Der neueste Healthtech-M&A-Marktbericht des Technologieberaters Hampleton Partners zeigt, wie Big Data schnell zur gemeinsamen Währung wird und das Herzstück hochwertiger Geschäftsmodelle im Gesundheitswesen bildet. Der Aufstieg von Blockchain und Artificial Intelligence treibt den Markt zu neuen Grenzen, insbesondere aus der Perspektive medizinischer Daten.

Blickt man auf die Zahlen wurden zusätzlich zu den boomenden strategischen Investitionen in diesem Sektor in der ersten Jahreshälfte 2018 Rekordinvestitionen in Private Equity und fünf Multi-Milliarden-Dollar-Deals getätigt. Das erhöhte den gesamten veröffentlichten Transaktionswert auf 13,4 Mrd. USD, wobei das EV\EBITDA-Verhältnis nach 30 Monaten mehr als 16x betrug.

Healthtech – Big Data, Blockchain und AI künftig gefragt

Milliarden von individuellen, elektronischen Gesundheitsakten (EPA) ersetzen Papierakten und die Daten aus jahrzehntelanger medizinischer Forschung und klinischen Studien müssen gespeichert werden. Datenmanagement- und Analyseplattformen sowie medizinische Kollaborationssoftware sind gefragt, um das enorme Potenzial der Datenrevolution zur Weiterentwicklung der Medizin zu nutzen.

Jonathan Simnett, Direktor und Principal Partner bei Hampleton Partners kommentiert: „Die Datenrevolution trägt zur Transformation des Gesundheitswesens bei und bietet sowohl Einzelpersonen als auch Kliniken die Möglichkeit, Gesundheitszustände in Echtzeit zu verfolgen, zu verwalten und zu verbessern, indem sie Healthtech-Wearables und personalisierte Apps verwenden. Wir erwarten, dass Unternehmen, die Experten für Big Data Analytics sind und neue Technologien wie Blockchain und künstliche Intelligenz nutzen, in Zukunft gefragt sein werden.“

Die Healthtech-Ambitionen der Technologieriesen

Aber der Gesundheitsmarkt befindet sich nicht nur in einem technologischen Umbruch. Es gibt weitere tiefgreifende Einflüsse, da Unternehmen von außerhalb des traditionellen Gesundheitsbereichs neue Erkenntnisse und Geschäftsmodelle in den Sektor einbringen und mit bereits hochakquisitorischen etablierten Unternehmen wie Philips, IMSHealth, Allscripts, Ability, Roper und Harris konkurrieren. Ein Beispiel ist der Kauf der Online-Apotheke PillPack durch Amazon für einen gemeldeten Wert von knapp einer Mrd. USD, der die Ambitionen des Unternehmens im Gesundheitswesen unterstreicht.

Private Equity investiert Milliarden in Healthtech

Der größte Deal des Sektors im ersten Halbjahr war die Übernahme von Cotiviti Holdings, einem Healthcare-Analytik- und Zahlungsgeschäft in Höhe von 4,9 Mrd. USD durch Verscend Technologies, ein Portfoliounternehmen von Veritas Capital. Die Übernahme, die mit einem EBITDA von 19,7x und einem Aufschlag von 136% auf den Aktienkurs von Cotiviti bewertet wurde, zeigt die gestiegene Bereitschaft der Private-Equity-Investoren, Big-Ticket-Deals im Gesundheitswesen zu verfolgen.

Die zweitgrößte Transaktion des Gesundheitssektors war das 2,1-Mrd.-USD von Platinum Equity für Johnson & Johnsons angeschlagene LifeScan-Einheit, einen Hersteller von Blutzuckermesssystemen. An dritter Stelle stand die 1,9 Mrd. USD Übernahme der Alphabet-unterstützten Flatiron Health, einem Spezialisten für elektronische Gesundheitsunterlagen mit Schwerpunkt Onkologie durch den Schweizer Pharmazeuten Roche Holding, der seinen bestehenden Anteil um insgesamt 2,1 Mrd. USD aufstockte.

Die Zukunft von M&A im Gesundheitswesen

Eine alternde Bevölkerung, steigende Patientenansprüche und der Anstieg von Zivilisationskrankheiten sowie der Druck auf Budgets zwingen öffentliche und private Gesundheitsdienstleister zu Innovationen, welche die Qualität der Versorgung zu verbessern und Kosten senken sollen.

„Dies veranlasst Technologieriesen wie Amazon, Apple, Google und IBM, den Gesundheitssektor im Wettbewerb mit Private Equity anzusprechen, aber sie alle werden einem starken Wettbewerb um Deals von etablierten Gesundheitstechnologieanbietern ausgesetzt sein. Viele von ihnen stehen unter zunehmendem Druck, ihr organisches Umsatzwachstum aufrechtzuerhalten und ihre Marktorientierung zu verstärken. Das sind jedoch gute Nachrichten für Healthtech-Unternehmen, die einen Ausstieg in den kommenden Monaten in Betracht ziehen“, so Jonathan Simnett.