Werbung

Bildnachweis: Diabetes_AdobeStock_62394043.

Die Plattform Life Sciences sprach mit dem CEO des Börsenkandidaten DiaMonTech über das anstehende Vorhaben und natürlich die Technologie dahinter – made in Germany.

 

Plattform Life Sciences: Herr Lubinski, DiaMonTech hat ihre Pläne für einen Börsengang voraussichtlich in den ­nächsten drei Monaten angekündigt. Welche Motive leiten Sie dabei und was ist das Ziel?

Lubinski: Ziel des Börsengangs ist die ­Kapitalaufnahme, um unser Handheld-Blutzuckermessgerät D-Pocket zeitnah in den Markt zu bringen. Die Entwicklung muss noch zu Ende geführt und dann die Produktion angeschoben werden.

Lassen Sie uns über die bisherige Finanzierung sprechen – Private Equity?

Genau, wir haben unsere bisherigen Schritte mit klassischen Business Angels und verschiedenen Venture-Capital-Gebern bewältigt.

Bleiben diese nach dem Börsengang weiterhin an Bord oder betrachten sie ihn als Exit-Kanal?

Unsere bisherigen Kapitalgeber beabsichtigen, weiter investiert zu bleiben und ggf. sogar beim Börsengang aufzustocken, der ja vornehmlich eine Kapitalerhöhung ist.

Die Technologie hinter dem Blutzuckertestgerät sieht eigentlich recht einfach aus – der Eindruck trügt zweifellos. Jeder kennt sicherlich die Geräte, wo man sich kurz in einen Finger pikst und das Blut binnen Sekunden auf Glukose analysiert wird.

Lassen Sie mich vorausschicken, dass unsere Technologie auf rund drei Jahrzehnten Vorarbeit von Prof. Werner Mäntele beruht, die inzwischen auch patentiert ist. Er ist einer der Gründer von DiaMonTech, die es seit 2015 gibt. Das Standardverfahren funktioniert auf Basis eines elektrochemischen Bluttests – allerdings invasiv. Unsere Technologie können Sie sich eher vorstellen wie einen Fingerabdrucksensor: Sie legen einen Finger auf und nach wenigen Sekunden haben Sie ­Ihren Blutzuckerwert. Basis ist ein Quantenkaskadenlaser, der spezifisch Glukosemoleküle in der Haut erwärmt. Vereinfacht ausgedrückt wird ein Temperaturunterschied mithilfe eines Laserstrahls gemessen. Diese Messmethode ist nicht invasiv. Einen Temperaturunterschied von wenigen Tausendstel Grad aufgrund der Erwärmung von Glukosemolekülen können Sie zwar nicht spüren, aber ein ­fotothermischer Laserstrahl kann den messen.

Und die Genauigkeit: Kommt es da auf die Nachkommastelle an?

Die klassischen elektrochemischen Verfahren kommen auf 98%+, wir sind aktuell bei 99%+. Für die allermeisten Messungen wird es nicht auf die Nachkommastelle ankommen – was schwierig ist, sind Extremwerte.

Die Kosten für das D-Pocket werden ungefähr 1.200 EUR pro Jahr betragen. Bei der Konkurrenz schlagen die Verbrauchsprodukte zu Buche, z.B. die Teststreifen, nicht die Geräte selbst – also ähnlich wie bei Druckern. Muss denn beim D-Pocket etwas ersetzt ­werden oder ist das eine Einmalanschaffung?

Nein, beim D-Pocket gibt es keine Verbrauchsmaterialien, es muss also nichts ersetzt werden: keine Lanzette, kein Teststreifen, kein Pflaster. Das Gerät muss von Endnutzern übrigens nicht erworben werden, sondern wird geleast – daher die rund 1.200 EUR pro Jahr oder 99 EUR pro Monat. Damit sehen wir uns in einer guten Position, mit den invasiven Methoden zu konkurrieren. Unser Leasingansatz hat den Vorteil, dass man so die jährlichen Kosten mit den Alternativen gut vergleichen kann.

Und wie steht es mit der Kostenübernahme durch Krankenkassen?

Darum bemühen wir uns natürlich. Wir können dies zwar nicht für sofort ab Markteinführung versprechen. Wir stehen allerdings schon in Kontakt mit den Krankenkassen und gehen davon aus, dass ­früher oder später auch unser D-Pocket als erstattungsfähig eingestuft wird.

Wann soll denn die Markteinführung stattfinden?

