Werbung

Softwarehaus mit klarem Branchenfokus

Die im sächsischen Schöneck beheimatete GK Software konzentriert sich seit nunmehr zehn Jahren auf die Entwicklung und den Vertrieb einer eigenen, auf Java basierenden Softwarelösung für den Handel. Die plattformunabhängige Standardsoftware GK/Retail Suite, die über den Zukauf einzelner Module in ihrer Funktion erweitert werden kann, kommt vorrangig in großen Filialbetrieben zum Einsatz, wo sie als Kassenlösung u.a. die Anbindung der Geschäfte an die Zentrale, die Personalplanung und die Auswertung betriebswirtschaftlicher Kennzahlen unterstützt. Mit diesen Funktionen konnte das Unternehmen bereits namhafte Einzelhändler wie Lidl, Netto, Kaufhof und Douglas von sich überzeugen. Dabei ist es unerheblich, ob die Software bei nur wenigen oder gleich in über Tausend Filialen zum Einsatz kommt. Weitere Einnahmen generiert GK Software mit Wartung und Support (12 % Umsatzanteil 2007) sowie Dienstleistungen (55 %) rund um die eigenen Produkte.

Internationalisierung steht an

Vor dem Hintergrund, dass der Einzelhandel stärker auf Standardlösungen setzt und die früher gängigen Insellösungen zunehmend verschwinden, erwartet der Vorstand vor allem aus der Internationalisierung des Geschäfts neue Wachstumsimpulse. Bislang war GK mit Ausnahme des zuletzt vermeldeten Neukunden Coop Schweiz ausschließlich für deutsche Handelsketten aktiv. Das soll sich ändern. Dabei planen die Sachsen, die Expansion ins Ausland sowohl über strategische Partner wie IBM und Fujitsu als auch über den Aufbau eigener Landesgesellschaften anzugehen. Die Mittel aus dem Börsengang sollen größtenteils hierfür Verwendung finden. Bereits kurzfristig ist der Markteintritt in UK, Spanien und Frankreich geplant. Aber auch hierzulande sieht das Unternehmen weiteres Wachstumspotenzial. Mittels einer kostengünstigeren, in seinen Funktionen abgespeckten Version der GK/Retail Suite will man im Segment der kleinen und mittleren Händler neue Kunden gewinnen.

Geringe Eigenkapitalquote, umkämpfter Markt

Der Börsengang dient jedoch nicht nur der Finanzierung der ehrgeizigen Expansionsziele. Auch die Bilanzqualität soll sich nach dem IPO substanziell verbessern. Das ist angesichts einer Eigenkapitalquote von zuletzt 23,3 % auch nötig, schon allein, um die eigene Verhandlungsposition bei Ausschreibungen zu stärken. Der von GK Software adressierte Markt ist hart umkämpft. Große Namen wie SAP und Microsoft sind dabei, ihr Angebot um spezielle Branchenlösungen für den Handel zu erweitern. Im Inland tritt Wincor Nixdorf zudem immer wieder als Wettbewerber in Erscheinung, obwohl beide Unternehmen bei einzelnen Projekten sogar als Partner zusammenarbeiten. Da mit dem klassischen Hardware-Geschäft nicht viel zu verdienen ist, hat sich das Wincor-Management entschieden, den Software-Bereich auszubauen. Wenngleich man aktuell auf Eigenentwicklungen setzt, lässt sich nicht ausschließen, dass eines Tages auch Zukäufe wieder ein Thema sind. Latente Übernahmefantasie scheint vorhanden.

GK Software – Geschäfts- und Kennzahlen

2006

2007

2008e

2009e

Gesamtleistung*

7,1

10,7

14,5

19,5

Nettoergebnis*

0,9

1,3

2,1

3,7

EpS

0,52

0,75

1,21

2,13

KGV min.**

55,9

38,7

24,0

13,6

KGV max.**

67,5

46,7

28,9

16,4

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quelle: eigene Schätzungen GoingPublic Research
**) auf Basis der Preisspanne

Kein Schnäppchen

Das öffentliche Angebot umfasst bis zu 694.000 Aktien, von denen rund zwei Drittel aus einer Kapitalerhöhung stammen. Als bisheriger Großaktionär mit einem Anteil von 94 % am Grundkapital beabsichtigt die GK Software Holding GmbH – deren Gesellschafter sind die beiden Gründer und heutigen Vorstände Rainer Gläß und Stephan Kronmüller – rund 200.000 Aktien zu platzieren. Unter der Annahme, dass sich der Investitionsstau im Einzelhandel sukzessive auflöst und die beschlossene Vertriebskooperation mit IBM und Fujitsu ab 2009 zu ersten Umsätzen führt, sollte sich das dynamische Wachstum der Vergangenheit auch in den nächsten beiden Jahren fortsetzen lassen. Bei einer leicht steigenden Profitabilität und voller Verwässerung ergibt sich am unteren Ende der Preisspanne ein KGV von 24 (für 2008) respektive 14 (für 2009). Billig ist das nicht, zumal andere Software-Schmieden wie SAF und InVision, die in ihrer Ausrichtung auf den Handel ein einigermaßen vergleichbares Profil aufweisen, zuletzt enttäuschten und dafür deutlich niedriger an der Börse bewertet werden. Zwar sind weitere Margensteigerungen gerade bei einer Ausweitung der lukrativen Lizenzerlöse möglich, allerdings müssen auch gegenteilige Effekte wie die Kosten der Auslandsexpansion berücksichtigt werden.

Fazit

Die Software von GK hat sich am Markt etabliert. Trotz der zumeist weitaus größeren Wettbewerber hat GK zahlreiche namhafte Neukunden gewinnen können. Das zeugt von der technologischen Kompetenz des Unternehmens, das selbst für einen Software-Entwickler bereits überdurchschnittliche Margen erzielt. Als die größten Risikofaktoren lassen sich die starke Konzentration auf den Handel und die Abhängigkeit von wenigen Großkunden identifizieren. Unter Berücksichtung des derzeit noch unvorteilhaften IPO-Klimas (das IT-Haus Devil AG stoppte vor kurzem seine Börsenpläne während der Zeichnungsfrist) sowie der nicht wirklich günstigen Bewertung sehen wir keinen Bedarf für eine Zeichnung.

Marcus Wessel

GK Software AG – Emissionsparameter
WKN

757 142

Erstnotiz

11. Juni

Zeichnungsfrist

3. bis 10. Juni

Bookbuildingspanne

29 bis 35 Euro

MarketCap

 50,3 bis 60,7 Mio. Euro

Marktsegment

Prime Standard

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

415.000 Aktien aus Kapitalerhöhung,

209.000 Aktien von einem Altaktionär,

Greenshoe 70.000 Aktien aus Kapitalerhöhung

Volumen 20,1 bis 24,3 Mio. Euro

Konsortium

ICF Kursmakler (Lead)

Free Float

max. 40 %