Werbung

Inhaltsverzeichnis

2009 herbe Einbußen zu verkraften
Franke ist ein weltweit führender Anbieter von Systemen für die Haushaltsküche und für professionelle Anwendungen in der Systemgastronomie. Zum Beispiel zählt die Fast-Food-Kette McDonald’s zu den Kunden der Schweizer, wenn es darum geht, Burger zu braten oder Getränke auszuschenken. Der Familienbetrieb, der zu 100 % Michael Pieper gehört, ist mit 70 eigenen Gesellschaften in 37 Ländern direkt präsent. Der Umsatz belief sich 2009 auf 2,42 Mrd. CHF. Dies bedeutet einen Rückgang gegenüber 2008 von 17,7 %, wobei 3,5 % auf Währungseinflüsse durch den starken Franken zurückzuführen sind. Auf die Umsatzeinbrüche, die Franke vor allem in der EU hinnehmen musste, wurde eher untypisch für ein Familienunternehmen reagiert: 1.420 von zuvor knapp 12.000 Mitarbeitern verloren ihren Job, Werke wurden geschlossen. Da auch die Investitionen halbiert wurden und bereits 2008 ein umfassendes Kostensenkungsprogramm aufgelegt worden war, blieb Franke dennoch in den schwarzen Zahlen. Die EBITDA-Quote lag 2008 bei 12 % des Umsatzes, sie dürfte gesunken, aber deutlich im schwarzen Bereich geblieben sein. Auf alle Fälle stieg die Eigenkapitalquote, natürlich auch durch die verminderte Bilanzsumme, auf exakt 50 %.

Die mit Abstand größte Division bei Franke bilden die Kitchen Systems, die für mehr als 60 % des Umsatzes stehen. Gut 20 % steuern Foodservice-Systeme bei, die Dienstleistungen insbesondere für die Systemgastronomie erbringen. Die Bereiche Washroom, Beverage sowie Coffee stehen zusammen für 15 % der Einnahmen. Geografisch ist die EU das Hauptabsatzgebiet für Franke (45 %), Nordamerika (22 %) und der Nahe Osten (18 %) folgen. In der Schweiz selbst generiert Franke nur noch 4 % des Umsatzes.

 

Klassische Familien-Story
Die Franke-Geschichte startete 1911 im kleinen Ort Rohrschach am Bodensee in der Schweiz. Hermann Franke gründet eine Spenglerei, die einen eher holprigen Start überstehen muss: Materialknappheit durch den 1. Weltkrieg und die folgende Krise lassen kein Wachstum zu. Das stellt sich erst Ende der 20er Jahre ein, als eine Sanitärabteilung angegliedert wird. 1931 bringt Franke einen ersten Spültisch auf den Markt, 1937 wird die Serienproduktion eines komplett geschweißten, fugenlosen Spültischs aufgenommen. Diese Erfindung bedeutet den Durchbruch. Und sie trägt noch immer, denn die Grundidee hat sich nicht verändert: Nach wie vor bietet Franke statt eines Bottichs für den Abwasch eine Spüllösung. Die wurde im Laufe der Jahrzehnte immer weiter verfeinert und ergänzt, zum Beispiel um die Bereiche Hygiene, Zubereitung und Getränkeabgabe, und das alles mit allen Raffinessen, von Filtriergeräten bis hin zu allerlei Peripherie-Gegenständen. Wenn man so will, um einen anderen geflügelten Werbespruch zu nennen: Auch Franke wusste immer, was Frauen wünschen.

Frühe Internationalisierung
Sofort nach dem 2. Weltkrieg nahm Walter Franke, der den Betrieb des verstorbenen Vaters übernommen hatte, den Export auf. Das Portfolio wurde von Spülen auf ganze Küchen ausgeweitet. Der weitere Aufbau verlief rasant. Waschraum und Sanitärsysteme kamen ins Programm, und 1972 baute Franke die erste Küche für McDonald’s, und zwar in München. Die Mitarbeiterzahl überstieg die Marke von 2.500. 1975 wechselte der Eigentümer: Walter Franke verkaufte an den Freund und Geschäftspartner Willi Pieper. Dessen Sohn Michael führt das Unternehmen heute.

 

Wachstum aus dem Cashflow
Franke ist ein klassisches Beispiel dafür, dass mit Fokussierung auf die Kernkompetenzen und behutsamem Wachstum durchaus global wahrnehmbare Unternehmen entstehen können. „Ich will bei einer Akquisition nie eine Bank fragen müssen; die haben keine Fantasie und keine Ahnung von der Vision eines Unternehmers“, sagte einmal Michael Pieper im Interview mit Bianca Braun. Durch den weitgehenden Verzicht auf die Ausschüttung von Dividenden hat sich bei Franke genügend Kapital angesammelt, um unabhängig von Banken Entscheidungen treffen zu können. Sehr selbstbewusst führte er weiter aus, so die Möglichkeit zu haben, schnell handeln zu können. Er müsse „niemandem außerhalb der Firma Rechenschaft ablegen. Darüber hinaus kann ich weitaus langfristiger planen als ein Top-Manager, der seinen Blick auf den Aktienkurs des Unternehmens werfen muss“.

 

Neustrukturierung der Franke Gruppe
Organisatorisch wurde die neue Konzernstruktur Franke Artemis Holding AG zu Beginn des Jahres in Kraft gesetzt. Somit wurden die Franke Gruppe mit den Franke-Teilkonzernen Franke Kitchen Systems Group und Franke Commercial Systems Group, die Franke Real Estate Group und die diversen Artemis-Industriebeteiligungen unter einem Dach zusammengefasst. Die Mitarbeiter der Holding werden über ein ausgeklügeltes Bonisystem am Unternehmenserfolg beteiligt. Und obwohl Pieper als Alleineigentümer das uneingeschränkte Sagen besitzt, gibt es einen unabhängigen Verwaltungsrat, mit dem Pieper Entscheidungen abstimmt.

Fazit

Franke hat in den vergangenen beiden Geschäftsjahren Umsatz- und Ergebniseinbrüche hinnehmen müssen, dennoch trägt das Geschäftsmodell, da durch die hohe Spezialisierung und das ineinandergreifende Angebot die Margen so hoch sind, dass trotz insgesamt mehr als 20% Umsatzrückgang weiterhin ein positives Ergebnis zu Buche steht.

Stefan Preuß

Kurzprofil Franke Artemis Holding AG

Gründungsjahr: 1911
Branche: Küchensysteme und Food- + Beverage-Services
Unternehmenssitz: Aarburg (CH)
Mitarbeiter 2009: 10.500
Konzernumsatz 2009 (Mrd. CHF): 2,415
EBITDA: 12% vom Umsatz 2008 (Zahlen 2009 noch nicht kommuniziert)
Gewinn: k.A.

 

Ursprünglich erschienen in der GoingPublic Ausgabe 6/2010.

 

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.