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Oh Du fröhliche, oh Du selige „Lebensindustrie“? Etwas Pathos ist dabei, beim Rückblick und Ausblick zum Jahrsende, beim Formulieren von Wünschen und Setzen von Trends. Vorab gilt: Es war kein schlechtes Jahr für die Unternehmen der Biotechnologie und Medizintechnik in Deutschland. Beim Blick auf das vergangene und künftige Jahr fragen wir uns: Was „kann“ mehr geschehen? Was „sollte“ und was „darf“? Und vielleicht ist es auch an der Zeit, von überholten Erwartungen Abschied zu nehmen und dafür neue in den Fokus zu stellen.

Über das Jahr verteilt hat der Verfasser dieser Zeilen mit einer Vielzahl von Unternehmern, Investoren und Analysten der deutschen Life Science-Szene sprechen können. Beinahe unisono wurde die deutsche Anlegerkultur beklagt, Biotech und Medizintechnik seien zu selten auf den Merkzetteln deutscher Aktionäre vertreten. Und heimische Investoren, welche sich auf die komplexen Thematiken der Life Science-Industrie verstehen, könne man ohnehin mit der Lupe suchen. Doch nicht nur das: In welche Unternehmen soll man überhaupt investieren? Hochwertige und gut vernetzte Hochschulen und sonstige Institute laden zum Forschen ein und fordern geradezu auf, wissenschaftliche Projekte in marktfähige Produkte und Technologien zu überführen. Doch wer traut sich?

Werdet international!
Weniger als ein Dutzend neuer Life Science-Unternehmen verzeichnet der aktuelle „Biotech-Report 2015“ von EY jeweils für die Jahre 2013 und 2014. Und es ist kaum davon auszugehen, dass sich diese Zahl im laufenden Jahr merklich nach oben verändert hat. Längst hat sich rumgesprochen, dass bis zur erfolgreichen Markteinführung – und Marktbehauptung – eine ganze Dekade an Jahren vergehen kann. Mehrere Finanzierungsrunden sind notwendig und keinesfalls selbstverständlich für den unternehmerischen Erfolg. Das Problem ist und bleibt die Folgefinanzierung, während jene Runden der Seed oder Pre-Seed-Phase allein durch staatliche Finanzierungsprogramme noch vergleichsweise einfach zu bewerkstelligen sind. Ein notwendiger Ausweg aus dem Dilemma, so schallte es in den vergangenen zwölf Monaten vielerorts, sei die Internationalisierung. Und zwar die Internationalisierung der Gründer- und Investorenszene gleichermaßen. Wer auch in Zukunft ausschließlich oder zumindest hauptsächlich innerhalb der eigenen Ländergrenzen nach Finanzierungspartnern sucht, wird den Anschluss an die unternehmerische Elite verlieren. „Wir müssen uns und die Gründer fit für den internationalen Markt machen“, äußerte sich erst jüngst ein deutscher Life Science-Investor dem Autor gegenüber. Soll heißen: Ohne internationale Co-Investoren werden aufwendige Folgefinanzierungen künftig nicht mehr zu stemmen sein. Und auch Gründer müssen in der Lage sein, sich vor ausländischen Investoren zu präsentieren oder ihre ganz eigene „Finanzierungs-Road Show“ in den USA oder im europäischen Ausland zu organisieren

 

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