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Mit ihren laserbasierten Systemen und Anlagen für unterschiedliche Anwendungen – von der Leiterplattenbearbeitung bis zur Strukturierung von Kunststoffbauteilen – nimmt die im niedersächsischen Garbsen beheimatete LPKF Laser weltweit eine Spitzenposition ein. Nachdem das Unternehmen in den vergangenen Jahren rasant gewachsen ist, erwartet der Vorstand für 2014 eine vorübergehende Wachstumsverlangsamung. Wir sprachen mit CEO Dr. Ingo Bretthauer über sein Jahresfazit, das weitere Wachstumspotenzial und die rasante Kursentwicklung der Aktie.

GoingPublic: Herr Dr. Bretthauer, lassen Sie uns das Interview doch mit etwas beginnen, was für gewöhnlich erst am Ende steht: dem Fazit. Welches ziehen Sie für das letzte Jahr?
Bretthauer: Es war ganz einfach ein tolles Jahr! Vor allem hat uns der Erfolg unserer LDS-Technologie erneut positiv überrascht. Nachdem wir im Vorjahr vor allem von einem Großauftrag im Solarbereich profitierten, sah unsere erste Planung eigentlich ein deutlich langsameres Wachstum vor. Dass die Geschäfte letztlich wieder einmal besser gelaufen sind, liegt an der großen Nachfrage nach unserer LDS-Lösung. Dagegen blieb es in der Solarsparte bei dem zu Jahresbeginn erwarteten Geschäftsverlauf.

GoingPublic: Was waren für LPKF die größten Herausforderungen in dieser Zeit?
Bretthauer: Das starke Wachstum der letzten Jahre erforderte eine Anpassung der Organisation. So hat sich beispielsweise unsere Mitarbeiterzahl über die letzten fünf Jahre nahezu verdoppelt. In unserem Fall beschäftigen wir uns schon seit knapp zwei Jahren intensiv damit, die internen Strukturen, Abläufe und Prozesse auf das erwatete Wachstum und eine größere Umsatzbasis vorzubereiten. Erfreulich ist, dass wir bereits jetzt erste greifbare Ergebnisse sehen, wie zum Beispiel die flexible Aufteilung der Produktionskapazitäten. Diese Frage trifft im Übrigen früher oder später alle Wachstumsunternehmen.

GoingPublic: Für das nächste Jahr sagen Sie jedoch ein etwas verhaltenes Wachstum voraus. Ist das die lange erwartete Phase des Luftholens?
Bretthauer: Wir erwarten auch für 2014 ein solides Wachstum auf ein Umsatzniveau von bis zu 140 Mio. EUR. Allerdings lässt sich ein Boom, wie wir ihn zuletzt im LDS-Bereich gesehen haben, nicht einfach fortschreiben. Großaufträge beziehen wir generell nicht in unsere Planung ein, auch wenn sie theoretisch in verschiedenen Produktbereichen möglich sind. Hinzu kommt das Auslaufen eines großen Solarauftrags, der den Umsatz 2012 und 2013 beeinflusst hat. Ab dem Jahr 2015 wollen wir dann wieder um durchschnittlich rund 10% pro Jahr wachsen.

GoingPublic: Welchen Nutzen bieten Ihre Lasersysteme für den Kunden? Wer kauft und nutzt Ihre Anlagen?
Bretthauer: Unsere primären Kunden sind zumeist Hersteller von elektronischen Komponenten wie zum Beispiel Leiterplatten oder Antennen in Smartphones. Diese beliefern wiederum die großen Handyhersteller. Wir schätzen, dass in mehr als jedem zweiten Smartphone weltweit Bauteile stecken, die auf unseren Maschinen hergestellt worden sind. Unsere Kunden stehen vor der Herausforderung, dass sie komplexe elektronische Bauteile extrem schnell und in höchster Präzision für immer kleiner werdende elektronische Geräte herstellen müssen. Dabei geraten sie mit den herkömmlichen Produktionsmethoden immer öfter an physikalische Grenzen. Durch den Einsatz unserer Lasertechnologie, die man sich als ein feineres Werkzeug oder ein Miniatur-Skalpell vorstellen kann, ist es plötzlich möglich, schneller und materialschonender zu produzieren. Mit dem LDS-Verfahren lassen sich schließlich selbst kleinste Strukturen sehr genau bearbeiten.

GoingPublic: Können Sie auch einem Laien die Vorteile der Laser-Direkt-Strukturierung erklären?
Bretthauer: Mit der LDS-Technologie lassen sich Leiterbahnstrukturen, die normalerweise auf einer Leiterplatte abgebildet werden, direkt auf ein vorhandenes dreidimensionales Kunststoffteil aufbringen. Ganz konkret: Bei der Herstellung von Antennen, die heute mit unserem patentierten LDS-Verfahren als Struktur auf ein bereits vorhandenes Kunststoffteil im Smartphone aufgebracht werden, sorgt diese Technologie für eine deutliche Platz- und Materialersparnis. Wir arbeiten zurzeit mit Hochdruck an einer Ausweitung auf andere Bereiche wie den LED-Markt.

