Was sich aus Bambus alles herstellen lässt

Bio ist in. Auch in Asien boomt das Geschäft mit biologisch angebauten Lebensmitteln. Das kommt der Asian Bamboo Group als einer der führenden Produzenten von Bambus zugute. Seit zehn Jahren befasst sich die Gesellschaft nun schon mit der Produktion von Bambussprossen und Bambusstämmen. Derzeit betreibt Asian Bamboo den Anbau der besonders schnell wachsenden Sorte „Moso“ auf 13 gepachteten Plantagen mit einer Gesamtfläche von über 14.000 Hektar in der regenreichen Provinz Fujian im Südosten Chinas. Eigenes Land zu kaufen ist in China praktisch unmöglich. Rund die Hälfte der Umsätze erzielt man derzeit noch mit dem Verkauf verarbeiteter Bambussprossen, die nach der Weiterverarbeitung in den eigenen Betrieben nach Japan exportiert werden. Während sich in China der Trend zu Bio noch in einem recht frühren Stadium befindet, konsumieren die gesundheitsbewussten Japaner bereits seit Jahren nur zu gerne die biologisch angebauten Bambuserzeugnisse. Einnahmen erzielt Asian Bamboo zudem aus dem Verkauf frischer Bambussprossen und den Bambusstämmen. Gerade letzteres wird vor dem Hintergrund weiter steigender Holzpreise – die Chinesen verbrauchen mehr Holz, als sie selbst anbauen – immer lukrativer. Abnehmer der Bambusstämme sind vorrangig chinesische Handelsgesellschaften, die den Bambus wiederum an die holzverarbeitende Industrie weiterverkaufen.

Ehrgeizige Wachstumsziele

Asian Bamboo schlägt bei der Erweiterung seiner Anbauflächen ein hohes Tempo an. Erst kürzlich schloss der Vorstand fünf neue, noch unverbindliche Absichtserklärungen über die Nutzung kultivierter Plantagen mit einer Gesamtfläche von rund 10.000 ha ab. Bis zum Jahr 2010 sieht der Investitionsplan die Ausweitung der genutzten Fläche auf rund 30.000 ha vor. Parallel hierzu plant das Unternehmen zusätzliche Kapazitäten in der Vor- und Weiterverarbeitung aufzubauen. So sollen die Mittel aus dem Börsengang u.a. für den Kauf neuer Vorverarbeitungsbetriebe in der Nähe der neuen Anbaugebiete eingesetzt werden. Auch die Errichtung einer Fabrik zur Herstellung von Bodenbelägen aus Bambus will CEO Lin Zuojun vorantreiben. Der Vorstandschef kann dank seiner langjährigen Branchenerfahrung mittlerweile auf ein enges Kontaktnetzwerk zu den Behörden vor Ort zurückgreifen. Zur Erhöhung der Margen beabsichtigt Asian Bamboo, die Bambussprossen in Zukunft direkt an japanische Einzelhändler zu verkaufen und so die zwischengeschalteten Handelsgesellschaften zu umgehen. Entsprechende Vertragsverhandlungen mit großen japanischen Supermarktketten sollen in den nächsten Monaten forciert werden. Gleichzeitig will Zuojun den Anteil des profitableren Geschäfts mit Bambusstämmen ausbauen. Hier lassen sich dank der Holzknappheit höhere Margen als im Geschäft mit Bambussprossen erzielen.

Eckdaten zum Börsengang

Ausgehend von einer Preisspanne von 13,50 bis 17,00 Euro fließen der Gesellschaft zwischen 64 und 81 Mio. Euro zu. Ein Großteil der bis zu 5,6 Mio. angebotenen Aktien stammt aus einer Kapitalerhöhung. Lediglich rund 100.000 Stücke und der Greenshoe werden von mehreren Altgesellschaftern zur Verfügung gestellt. Sollten alle Anteile platziert werden, läge der Streubesitz bei rund 44%. Wie schon das Recyclingunternehmen ZhongDe Waste Technology entschied sich auch Asian Bamboo für eine Notierung im Prime Standard. Offenbar will man die dort geltenden Transparenzvorschriften nutzen, um mögliche Bedenken in Bezug auf das von Deutschland aus nur schwer zu kontrollierende Geschäft zu zerstreuen.

