Die Emission wird von der Dresdner Bank und der West/LB als gemeinsame Konsortialführer begleitet. Außerdem befinden sich noch die BHF-Bank, die Commerzbank und die HypoVereinsbank im Konsortium. Plaziert werden 18 Mio. Aktien aus einer Kapitalerhöhung sowie 13,3 Mio. Aktien aus dem Besitz der Altaktionäre. Der Greenshoe in Höhe von 4,7 Mio. Aktien stammt ebenfalls aus dem Besitz der Altaktionäre. Vor dem Börsengang befand sich Nordex zu 80,5 % im Besitz der Balcke-Dürr-Tochter Borsig Energy GmbH und zu 19,5 % der Nordvest A/S. Beide geben im Zuge des Börsenganges kräftig Aktien ab. Bei vollständiger Greenshoe-Ausübung reduziert sich der Anteil der Altaktionäre auf 25 % bzw. 5,8 %.

Nordex befaßt sich mit der Herstellung und Montage von Windkraftanlagen. Dabei setzt das Unternehmen auf einen relativ hohen vertikalen Integrationsgrad. So werden unter anderem die heiklen Komponenten Getriebe und Rotorblätter selbst produziert. Auch in den Prozeß der Standortfindung und des anschließenden Servicegeschäfts ist Nordex involviert. Das Unternehmen konzentriert sich dabei vor allem auf Anlagen im Leistungsbereich von mehr als einem Megawatt (MW). In diesem Marktsegment verfügt Nordex über einen Weltmarktanteil von 13 %. Im Gesamtmarkt liegt der Anteil bei 9 %. Außerdem ist das Oberhausener Unternehmen derzeit der einzige Anbieter für 2,5 MW-Anlagen. Bis zum Jahr 2003 soll eine Anlage mit einer Leistung von 5 MW entwickelt werden. Diese Hochleistungsanlagen sind vor allem für Gebiete mit hohen Windgeschwindigkeiten interessant.

Der Markt für Windkraftanlagen befindet sich auf einem steilen Wachstumskurs. Derzeit wird mit 25 % Wachstum pro Jahr gerechnet. Nordex will leicht überproportional mit etwa 27 % p.a. (CAGR von 1999/2000 bis 2002/03) wachsen. In Deutschland treten allerdings bereits die ersten Abschwächungserscheinungen zutage. In spätestens drei Jahren dürften die interessanten Standorte für Windkraftanlegen vergeben sein. Nordex hat die Zeichen der Zeit erkannt und strebt vermehrt ins Auslandsgeschäft. Vor allem in Spanien, den USA, Großbritannien, Frankreich und China will Nordex wachsen. Dabei hängt man aber wie die gesamte Branche der Erneuerbaren Energien am Tropf der Politik. Strom aus Windkraft ist am Markt nach wie vor nicht konkurrenzfähig. In Deutschland wird die Windenergie durch das Erneuerbare Energien-Gesetz subventioniert. Auch in anderen Ländern, vor allem in der EU, sind ähnliche Vorgaben in Vorbereitung. In der letzten Woche wies der EUGH eine Klage eines Stromkonzerns gegen das Gesetz ab. Von dieser Seite dürfte der Branche folglich kein Unheil drohen.

Die Rentabilität ist derzeit ein Hauptproblem bei Nordex. Im laufenden Geschäftsjahr soll der Umsatz zwar um knapp 30 % steigen, das EBIT allerdings nur um etwa 5 % zulegen. Damit sinkt die bereits im letzten Jahr nur durchschnittliche EBIT-Marge von 4,8 % auf nur noch 3,9 %. Erst in den Folgejahren soll sich die Marge wieder verbessern. Weiteres Manko: Den bisherigen Großaktionären fließt die Hälfte des Emissionserlöses zu. GoingPublic-Research rechnet mit folgenden Zahlen für die nächsten Jahre:

 

1999/2000

2000/01e

2001/02e

 

Ums. (Mio.)

273

352

461

KUV´01/02e: 1,6*

EPS

0,11

0,12

0,19

KGV´01/02e: 73*

(Quelle: GoingPublic-Research; alle Angaben in Euro; *am oberen Ende der Preisspanne; Gj.-Ende: 30. September)

Obwohl Nordex auf den derzeitigen Umwelt-Trend am Neuen Markt aufzuspringen versucht, ist der Wert doch mit den anderen Umwelt-Aktien des Neuen Marktes nicht zu vergleichen. Sowohl Umweltkontor als auch Energiekontor und Plambeck sind im Bereich Projektierung tätig. Nordex dagegen ist als Spezialanlagenbauer anzusehen. Der Weltmarktführer im Bereich Windkraftanlagen, die dänische Vestas, wird derzeit mit einem ähnlichen KGV bewertet, verfügt aber über eine wesentlich gefestigtere Marktstellung. Obwohl Nordex sicher kein schlechtes Unternehmen ist, erscheint das Pricing deutlich überzogen. Bei jährlichen Wachstumsraten von 25 % – 30 % wäre ein KGV von maximal 30 gerechtfertigt. Selbst unter Berücksichtigung des derzeitigen Trends zu Umweltaktien besteht für den Wert kaum mehr Spielraum nach oben. Von einer Zeichnung sollte daher abgesehen werden.

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