[01] DIE BESTEN GESCHÄFTSBERICHTE 2005

Zum elften Mal hat manager magazin die Geschäftsberichte der wichtigsten börsennotierten Aktiengesellschaften in Deutschland und Europa untersucht. Rund 200 Reports aus dem DAX, MDAX, SDAX, TecDAX und dem europäischen Börsensegment Stoxx50 wurden geprüft. Der mm-Wettbewerb ist der umfassendste Vergleich in Deutschland und einer der größten weltweit.

Die Geschäftsberichte werden in den Kategorien Inhalt, Finanzkommunikation, Gestaltung, Sprache und Berichtseffizienz bewertet. Das Kriterium Berichtseffizienz wurde nach vielerlei Kritik in 2004 noch einmal überprüft und neu definiert. Der Anteil an der Gesamtbeurteilung wurde von 20 auf 10 % verringert.

Die besten Berichte aus jedem Index wurden Anfang August der mm-Jury vorgelegt. Sie bestand aus Arno Balzer (manager magazin), Klaus Rainer Kirchhoff (Kirchhoff Consult), Christian Strenger (DWS Investment), Elisabeth Weisenhorn (Weisenhorn & Partner) und Xaver Zimmerer (Interfinanz).

Dominierten die DAX-Unternehmen im vergangenen Jahr deutlich, stammen in diesem Wettbewerb nur noch drei der fünf Topreports aus der Gruppe der Großkonzerne. Aber es gelang der BASF, den Vorjahressieger DIS (SDAX) vom Thron zu stoßen. Erneut kam es durch die subjektiven Entscheidungen der letzte Jury-Runde zu Bewegungen unter den Bestplatzierten.

Die besten Geschäftsberichte 2005: 

Rang Unternehmen Ergebnis (max. 100) Urteil
Gesamt
1 BASF 80,33 sehr gut
2 DIS 79,39 sehr gut
3 Eon 75,78 sehr gut
DAX
1 BASF 80,33 sehr gut
2 Eon 75,78 sehr gut
3 ThyssenKrupp 74,95 gut
MDAX
1 Heidelberger Druck 72,12 gut
2 Fresenius 67,60 gut
3 Salzgitter 66,20 gut
SDAX
1 DIS 79,39 sehr gut
2 Gildemeister 73,74 gut
3 GfK 71,03 gut
TecDAX
1 Pfeiffer Vacuum Technology 66,48 gut
2 T-Online International 63,68 gut
3 Jenoptik 62,74 gut
Stoxx50
1 UBS 68,31 gut
2 ABN Amro 67,14 gut
3 Credit Suisse 63,65 gut

Mehr Informationen unter http://www.manager-magazin.de/unternehmen/geschaeftsbericht/

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[02] ALTERNATIVE STANDARD Die Einführung eines neuen Kapitalmarktsegments innerhalb des Freiverkehrs könnte die Zahl der Börsengänge in Deutschland deutlich erhöhen. Das ergab eine Blitzumfrage der auf Finanzkommunikation spezialisierten Beratungsgesellschaft IR.on unter 30 Kapitalmarktexperten. Befragt wurden neben Emissionsberatern, Investmentbankern und Rechtsexperten auch die Anlegerseite mit Vertretern von deutschen und ausländischen Private Equity Gesellschaften sowie institutionelle Investoren.

Im Durchschnitt erwarten die Befragten 23 Neuemissionen innerhalb der ersten zwölf Monate nach dem Start der neuen Plattform. Eine ähnliche Entwicklung wie im Londoner Alternative Investment Market (AIM), wo allein in diesem Jahr bereits mehr als 200 IPOs stattfanden, schließen die Experten für Deutschland jedoch aus.

Die Deutsche Börse prüft nach übereinstimmenden Medienberichten derzeit die Einführung eines weniger regulierten Börsensegments auf Basis des bestehenden Freiverkehrs, um die Hürden für deutsche Mittelständler für den Gang an den Kapitalmarkt zu senken. Als Name wird in Börsenkreisen der Name „Alternative Standard“ genannt, der Prime Standard und General Standard ergänzen soll.

Eine große Mehrheit der befragten Kapitalmarktexperten (87 %) befürworten die Pläne der Börse. Allerdings halten 60 % der Umfrageteilnehmer die bisher kolportierten Transparenzanforderungen für zu niedrig. Besonders die Regeln zur Ad hoc-Publizität, die erst kürzlich verschärft worden sind, werten die Hälfte der Befragten als unerlässlich. Nach den bisher bekannt gewordenen Plänen sehen die Regeln des neuen Segments nur die Veröffentlichung „wesentlicher Nachrichten“ auf der Webseite des Unternehmens vor. Immerhin noch 47 % fordern, entgegen den bisher vorgesehenen Regeln, einen vollwertigen Halbjahresbericht. Dabei sitzt das Misstrauen aufgrund der negativen Erfahrungen am Neuen Markt tief. 90 % der Kapitalmarktexperten fürchten im Falle zu geringer Anforderungen erneut besondere Gefahren wie Missbrauch und Kursmanipulationen durch Marktteilnehmer.

Einig sind sich die Kapitalmarktexperten darüber, dass das neue Segment keine spekulative Spielwiese für die breite Masse der Privatanleger darstellt. Zielgruppe seien insbesondere spezialisierte Small- und Midcap Fonds sowie gut informierte, aktienaffine Privatanleger. Die großen deutschen und ausländischen Fondsgesellschaften werden, so die Mehrzahl der Experten, dagegen zurückhaltend agieren, da Investments im Freiverkehr vielfach nicht mit den Fondsrichtlinien vereinbar sind.

Die Börsen-Zeitung berichtete Mitte September allerdings, dass sich der Start des Alternative Standard auf mindestens Anfang 2006 verschieben könnte. Die BaFin soll bisher nicht mit dem Konzept zufrieden sein, das die Deutsche Börse ihr für einen Start des Alternative Standard im Oktober 2005 vorgelegt hatte.

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