Holsboer übernommen. Gleichzeitig gab es weitere Veränderungen des Personaltableaus: Prof. Holsboer rückte in den Aufsichtsrat und übernahm zusätzlich die Leitung des wissenschaftlichen Beirats. Dr. Hans Eriksson, zuletzt Chief Medical Officer bei COMPASS Pathways, verstärkt zudem den Vorstand als Chief Clinical Development Officer. Dr. Franz Humer, langjähriger CEO und Verwaltungsratspräsident von Roche, wurde zum Aufsichtsratsvorsitzenden von HMNC Brain Health ernannt. Darüber hinaus wurde Adalbert Freiherr von Uckermann, Geschäftsführer der Jahr-Gruppe, als Mitglied in den Aufsichtsrat berufen. Firmenmitgründer Carsten Maschmeyer komplettiert diesen. Unverändert bleibt Rainer Sturm wie bisher als CFO im Vorstand von HMNC.

Erfahrenes Führungsteam bereit für den nächsten Schritt

„Unsere Projekte befinden sich in einem vielversprechenden Entwicklungsstadium. Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die weiteren Schritte zur Marktreife einem neuen Team anzuvertrauen, das für diese Aufgabe bestens gerüstet ist“, sagte Prof. Holsboer.

HMNC Brain Health ist Pionier in der Präzisionspsychiatrie und befasst sich mit Depressionen und anderen neuropsychiatrischen Erkrankungen als drängenden globalen medizinischen Herausforderungen, die zudem ein enormes Marktpotential bieten. Das Unternehmen entwickelt eine einzigartige Pipeline zur Behandlung schwerer depressiver Störungen („Major Depressive Disorders“, MDD) und behandlungsresistenter Depressionen („Treatment-Resistant Depression“, TRD). HMNC Brain Health ist in München an einem der führenden europäischen Biotech-Standorte in Europa angesiedelt. Über die nächste Entwicklungsphase mit einer groß angelegten klinischen Forschungs-, Lizenzierungs- und Fundraising-Agenda konnte die Plattform Life Sciences mit dem neuen CEO sprechen.

HMNC im Porträt – CEO Benedikt von Braunmühl im Gespräch

PLS: Was ist in kurzen Worten das Besondere am Ansatz von HMNC im Bereich Depression?

HMNC Brain Health mit neuem Führungsteam bereit für nächste Entwicklungsschritte
Benedikt von Braunmühl, neuer CEO der HMNC Brain Health

Benedikt v. Braunmühl: HMNC ist die erste Firma, die mit dem Ansatz der „personalisierten Medizin“ gegen Depression vorgehen will. Florian Holsboer hat als Pionier diesen Ansatz entwickelt, als das Thema noch nicht einmal in der Onkologie richtig angekommen war. Er hat Biomarker entdeckt, die eine Stratifizierung ermöglichen. Die Regulierung der „Stress-Achse“, die bei etlichen Patienten besonders im Vordergrund steht, war lange der Schwerpunkt seiner Forschungsarbeit.

PLS: Beschreiben Sie uns diese Indikation und die konkreten Ansätze von HMNC etwas genauer.

Benedikt v. Braunmühl: Der medizinische Bedarf ist sehr hoch: Etwa 9 Prozent der Weltbevölkerung leiden an „Mental Health Issues“, etwa die Hälfte davon, also 320 Mio. Patienten, an schweren depressiven Störungen. Heute ist noch immer ein gewisses „Trial and Error“-Verfahren üblich, bei dem ein Patient über einen langen Zeitraum „eingestellt“ wird: Wenn das erste Mittel nicht funktioniert, nimmt man das nächste und so weiter. Die Effekte sind dabei schwierig vorhersehbar, die Nebeneffekte sind zum Teil gravierend, und ob das gewählte Medikament kürzer oder länger hilft, kann niemand sagen. Zusätzlich gibt es rund 100 Mio. Betroffene, bei denen die heute eingesetzten Therapien überhaupt nicht anschlagen.