GoingPublic: Welches Potenzial sehen Sie auf dem LED-Markt für LDS?
Bretthauer: LDS kann die Herstellung von LEDs deutlich vereinfachen. Die Vorteile liegen unter anderem in einer größeren Designfreiheit bei der Gestaltung der LED-Leuchten. Mit LDS kann man diese auf einem dreidimensionalen Körper anordnen und dadurch eine ungerichtete Lichtquelle erzeugen, deren Lichtstreuung der einer Glühbirne entspricht. Gerade diese neuen Designmöglichkeiten scheinen bei den Herstellern auf großes Interesse zu stoßen. Über das Marktpotenzial kann indes zum heutigen Zeitpunkt nur spekuliert werden. Anders als der recht genau prognostizierbare Smartphone-Markt befindet sich das LED-Geschäft noch in einer sehr frühen Entwicklungsphase.

GoingPublic: Stehen Ihre Expansionspläne in Asien damit im Zusammenhang?
Bretthauer: Wir sehen, dass das Thema LED auch in Asien, wo wir zwei Drittel unserer Umsätze erzielen, an Bedeutung gewinnt. Aber das ist nicht der Hauptgrund für unsere dortige Expansion. Asien bleibt vielmehr auf absehbare Zeit der Produktionsstandort für den weltweiten Elektronikmarkt. In Ländern wie China, Korea und Japan wird bereits heute ein Großteil unserer Maschinen in der Massenproduktion von elektronischen Bauteilen eingesetzt. Da ist es für uns selbstverständlich, dass wir mit unseren Vertriebs- und Serviceleuten vor Ort sein müssen. Während wir in China bereits sieben Standorte unterhalten, planen wir jetzt eine Tochtergesellschaft in Südkorea. Wir haben in den letzten drei Jahren über 100 Lasermaschinen nach Südkorea ausgeliefert. Ab dem kommenden Jahr werden wir unsere Kunden endlich auch direkt vor Ort betreuen können.

GoingPublic: Welche Perspektive bietet Ihr Solargeschäft?
Bretthauer: Mit Hilfe des Großauftrags für eine neue Maschinengeneration haben wir die Krise am Solarmarkt in den letzten zwei Jahren sehr elegant umschifft. Ich bin der festen Überzeugung, dass diese Krise allein dem Preiskampf unter den Solarzellenherstellern geschuldet ist. Die Nutzung der Solarenergie bleibt weiterhin eine sehr sinnvolle und zukunftsträchtige Idee. Deshalb wird sich der Solarmarkt erholen. Die große Frage ist allein, wann diese Erholung eintritt. Wir sehen zumindest erste Signale für eine Wende zum Besseren ab Mitte 2014. Für das nun zu Ende gehende Jahr werden die Erlöse in der Solarsparte unter dem Vorjahreswert hereinkommen, was mit dem planmäßigen Auslaufen des Großauftrags zusammenhängt. Dabei werden wir aber weiterhin schwarze Zahlen schreiben.

LPKF ChartGoingPublic: Seit der Aufnahme in den TecDAX-30 Ende 2012 scheint die LPKF-Aktie eine Neubewertung zu durchlaufen. Täuscht dieser Eindruck?
Bretthauer: Natürlich freue ich mich über die außerordentlich gute Kursentwicklung der LPKF-Aktie, die ich so nicht erwartet habe. Seit der Aufnahme in den TecDAX hat sich das Anlegerinteresse nochmals spürbar erhöht. Das merken wir schon an der gestiegenen Zahl der Anfragen, die uns erreichen. Es scheint, als wären wir durch die Indexaufnahme plötzlich sichtbar geworden. Vorher waren wir eher ein Geheimtipp. Auch auf Roadshows wie zuletzt in den USA wird uns deutlich mehr Aufmerksamkeit geschenkt. Dabei stellen wir fest, dass gerade die angelsächsischen Investoren sehr genau über unser Geschäft Bescheid wissen. Die höhere Bewertung ist letztlich nur Ausdruck dieser für uns erfreulichen Entwicklung.

GoingPublic: In der Weihnachtszeit darf man bekanntlich Wünsche formulieren. Wie sehen Ihre mit Blick auf 2014 aus?
Bretthauer: Ich würde mich freuen, wenn auch in diesem Jahr wieder viele kleine, kompakte elektronische Geräte unter den Weihnachtsbäumen liegen. Darüber hinaus wünsche ich mir, dass sich der Solarmarkt erholt und sich dort neue Chancen für uns und andere Teilnehmer ergeben.

GoingPublic: Herr Dr. Bretthauer, wir bedanken uns für das Interview und wünschen Ihnen auch im nächsten Jahr viel Erfolg!

 

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