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Das „ASCO Meeting“ ist der weltgrößte Krebskongress und lockt einmal im Jahr Besucher aus aller Welt an. Foto: ASCO
Das „ASCO Meeting“ ist der weltgrößte Krebskongress und lockt einmal im Jahr Besucher aus aller Welt an. Foto: ASCO

Ein glänzendes Comeback feierte auf dem diesjährigen Treffen der American Society of Clinical Oncology (ASCO) die Immuntherapie. Und ganz anders als sonst, waren es die großen Pharmaunternehmen, die sich die großen Headlines sicherten.

Rund 30.000 Besucher aus aller Welt waren vom 31. Mai bis zum 3. Juni zu Gast in der US-Metropole Chicago, um sich in unzähligen Vorträgen über die Innovationen in der Krebsforschung zu informieren. Die Vielfalt der Ideen, mit Hilfe des Immunsystems entarteten Zellen zu Leibe zu rücken, ist bemerkenswert. Für Furore sorgten in diesem Jahr der T-Zellrezeptor PD-1 und sein Ligand PD-L1, die beide Zielstrukturen einer neuen Wirkstoffklasse sind. Während Merck und Bristol-Myers Squibb (BMS) mit ihren experimentellen Wirkstoffen auf PD-1 zielen, setzen Roche und Tochter Genentech auf den zugehörigen Liganden PD-L1. Beide sind wichtig für die Aktivität Tumor-infiltrierender T-Zellen und werden bereits als künftige Hoffnungsträger im Kampf gegen eine Vielzahl von Tumoren gefeiert. Der Fokus beim ASCO-Treffen lag nun erst einmal auf der Behandlung des Melanoms.

Der PD-1/PD-L1 Pathway Der PD-1-Rezeptor sitzt auf Tumor-infiltrierenden T-Zellen und ist im Normalfall für einen Schutzmechanismus des Körpers vor einer überschießenden Immunantwort zuständig. Wird der Rezeptor jedoch überexprimiert, kann dies fatale Folgen auch für die Abwehr von Tumorzellen haben. Der BMS Antikörper Nivolumab und Mercks Pendant Lambrolizumab (MK-3475) binden an PD-1 und verhindern so die Bindung des physiologischen Liganden PD-L1. Da der Antikörper nicht das entsprechende Signal sendet, bleiben die T-Zellen und damit das Immunsystem aktiv und sollten sich erfolgreicher gegen Krebs zur Wehr setzen können. Beide Antikörper scheinen aussichtsreich zu sein, doch für Furore sorgte vor allem Nivolumab, der nicht nur eine exzellente Wirksamkeit sondern auch ein besonders gutes Sicherheitsprofil aufzuweisen scheint.

BMS punktet mit Nivolumab Die von Mario Sznol präsentierten Phase-I-Daten zeigten schrumpfende Tumorläsionen in fast einem Drittel der behandelten Melanom-Patienten. Unter Yervoy, einem bereits zugelassenen CTLA-4-Antikörper, gelang diese nur in 5 bis 10 Prozent der Patienten. Bei optimaler Dosierung lag das Gesamtüberleben bei eindrucksvollen 20,3 Monaten und damit doppelt so lange wie unter Yervoy. Die volle Aufmerksamkeit der Presse hatte BMS schließlich nach Vorstellung der Daten einer Kombinationstherapie aus Nivolumab und Yervoy. Die Antikörper-Kombination erzielte eine Ansprechrate von 53 Prozent, die Tumorläsionen schrumpften dabei um bis zu 80 Prozent. Ein Erfolg, wie er beim Melanom mit noch keiner neuen Therapie erzielt werden konnte, so Sznol in seinen Ausführungen. Kein Wunder, dass Investoren bereits von der nächsten Multimilliarden-Dollar-Therapie träumen. Und auch BMS verliert keine Zeit, sechs Studien verifizieren derzeit die Wirkung von Nivolumab, das bereits den Fast-Track-Status bei Melanom, Lungenkarzinom und Nierenzellkrebs genießt.

Roche/Genentech setzen auf PD-L1 Auch Roche und Tochter Genentech stürzen sich auf den so aussichtsreichen PD-1/PD-L1 Stoffwechselweg, haben es mit ihrem Antikörper MPDL3280A aber auf PD-L1, den Liganden des Rezeptors, abgesehen. Damit will man einer Strategie von Tumorzellen entgegenwirken, die versucht das Immunsystem auszutricksen. Manche Krebszellen haben nämlich gelernt, PD-L1 auf ihrer Oberfläche zu exprimieren. Durch die Bindung des Krebszell-ständigen Liganden an den T-Zell-ständigen PD-1 Rezeptor schwächen Krebszellen T-Zellen und entgehen so ihrer eigenen Vernichtung. MPDL3280A soll diese Schwächung aufheben. Als Liganden-Antikörper soll der Wirkstoff PD-L1 auf Krebszellen binden und so dessen Bindung an T-Zellen unterbinden. In ersten Phase-I-Studien traten kaum Nebenwirkungen zu Tage und ein Drittel der PD-L1 positiven Tumore sprachen auf die Therapie an. Außerdem zeigte sich, dass PD-L1 nicht in allen Tumoren vorkommt, so dass sich das Zielmolekül als prognostischer Biomarker für ein Therapie-Ansprechen eignen könnte. Eines haben alle Resultate gezeigt, der PD-1/PD-L1 Stoffwechselweg hat Potenzial ein wichtiges Ziel im Kampf gegen Krebs zu werden. Welcher der drei Immuntherapeutika zuerst die Ziellinie passieren und die begehrte Zulassung erhalten wird bleibt allerdings abzuwarten.

News von Bayer und Onyx Pharmakonzern Bayer und Partner Onyx präsentierten neue Daten zu Nexavar, das bei Nierenzellkarzinomen und Lebertumoren schon erfolgreich zum Einsatz kommt. In der Decision Studie konnte Nexavar strahlenresistente und metastasierte Schilddrüsenkarzinome im Mittel für 10,8 Monate im Zaum halten und schnitt damit deutlich besser ab als ein verabreichtes Placebo, dem dies lediglich für einen Zeitraum von 5,8 Monaten gelang. Bayer will Nexavar auf Grund dieser Ergebnisse nun auch bei anderen seltenen Krebsarten testen. Ebenfalls von Onyx kamen erste vielversprechende Ergebnisse mit Kyprolis beim neu diagnostizierten Multiplen Myelom. In der vorgestellten Studie wurden Tumorläsionen in 91 Prozent der Patienten verkleinert, in 9 Prozent stabilisierte sich die Erkrankung. Gelingt Onyx die Verifizierung dieser Daten, soll eine erweiterte Zulassung für Kyprolis, das bereits als Zweitlinientherapie zugelassen ist, beantragt werden. Das Marktpotenzial von Kyprolis ließe sich laut Onyx so noch einmal deutlich steigern.

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