Der Ansatz von HMNC Brain Health, wir nennen ihn „Precision Psychiatry“, setzt genau hier an. Mithilfe der Biomarker entwickeln wir zielgerichtete, individuelle Therapien. Ärzte müssen sich nicht länger auf Vermutungen verlassen, sondern können im Vorfeld beurteilen, wie Patienten auf Behandlungen ansprechen. Die Patienten profitieren von einer kürzeren Behandlungsdauer, einer höheren Remissionsrate und weniger Nebenwirkungen. Zusätzlich wollen wir den therapeutischen Effekt der psychedelischen Medizin für Patienten nutzbar machen, ohne dass es zu dissoziativen Nebeneffekten kommt. Unsere spezielle Formulierung von Ketamin („Long Release“) könnte die Behandlung der therapieresistenten Depressionspatienten zu Hause ermöglichen. Hier befinden wir uns bereits in der Phase 2.

PLS: Wie weit sind Sie mit der Biomarker-getriebenen Therapeutikaentwicklung?

Benedikt v. Braunmühl: Wir können nun die Patientengruppe charakterisieren, für die das von uns ausgewählte Medikament tatsächlich wirkt. Die Evidenz dafür ist sehr gut. Mit einem unserer von Big-Pharma einlizenzierten Kandidaten, der die Stress-Achse reguliert, gehen wir jetzt in die klinische Phase 2-Studie, dazu wird es auch bald Neuigkeiten geben. hoffen auf einen „Proof“ unser gesamten Biomarker-Plattform, und damit unserer Strategie zur Entwicklung wirklich erstmalig zielgerichteter Therapeutika.

PLS: Ist das fast ein „Repurposing“ von bekannten Medikamenten?

Benedikt v. Braunmühl: Nicht unbedingt, denn erstens ist der stratifizierende Biomarker ein ganz wichtiger neuer Aspekt, zweitens entwickeln wir „Compounds“ mit einem völlig neuen Ansatz zur Regulierung der Stress-Achse, und drittens verändern wir wie bei Ketamin auch das „Drug Delivery“. Es gibt jetzt seit März 2021 ein zugelassenes Ketamin-Spray in Europa, das uns ja nur in unserem Ansatz bestätigt. Allein hierfür haben Analysten ein Peak Sales-Potential von deutlich über 1 Mrd. abgeschätzt, ein ähnliches Potential sehen wir für die von uns entwickelte orale Gabe. Aus der Kombination von personalisierter Diagnose und passendem Therapeutikum aus einer Hand haben wir weitere Blockbuster-Kandidaten im Portfolio – natürlich umfassend IP-geschützt.

PLS: Diese Biomarkerforschung von Prof. Holsboer, kann diese diagnostische Kompetenz von HMNC auch von Externen genutzt werden?

Benedikt v. Braunmühl: Über Ein- und Auslizenzierungen kann man grundsätzlich immer diskutieren. Aber um es klar zu sagen: HMNC ist eine „Clinical Stage Biopharma Company“, keine Diagnostikfirma. Wir fokussieren uns auf die Eigenentwicklung. Eher lizenzieren wir noch weitere „Compounds“ ein, um sie mit unserer Plattform voranzubringen. Eine solche Service-Dienstleistung aufzubauen, benötigt im Übrigen auch Ressourcen, die wir sinnvoller einsetzen können.

PLS: Bei „Personalisierter Medizin“ denkt man nicht zuletzt in den hochindividuellen Beispielen der Zell- und Gentherapie sehr schnell an hohe Kosten für den Patienten, für das Gesundheitssystem. Ist das in Ihrem Fall dann auch so?

