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Telefónica Germany Zentrale in München

Im Eiltempo bringt der spanische Telekom-Riese Telefónica seine deutsche Tochter an die Börse. Mit dem Emissionserlös will der Mutterkonzern aber nur seinen hohen Schuldenberg etwas reduzieren. Da auch eine hohe Dividende fließen soll, könnte O2 beim Wettlauf um das superschnelle LTE-Netz ins Hintertreffen geraten.

Börsengang

Telefónica Deutschland mit der Hauptmarke O2 und der Billigmarke Fonic bietet 225 Mio. Aktien plus Mehrzuteilungsoption von 33,75 Millionen Stück in einer Preisspanne zwischen 5,25 und 6,50 EUR an. Fast 1,7 Mrd. EUR könnten dadurch eingenommen werden. Die Zeichnungsfrist beim größten Börsengang seit fünf Jahren läuft noch bis zum 29. Oktober. Geplant ist eine Notierung im Frankfurter Prime Standard. Die mehr als 225 Millionen O2-Aktien kommen nur aus dem Besitz von Telefónica, eine Kapitalerhöhung ist nicht geplant. Nach dem Börsengang hält der Mutterkonzern noch fast 77% an seiner deutschen Tochtergesellschaft. Ein Rating zu O2 gibt es nicht. Telefonica SA verfügt über ein BBB, das derzeit bereits wackelt.

Investoren werden mit einer hohen Dividende geködert. Schon 2013 soll es für das Geschäftsjahr 2012 eine Zahlung von 500 Mio. EUR geben. In den nächsten Jahren soll die Dividende gar erhöht werden. USB und JP Morgan Chase begleiten den Börsengang als Konsortialführer. BofA Merrill Lynch, BNP Paribas, Citigroup und HSBC beteiligen sich als Joint Bookrunners. Banca IMI, BayernLB, BBVA, Commerzbank, Banco Santander und Société Générale sind als Co-Lead Managers mandatiert.

Angreifer im deutschen Mobilfunkgeschäft

Gemessen an aktivierten Sim-Karten ist O2 mit 18% Marktanteil die Nummer vier hinter dem Führungsduo Deutsche Telekom und Vodafone sowie dem kleineren Mitbewerber E-Plus. Rechnet man nach Umsatz, waren die Münchner 2011 mit 5 Mrd. EUR die Nummer drei. Das Geschäft ist ertragreich, daran gemessen sind jedoch die Nettoergebnisse wegen der hohen Netzkosten schmal. O2 versorgt derzeit 24,5 Mio. Kunden mit Mobilfunk, Telefon- und Internetanschlüssen. „Das Wachstum von Telefónica Deutschland basiert auf unserer Erfolgsstrategie im Geschäft mit mobilen Daten, unserem starken Markenportfolio und der sehr hohen Kundenzufriedenheit“, betont René Schuster, CEO von Telefónica Deutschland. „Wir sind ein Angreifer auf dem deutschen Markt, kein Mitläufer.“

René Schuster, CEO, Telefónica Germany

Eine Fortsetzung in den nächsten Jahren dürfte allerdings schwierig werden. Der Telekom-Sektor ist stark konjunkturabhängig. Zudem sind laut Branchenverband VATM die Erlöse der Mobilfunkanbieter von 2005 bis 2011 um 4 Mrd. EUR auf 24 Mrd. EUR geschrumpft. Der Markt ist also gesättigt, höhere Anteile sind nur durch einen harten Preiswettwerb zu gewinnen. Zugleich müssen die Mobilfunkanbieter dreistellige Millionenbeträge investieren, um auf den schnellen LTE-Standard umzurüsten. Da der Emissionserlös vollständig an die Muttergesellschaft geht, kann O2 die Aufrüstung auf LTE („Long Term Evolution“) nur aus dem operativen Geschäft finanzieren. 2013 und 2014 sollen diese Investitionen nach Angaben von O2 allerdings weniger kosten als der Aufbau des 3G-Netzes im Jahr 2010. Damals hatte der Mobilfunkanbieter 678 Mio. EUR investiert. O2 braucht auch selbst keine Glasfaserkabel zu verlegen, da mit der Deutschen Telekom ein Vertrag zur Nutzung der Glasfaserkabel für LTE geschlossen wurde. Die Umrüstung auf LTE sei eher „ein Software-Ding“, so René Schuster.

Um sich diese hohen Kosten zu teilen, hatten O2 und E-Plus im Frühjahr 2012 über eine Fusion nachgedacht. Ende Juni verwarf jedoch der niederländische E-Plus-Eigner KPN diese Pläne. Jetzt will O2 mit der Konzentration auf mobile Datendienste weitere Marktanteile hinzugewinnen. Bis zum Herbst dieses Jahres machten Smartphones bereits 95% der verkauften Endgeräte aus.

Neben den Hürden im operativen Geschäft fehlt dem O2-Börsengang auch eine überzeugende Story. Denn mit dem Emissionserlös von maximal 1,7 Mrd. EUR will der Mutterkonzern allein seinen hohen Schuldenberg von 58 Mrd. EUR etwas abtragen.

Unterm Strich bleibt wenig übrig

Im Geschäftsjahr 2011 steigerte Telefónica Deutschland seinen Umsatz um 4% auf 5,0 Mrd. EUR. Das Betriebsergebnis vor Abschreibungen (OIBDA) verbesserte sich um 5% auf 1,1 Mrd. EUR. Die Investitionen der Vergangenheit belasteten jedoch die Erträge. Zwar war O2 nach zwei verlustreichen Jahren erstmals wieder profitabel. Vom OIBDA von 1,2 Mrd. Euro blieb nach Steuern aber nur ein Gewinn von 71 Mio. EUR übrig. O2 hat in den vergangenen Jahren einen Verlust von 11 Mrd. EUR angehäuft und braucht deshalb einige Jahre keine Steuern zu bezahlen. Das profitable Wachstum setzte sich im ersten Halbjahr 2012 fort. Der Umsatz stieg um 5% auf 2,6 Mrd. EUR, das operative Ergebnis um 12% auf 597 Mio. EUR Euro. Zum 30. September hatte Telefónica Deutschland eine Nettofinanzverschuldung von rund 1,1 Mrd. Euro. Mittelfristig soll ein Verschuldungsgrad unter 1,0x Nettoverschuldung/OIBDA erreicht werden. „Wir streben auch weiterhin profitables Wachstum und Effizienzsteigerungen an, die zu einem höheren Cashflow führen“, betont Rachel Empey, CFO von Telefónica Deutschland. Für das laufende Geschäftsjahr erwartet O2 ein Jahresergebnis von 120 Mio. EUR. Das ist eine magere Nettomarge von 4%.

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