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Bildnachweis: Fotolia/ijdema.

Die digitale Transformation führt auch im Gesundheitswesen zu grundsätzlichen Veränderungen. Durch die Digitalisierung lassen sich bestehende Prozesse in der stationären wie ambulanten Versorgung, in der Forschung und Entwicklung, in der Verwaltung und in der Anwendung für den Patienten im Alltag optimieren. Von Cay Frederic Horstmann, BIO-Deutschland e.V.

Durch digitale Technologien können die Sicherheit und ­damit die Qualität von einzelnen Prozessen weiter erhöht werden. Dafür müssen bestehende und entstehende Möglichkeiten im Zuge der Digitalisierung aktiv ­genutzt werden. Das übergeordnete Ziel dabei muss sein, für Patientinnen und ­Patienten eine ­bessere medizinische Versorgung zu ­ermöglichen.

Zusammenschluss von Verbänden aus der Gesundheitswirtschaft

Während in Ländern wie Dänemark, ­Estland oder Kanada digitale Technolo­gien bereits Alltag in Praxen und Kliniken sind, schneidet das deutsche Gesundheitswesen in Erhebungen zum Digitalisierungsgrad regelmäßig schlecht ab. So ging im Jahr 2018 ein Weckruf durch das Land, als die Bertelsmann Stiftung mit ihrem viel beachteten Digital-Health-Index im Rahmen ihrer Studie #SmartHealthSystems den Beleg lieferte, wie weit Deutschland anderen Ländern in puncto Digitalisierung hinterherhinkt: Rang 16 von 17 verglichenen Ländern, nur Polen schnitt noch schwächer ab.

Länder, die in dieser Studie erfolgreich abschnitten, verfügen vielfach – neben ­einer fest verankerten Institution zur ­Koordination des Digitalisierungsprozesses – über Zielbilder für die digitale Transformation ihres Gesundheitswesens und haben auf dieser Basis sogenannte E-Health-Strategien als Grundlage für ­zielgerichtete Maßnahmen entworfen. ­Dadurch schritt die Digitalisierung des Gesundheitswesens dort schneller und ­erfolgreicher voran.

Um die Mehrwerte der Digitalisierung für die Versorgung und auch für den ­Gesundheitsstandort Deutschland besser nutzbar zu machen, schlossen sich bereits 2018 acht Verbände der industriellen ­Gesundheitswirtschaft zusammen, um ­gemeinsam einen zielorientierten und zeitlich definierten Prozess zur Entwicklung eines E-Health-Zielbilds für Deutschland zu fordern. An dieser „eHealth-­Allianz“ beteiligen sich aus dem Bereich der Medizintechnik der BVMed, SPECTARIS, VDGH sowie ZVEI, die Gesundheits-IT ist mit den Verbänden Bitkom sowie dem bvitg vertreten, für die pharmazeutische Industrie spricht der vfa und für die ­Biotechnologieindustrie engagiert sich BIO Deutschland in der Allianz.

Mit einem gemeinsamen Diskussionspapier rief die Verbändeallianz im Juni 2018 dazu auf, ein nationales E-Health-Zielbild ressort- und sektorübergreifend zu erarbeiten und anschließend durch ­einen konkreten Aktionsplan flächen­deckend umzusetzen. Dabei wurde ein ­Ansatz mit drei verschiedenen Schritten vorgeschlagen:

1. Entwicklung eines gemeinsamen Zielbilds für die Digitalisierung im Gesundheitswesen in einem strukturierten Prozess, begleitet durch einen Diskurs zu den Chancen und Risiken der Digitalisierung im Gesundheitswesen.

2. Definition eines Aktionsplans mit konkreten Maßnahmen und Meilensteinen zur Umsetzung der Strategie und des Zielbilds.

3. Umsetzung des Aktionsplans, begleitet durch einen breiten gesellschaftlichen Diskurs zur Stärkung der Akzeptanz für digitale Innovationen im Rahmen einer nationalen Aufklärungskampagne.

Weitere Postitionspapiere von BIO-Deutschland hier

„Verbändeallianz eHealth“ findet starke Resonanz

Der Aufruf der „eHealth-Allianz“ fand ­große Beachtung in Politik und Ministe­rien, was etwa mit dem Koalitionsvertrag zur 19. Legislaturperiode sichtbar wurde, in dem die Erarbeitung einer „Roadmap zur Entwicklung und Umsetzung innova­tiver E-Health-Lösungen“ angekündigt wurde. Im Dezember 2018 folgten sowohl der damals neue Bundesgesundheits­minister Jens Spahn als auch die in ihren jeweiligen Fraktionen für das Thema E-Health verantwortlichen Bundestags­abgeordneten Maria Klein-Schmeink (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN) und Tino Sorge (CDU) einer Einladung der Verbände­allianz zu einem Parlamentarischen Abend. Neben der Vorstellung der bereits erwähnten Smart-Health-Studie der Bertelsmann Stiftung diskutierten die ­Teilnehmerinnen und Teilnehmer der ­Veranstaltung die elektronische Patienten­akte, die rechtlichen und technischen ­Voraussetzungen der Datenvernetzung ­sowie Verfügbarkeit und Nutzung von ­Gesundheitsdaten zu Forschungs­zwecken.