Benedikt v. Braunmühl: Ganz deutlich: Nein. Die geschilderten Fälle sind ja dann oft „Rare Diseases“ und so kann man (leider) den Indikationsbereich Depression wirklich nicht auffassen. Bei der großen Zahl der betroffenen Patienten muss man wirklich von einer „Volkskrankheit“ sprechen – und zuletzt haben ja einige prominente Fälle genauso wie Corona dazu beigetragen, dass die Tabus allmählich verschwinden, darüber sprechen zu können. Unser Umsatzmodell geht deshalb nicht von den „Preisschildern“ in der Zell- und Gentherapie aus, aber auch nicht vom Generika-Niveau. In der Vermarktungsstrategie, gerade in Richtung USA, müssen wir auch sehen, wie die Erwartungen der Kostenträger aussehen und welche Modelle denkbar bis hin zum erfolgsorientierten „Outcome Based Payment“ sind.

Folgen Sie uns auf LinkedIn, unserem aktuellen und interaktiven Kanal

PLS: Sie selbst haben einen interessanten Lebenslauf in Pharma und bei großen Diagnostikfirmen auf dem ganzen Globus vorzuweisen. Nun sind Sie bei einer (mit Verlaub) sehr kleinen Biotech-Firma mit sehr großen Ambitionen. Was hat Sie dazu bewogen?

Benedikt v. Braunmühl: Ich bin schon früh mit einem allerersten „Companion Marker“ in Berührung gekommen, als ich bei Qiagen war, und habe dort konkret erlebt wie nur dank dieses Biomarkers der ganze Therapieansatz zur Zulassung UND Erstattung gekommen ist. Ich bin also ein absoluter Anhänger des Biomarker-Pfades und das sehe ich hier bei HMNC als wesentliches Alleinstellungsmerkmal für den Bereich der psychischen Erkrankungen. Zugegeben ist HMNC eine kleine Firma, aber das Team, operativ und im Board, ist sehr beeindruckend.

Unser Chairman Franz Humer hat als einer der ersten Pharma-CEOs schon in den frühen 2000er Jahren die Verknüpfung aus Pharma und Diagnostik als zukunftsweisend erkannt und Roche entsprechend ausgebaut. Hans Eriksson ist ebenso eine essenzielle Figur, mit einem jahrzehntelangen erfolgreichen „Track-Record“ in der Entwicklung von Therapien für psychiatrische Krankheiten.

PLS: Hat man Ihnen einen konkreten Auftrag mitgegeben als Stellenbeschreibung bei HMNC?

Benedikt v. Braunmühl: Wir wollen mit den nächsten Schritten in der Klinik deutlich vorankommen. Nach der Phase 2 muss man ja schon die Phase 3 im Blick haben. Wir wollen uns dazu stärker in Richtung der USA orientieren, auch was die Investorenbasis angeht. Es geht aber niemandem hier um einen schnellen „Exit“, sondern darum einen Unterschied im Bereich der „Mental Health Disorders“ zu machen, auch längerfristig. Unsere tiefe wissenschaftliche Basis unterscheidet uns von vielen anderen Ansätzen, die ja teilweise mit interessanten IPO-Platzierungen große Aufmerksamkeit erzielt haben. Das hilft uns durchaus in unseren Gesprächen für die nötigen Finanzierungen für diese nächsten Schritte. Wichtig ist auch, dass die Altinvestoren dem ganzen Ansatz weiter ihr Vertrauen schenken, bei der Stange bleiben, und das haben sie gerade mit einer aktuellen Bridgefinanzierung [in Höhe von 9 Mio. EUR, Anm.d.Red.] belegt.

PLS: Wenn Sie sich selbst charakterisieren müssten, was wäre Ihr wichtigster Charakterzug für die kommende Entwicklung bei HMNC?

Benedikt v. Braunmühl: Meine Passion ist die Innovation in der Medizin. Ich bin schon sehr früh in diese innovative Gesundheitswirtschaft geraten, etwa bei Impfstoffen und Diagnostik, und das in einem sehr internationalen Umfeld. Auch bei Medicover, meinem letzten Arbeitgeber, habe ich ganz deutlich die Innovation als Schwerpunkt gesetzt. Den Innovationsgeist finde ich auch bei HMNC vor, und es treibt uns alle hier gleichermaßen an.

Das Gespräch führte Dr. Georg Kääb

Über den Autor / die Autoren