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Ernst & Young zählt mit über 7.700 Mitarbeitern an 22 Standorten zu den renommierten deutschen Beratungsgesellschaften. Die Industriestudien der Gesellschaft sind branchenübergreifend eine gefragte Lektüre. Der jüngste Medizintechnik-Report 2013 sieht viele Geschäftsmodelle der Branche unter Druck und prognostiziert eine Neuausrichtungswelle in Richtung Dienstleistungen und zunehmenden M&A Aktivitäten.

Siegfried Bialojan, Leiter des Life-Science-Kompetenzzentrums von Ernst & Young in Mannheim,  sieht die Medizintechnik aktuell an einem kritischen Punkt. Das Umsatzwachstum börsennotierter Unternehmen der Branche hat sich im Jahr 2012 im Vergleich zu den Vorjahren von 4 auf 2% halbiert, und lag nur noch bei ca. 340 Mrd.  USD. Kritisch sieht Bialojan vor allem den Gewinneinbruch der US-Unternehmen um satte 37%. Anstelle eines Reingewinns von 13,7 Mrd. USD im Jahr 2011 konnte 2012 nur noch ein Gewinn von 8,7 Mrd. USD erwirtschaftet werden. „Der Druck von Seiten der Kostenträger und Zulassungsbehörden auf die Medizintechnikbranche ist in den USA besonders hoch. Grund sind die anstehenden Reformen und Budgetstreitigkeiten im Gesundheitswesen“, stellt Bialojan in der noch nicht veröffentlichen Presseerklärung klar. Die börsengelisteten Medizintechnik-Firmen Europas stehen 2012 mit einer Steigerung des Reingewinns um 10% bei 2% Umsatzwachstum zwar besser da als die amerikanische Konkurrenz, dennoch besteht laut Bialojan kein Grund zur Euphorie, zu ungleich verteilt sei die Performance in den einzelnen EU-Ländern. Während die deutschen Firmen einen Gewinnzuwachs um 9% auf 1.349 Mrd. USD verzeichneten, schnitten die europäischen Nachbarn deutlich schlechter ab, in Frankreich schrumpften die Gewinne sogar um fünf Prozent.

Kapitalmangel ist ein ernstes Problem

Das verhaltene Umsatzwachstum hat zunehmend sinkende Budgets für F&E in der Medizintechnik zur Folge. Bestrebungen strengere Zulassungskriterien für Medizingeräte zu etablieren, sowohl von Seiten der EU als auch national, sorgen ebenso für Unsicherheiten am Markt wie die durch Kostendruck anvisierten Budgetkürzungen und die verschärften Kosten-Nutzen-Abwägungen für Medizinprodukte. All dies erschwere die Finanzierungsbedingungen, so Heinrich Christen, Medical Devices Industry Leader bei Ernst & Young in Europa, Mittlerer Osten, Indien und Afrika (EMEIA). Die Studiendaten zeigen, das in die Medizintechnik gepumpte Venture Capital geht deutlich zurück, von Juli 2012 auf Juni 2013 wurden 21%  weniger investiert. Von den 29,5 Mrd. USD flossen alleine 82% nur in die Branchenführer, damit gehen die meisten kleinen Unternehmen der Branche weitgehend leer aus.

Übernahme oft die einzige Hoffnung für jungen Firmen

Startups und kleine Unternehmen der Medizintechnikbranche sind die leidtragenden des aktuellen Kapitalmangels. Das sieht auch Heinrich Christen so. Dabei leiden ganz besonders die deutschen Unternehmen an der mangelnden Finanzierung, in den USA, der Mutter des Wagniskapitals, ist dieses Problem trotz Umsatzrückgang deutlich geringer ausgeprägt. „Die einzige Hoffnung für kleinere Unternehmen ihre Produkte bis zur Marktreife zu bringen sei die Übernahme durch einen der großen Player“, erläutert Christen das wachsende Problem. Ein Fazit der Studie ist deshalb: Aufrechterhaltung der Innovationskraft, sich auf veränderte Bedingungen einstellen und auf einen Wachstumspfad zurückfinden. „Mit innovativer Technik allein können sich Medizintechnik-Unternehmen auf Dauer aber kaum behaupten“, glaubt Christen. Dienstleistungspakte sieht er auch in der Medizintechnikbranche als immer wichtiger an. Da die Budgets für Forschung und Entwicklung limitiert seien, würden sich Investitionen zunehmend auf neue Wachstumsmärkte fokussieren.

Herausforderung Telemedizin

Der Medizintechnik-Report 2013 spricht auch von einer Verlagerung der Gesundheitsversorgung hin zu einem mehrwertbasierten Ansatz. Diesen Mehrwert müssen Medizinprodukte im Dienstleistungsgefüge des Gesundheitswesens zunehmend unter Beweis stellen, was zu einem hohen Verdrängungswettbewerb führen wird. Zur Kostensenkung, so glaubt Christen, gehen viele Kostenträger zunehmend zu offeneren Modellen wie der Telemedizin über, bei denen die Patienten selbst mehr Verantwortung für ihre Behandlung übernehmen werden. Dies stellt Hersteller vor neue Herausforderungen hinsichtlich der Bedienbarkeit und der Kommunikationsfähigkeit ihrer Medizingeräte. Individuelle Lösungen für die unterschiedlichen Zielgruppen werden immer mehr an Bedeutung gewinnen. „Entscheidend sei, dass die Unternehmen die gesamten Bedürfnisse und das Umfeld der Kostenträger und der Patienten in den Blick nehmen“, sagt Christen.

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