Vor wenigen Wochen konnte die HepaRegeniX GmbH, ein junges Biotech-Unternehmen, welches sich auf die Entwicklung neuartiger Behandlungen für Lebererkrankungen spezialisiert hat, neun Mio. EUR im Rahmen einer Serie A-Finanzierung einnehmen. CEO Wolfgang Albrecht stellt sein Unternehmen vor.

Bitte erklären Sie uns das Geschäftsmodell der Heparegenix GmbH. Was ist Ihr Alleinstellungsmerkmal?

Heparegenix entwickelt neue Wirkstoffe zur Behandlung von akuten und chronischen Lebererkrankungen. In unserem Claim, „delivering recovery“, steckt auch unser therapeutischer Ansatz, der sich grundlegend von allen anderen, aktuell verfolgten Konzepten unterscheidet. Die gesunde Leber verfügt über ein erstaunliches Regenerationspotenzial. So dauert es nach einer Lebendorganspende, bei der etwa die Hälfte einer gesunden Leber entnommen wird, nur rund zwei Wochen, bis die Leber des Spenders wieder die ursprüngliche Masse erreicht hat. In der geschädigten Leber dagegen dominieren Vorgänge, die zu Fibrose und Zelltod führen, an deren Ende das Leberversagen steht. Mit Hilfe einer neuartigen Methode (RNAi-basiertes in vivo Screening) zur Identifizierung von therapeutischen Zielmolekülen entdeckte einer der Mitgründer von Heparegenix ein Enzym, dessen Wirkstoff-vermittelte Hemmung selbst in einer stark geschädigten Leber zur Reaktivierung der Regenerationsfähigkeit führt.

Wie gestaltet sich das aktuelle Marktumfeld in Ihrem Segment? Welches Marktpotenzial sehen Sie für Ihre Produktkandidaten?

Verschiedene Erhebungen belegen eine dramatische Zunahme von chronischen, schweren Lebererkrankungen. Einem WHO-Bericht zufolge ist in Europa bei 1,8% aller  Todesfälle (170.000 pro Jahr) Leberzirrhose die Ursache. Wie groß der Bedarf an neuen Therapien ist, lässt sich auch daran ablesen, dass im Portal des US-amerikanischen NIH, das die laufenden klinischen Studien registriert, derzeit allein in der Indikation NASH (nicht-alkoholische Steatohepatitis), zu deren Behandlung es bislang kein zugelassenes Medikament gibt, über 90 klinische Phase 2 und 3-Studien gelistet sind.

Wie steht es in Fragen Patentierung und Zertifizierung?

Das therapeutische Konzept, durch Hemmung des identifizierten Schlüsselenzyms die Regenerationsfähigkeit der geschädigten Leber wieder herzustellen, wurde in Europa, USA und weiteren Regionen zum Patent angemeldet. In Europa wurde das Patent bereits erteilt. Heparegenix verfügt über das weltweite, exklusive Nutzungsrecht dieses Patents.

Das Gründerteam der Heparegenix GmbH kann auf eine umfangreiche wissenschaftliche Erfahrung verweisen. Wie schwer war der Schritt von der Wissenschaft in die Wirtschaft?

Die operative Leitung von Heparegenix verfügt über mehr als 20 Jahre Erfahrung in der pharmazeutischen Industrie und kennt die Prozesse von der Wirkstoffsuche über die nicht-klinische bis zur klinischen Entwicklung. Ich selbst war Head of Chemical Research bei Ratiopharm. Die „akademischen“ Firmengründer bleiben an der Universität. Sie sind nicht in das operative Tagesgeschäft der Heparegenix eingebunden, begleiten aber die Entwicklungsarbeiten beratend.

Heparegenix hat vor einigen Wochen eine Serie A-Finanzierung in Höhe von 9 Mio. EUR abgeschlossen. Welches sind nun Ihre nächsten Meilensteine?

Das Ziel ist die Entwicklung eines potenten, selektiven und oral verfügbaren Wirkstoffs. Die mit dieser Finanzierungsrunde bereitgestellten Mittel werden zur Identifizierung eines Entwicklungskandidaten (Meilenstein 1) und zur Vorbereitung der ersten klinischen Studie (Meilenstein 2) verwendet.

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