Unser derzeitiges Produkt ist noch etwa schuhkartongroß. Das funktioniert natürlich und war gut, um letzte Validierungen für den zweiten Schritt vornehmen zu ­können: das D-Pocket, ein Gerät von der Größe der bekannten Blutzuckermessgeräte. Dies soll Ende 2020 zugelassen und erwerbbar sein. Schritt drei ist ein Gerät auf Basis eines Armbands, oder allgemeiner: ein Wearable. Das ist natürlich sehr charmant, da der Sensor dann praktisch dauerhaft auf der Haut aufliegt und kontinuierlich den Blutzucker messen kann. Hier haben wir 2023/24 als Horizont.

Bei welchen Adressen muss jetzt Überzeugungsarbeit geleistet werden: Endkunden, Ärzte, Kassen, Apotheken?

Bei allen! Beim Endkunden weniger – hier haben wir schon zahlreiche Anfragen, wann unser Gerät denn endlich für sie verfügbar ist. Mit dem Deutschen Apothekerverband (DAV) besteht bereits eine Absichtserklärung, in welcher Form unser Gerät angeboten werden soll. Natürlich sind wir zudem im Gespräch mit den ­Krankenkassen und auch Ärzten.

Immerhin bewegen Sie sich im Markt für Diabetesbehandlung, der ja – bedauer­licherweise – in stetigem Wachstum begriffen ist: Für die nächsten zwei Jahrzehnte wird ein weltweiter Anstieg um fast 200 Mio. Diabetiker prognostiziert. Sollte vielleicht sogar jeder seinen Blutzuckerspiegel regelmäßig checken?

Tatsächlich geht die Vermutung – oder Hoffnung – dahin, dass sich ein Teil der Diabetes-II-Erkrankungen vermeiden ließe, wenn jeder seinen Blutzuckerspiegel einigermaßen regelmäßig überwachen würde. Insgesamt muss sicherlich ein besseres Bewusstsein für dieses Krankheitsbild ­gefördert werden – entweder um den Schwellenwert zur Krankheit erst gar nicht zu überschreiten, Früherkennungs- und Umsteuerungsmaßnahmen einzuleiten oder Spätfolgen so weit wie möglich abzuschwächen bzw. hinauszuzögern.

Haben Sie eigentlich nie erwogen, Ihre Technologie in einem Großkonzern weiterzuentwickeln? Der bringt im Vertrieb in der Regel etwas mehr Pferdestärken auf die Straße.

Wir sind uns sicherlich einig, dass die Forschung in Deutschland generell exzellent ist, aber in der Vermarktung haben wir noch Spielraum nach oben. Klar war dies immer mal eine Überlegung, aber die Sorgen, ob unsere Entwicklung – aus ­einem Großkonzern heraus betrieben – wirklich irgendwann im Markt ankommt, überwogen. Daher haben wir uns für den Weg mit Business Angels und Eigeninitiative entschieden – und die hat uns immerhin hierhergeführt, wo wir jetzt stehen – kurz vor dem Börsengang und im kommenden Jahr vor der Markteinführung unseres Produkts.

Das Verfahren, wie Sie es beschreiben, scheint womöglich auf andere Diagnos­tiken übertragbar. Was wird in den nächsten Jahren noch von DiaMonTech zu erwarten sein?

In der Tat lassen sich bestimmte Moleküle in Flüssigkeiten oder z.B. über die Haut entdecken. Blutzucker ist nur ein Anwendungsfall – allerdings ein sehr großer und ein sehr wichtiger. Innerhalb eines Tropfens Blut wurden mit unserer Technologie schon zehn Biomarker nachgewiesen und in einem Tropfen Urin sechs – also Indikatoren potenzieller Krankheiten oder ­Umweltbelastungen. Im Healthcare-­Bereich gibt es eine Menge Anwendungsmöglichkeiten, aber auch darüber hinaus. Um die kümmern wir uns aber erst eingehender, wenn wir mit unserem Hauptprodukt erfolgreich am Markt sind.

Herr Lubinski, dann natürlich viel Erfolg beim anstehenden Börsengang – sicherlich sprechen wir uns dann in der Zukunft erneut.

Das Interview führte Falko Bozicevic.

 

ZUM INTERVIEWPARTNER

Thorsten Lubinski ist CEO der Berliner DiaMonTech. Der Wirtschaftsinformatiker mit Spezialisierung auf medizinische Software hat bereits mehrere Unternehmen aufgebaut und veräußert.