Weitere Arbeit der „eHealth-Allianz“

Vor dem Hintergrund, dass Bundes­gesundheitsminister Spahn bei dem Parlamentarischen Abend dazu aufgerufen ­hatte, möglichst konkrete Vorschläge zu machen, wie die digitale Transformation des Gesundheitswesens von politischer Seite aus begleitet und gefördert werden könne, wurden innerhalb der Verbände­allianz verschiedene Break-out-Gruppen mit unterschiedlichen thematischen Schwerpunkten gebildet, die konkrete Vorschläge an den Gesetzgeber ausarbeiteten. So wurden Vorschläge zur Verbesserung digitaler Versorgungsangebote oder zur Schaffung einer ergänzenden ­nationalen Koordinierungsstelle E-Health Deutschland formuliert.

Um die Probleme darzustellen, welche sich bei der Nutzung von Gesundheits­daten ergeben, wurde außerdem eine ­Patient Journey erarbeitet, in welcher der Alltag, Haus- und fachärztliche Behandlungen sowie Krankenhausaufenthalt und Rehabilitationsmaßnahmen bei einem chronisch herzinsuffizienten Patienten ­beschrieben werden. In gemeinsamen Workshops mit Expertinnen und Experten aus der Gesundheitsindustrie, der Ärzteschaft und der Patientenvertretung wurden dabei bestehende Hürden bei der ­Erfassung und Nutzung von Gesundheitsdaten identifiziert und Wunschszenarien skizziert.

Begleitung wichtiger Gesetzes­vorhaben im Gesundheitsbereich

Neben der Arbeit in den Break-out-Gruppen begleitet die „eHealth-Allianz“ in der 19. Legislaturperiode zudem wichtige ­Gesetzesvorhaben zur Digitalisierung des Gesundheitswesens. So lud die Verbände­allianz im November 2019 zu einer Parlamentarischen Dialogveranstaltung nach Berlin ein, um mit dem Chef der Abteilung für die Digitalisierung des Gesundheits­wesens im BMG, Gottfried Ludewig, und dem Berichterstatter der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für E-Health und Gesundheitswirtschaft, Tino Sorge, die Inhalte des „Digitale-Versorgung-Gesetzes (DVG)“ zu diskutieren. In den Gesetzgebungs­prozess zum „Patientendaten-Schutz-­Gesetz (PDSG)“ brachte sich die Allianz im Mai 2020 mit der gemeinsamen Forderung ein, dass nicht nur forschende Institute, sondern auch die forschende Gesundheitswirtschaft einen transparenten Zugang zu Forschungsdaten erhalten müsse. Die Forderung nach einem Antragsrecht beim Forschungsdatenzentrum im SGB V erneuerte die Allianz im April 2021 anlässlich der Parlamentarischen Beratungen zum Digitale-Versorgung-und-Pflege-­Moder­nisierungs-Gesetz (DVPMG).

Ausblick auf die zukünftige Arbeit der „Verbändeallianz eHealth“

Seit drei Jahren ist beim Thema E-Health Bewegung im Spiel. Nicht zuletzt durch den Innovationsdruck der industriellen Gesundheitswirtschaft wurden in den ­vergangenen Jahren wichtige Grundsteine für die Digitalisierung der deutschen ­Gesundheitsversorgung gelegt. Der jahrelange Stillstand in einem lang vernach­lässigten Thema wurde beendet und erste Schritte zur Verbesserung vorange­trieben. Allerdings sucht man bei den zahlreichen ­getroffenen Einzelmaßnahmen noch immer vergeblich nach einem roten Faden, der sie zu einer umfassenden Digitalisierungsstrategie für die Gesundheitsbranche zusammenführt und ein­deutig beschreibt. Daher arbeitet die „eHealth-Allianz“ derzeit an einem ­weiteren Handlungsimpuls, der auf einem Symposium auf der diesjährigen Fach­messe „DMEA – Connecting Digital Health“ in dieser laufenden Juni-Woche vorgestellt und diskutiert werden soll. ■

Ein ganzer Schwerpunkt zu „Smarter Medizin“ mit Hilfe von Digitalisierung findet sich in Heft 2-2021 der Plattform Life Sciences

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