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Die deutsche Life Sciences-Industrie steckt in einem Dilemma: Einerseits profitiert die Branche von einer exzellenten Forschungslandschaft als fruchtbare Grundlage innovativer Ideen und Entwicklungen. Doch schaffen es viele Innovationen mangels Kapital gar nicht erst auf den Markt. Die heimischen Kapitaltöpfe scheinen aufgebraucht. Liegt die Rettung im Ausland?

Der Mangel an Wagniskapital in Deutschland ist wohl bekannt. Vor allem im kapitalintensiven Life Sciences-Segment gestaltet sich das Finanzierungsumfeld weiterhin schwierig. Was also tun? Blickt man beispielsweise über den Atlantik, so sieht die Situation in den USA völlig anders aus. Die dortigen über 60 Biotech-IPOs im vergangenen Jahr zeugen nicht nur von Anlegerinteresse sondern vor allem von prall gefüllten Geldbörsen auf Seiten der Investoren. Rund 4 Mrd. EUR wurden dabei eingenommen, laut Angaben der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young. Doch statt neidisch über den großen Teich zu blicken oder in Gram zu versinken, sollte die heimische Szene die Gunst der Stunde nutzen – auch weil sie kaum Alternativen hat. „Ohne Syndikate unter ausländischer Beteiligung würde es düster aussehen, da heimische Venture Capital-Fonds allein nicht über ausreichende Mittel verfügen und bei größeren Finanzierungsrunden oder über mehrere Entwicklungsphasen hinweg das Engagement ausländischer Co-Investoren suchen müssen“, urteilt Hanns-Peter Wiese von VIRETUM CONSULT und zugleich Partner bei Global Life Sciences Ventures.

Im Life Sciences-Bereich hat Deutschland in Sachen Wagniskapital noch einiges an Nachholbedarf
Im Life Sciences-Bereich hat Deutschland in Sachen Wagniskapital noch einiges an Nachholbedarf

Das deutsche Dilemma
Kaum ein deutscher Fonds verfügt über eine Kapitalausstattung, die ihm eine längerfristig ausreichende Risikofinanzierung ohne ausländische Co-Investoren gestattet. Mag dies im Rahmen einer Frühphasenfinanzierung zwar noch möglich sein, offenbart sich insbesondere in nachfolgenden Finanzierungsrunden das wahre Dilemma deutscher Risikofinanzierer, – ein Zutun ausländischer Fonds ist in der Regel unabdingbar. „Es gibt einfach kaum deutsche Fonds mit ausreichend tiefen Taschen“, meint Karl Nägler, Partner des belgischen Finanzinvestors Gimv. „Optimal wären deutsche Fonds, lokal verankert, aber mit einer international ausgeprägten Sichtweise.“ Zwar ist der Hightech-Gründerfonds ein eifriger und bewährter Frühphasenfinanzierer und europaweit führend in der Anzahl der getätigten Life Sciences-Deals. Auch andere Player wie SHS, Earlybird, TVM, Wellington oder MIG gehören seit Jahren zum festen Establishment deutscher Life Sciences-Finanzierer. Doch häufig konzentrieren sich Investoren auf Projekte mit vergleichsweise kurzen Entwicklungszeiten, etwa in der Medizintechnik.

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