Asian Bamboo – Geschäfts- und Kennzahlen

2006

2007e

2008e

Umsatz*

10,9

14,0

45,0

Nettoergebnis*

3,9

4,8

16,0

Gew. je Aktie

0,31

0,38

1,25

KGV min.**

42

36

10

KGV max.**

57

45

13

*) in Mio., sämtliche Angaben in Euro; Quellen: GoingPublic Research

Zahlen und Bewertung

Ausgehend von den laufenden Kapazitätserweiterungen sowohl im Bereich der Produktion von Bambussprossen als auch von Bambushölzern, der Pachtung neuer, kultivierter Plantagen und einer steigenden Nachfrage nach biologischen Lebensmitteln ist im nächsten Geschäftsjahr mit einem signifikanten Umsatzsprung zu rechnen. Dank geringer Verwaltungsaufwendungen und einer niedrigen Steuerquote erzielt Asian Bamboo außerordentlich hohe Nettomargen von zuletzt fast 40%. Skaleneffekte und ein Ausbau der margenstarken Bereiche wie der Holzproduktion sollten es dem Unternehmen ermöglichen, dieses Niveau auch in den nächsten Jahren trotz zunehmenden Wettbewerbs zu halten. Unsere Schätzungen klammern dabei ganz bewusst mögliche Erträge aus einer Neubewertung der gepachteten Plantagen aus, da es sich hierbei vor allem um einen buchhalterischen Effekt handelt, dessen Höhe sich nur schwer kalkulieren lässt. Im Peer Group-Vergleich mit anderen Holzproduzenten (Sino Forest, Timberwest) und Agrarunternehmen (China Green, PT Astra Agro, Agrana), die im Mittel auf ein 2008er KGV von 16 kommen, weist die Aktie von Asian Bamboo am oberen Ende der Preisspanne einen Bewertungsabschlag von knapp 15% auf. Das ist zwar nicht gerade viel, doch keines der Vergleichsunternehmen kann mittelfristig so starke Wachstumsraten zeigen wie Asian Bamboo.

Fazit

Langfristige Trends wie der zu biologischen Lebensmitteln sowie der anhaltende Rohstoffhunger der Asiaten dürften dem Unternehmen auch in der Zukunft gute Geschäfte bescheren. Allerdings birgt das hohe Expansionstempo einige substanzielle Risiken. So ist man nicht zuletzt abhängig von der rechtzeitigen Pachtung neuer, kultivierter Flächen. Auch sollte das Länderrisiko nicht unterschätzt werden. Staatliche Eingriffe in die Landvergabe sind in China keineswegs eine Seltenheit. Im Übrigen hängt die Holz-Division stark am Tropf des chinesischen Wirtschaftsbooms. Angesichts vorbörslicher Taxen von über 20 Euro und einer bereits gemeldeten deutlichen Überzeichnung des Orderbuches raten wir zur Zeichnung.

Marcus Wessel
Asian Bamboo – Emissionsparameter
WKN

A0M 6M7

Erstnotiz

16. November

Zeichnungsfrist

8. bis 14. November

Bookbuilding

13,50 bis 17 Euro

MarketCap

172 bis 217 Mio. Euro

Marktsegment

Prime Standard

Emissionsprospekt

ja

Emissionsvolumen

4,75 Mio. Aktien aus Kapitalerhöhung,

zzgl. 0,1 Mio. Stück Altaktionäre, Greenshoe 0,73 Mio. Aktien

Emissionsvolumen 75 bis 95 Mio. Euro

Konsortium

Sal. Oppenheim, Bank of China

Free Float

max.44 %

Internet

www.asian-bamboo.de