Über Jahrzehnte hat sich eine mittlerweile etablierte „Private-Equity-Industrie“ herausgebildet, deren Kernkompetenz es ist, Beteiligungen in Unternehmen mit einem besseren Chancen-Risiko-Profil als der öffentliche Kapitalmarkt einzugehen. Auch Privatanleger können zunehmend davon profitieren. Von Prof. Dr. Wolfgang Blättchen

Die Überrendite kann daraus stammen, dass beispielsweise ein einzigartiges Geschäftsmodell entdeckt wird (Wagniskapital- oder Frühphaseninvestments), Synergien durch Buy-and-Build-Strategien gehoben werden oder Effizienzsteigerungsmaßnahmen zu Ergebnisverbesserungen führen. Durch ausgeklügeltes „Financial Engineering“, das eine optimale Mischung aus Fremd- und Eigenkapitaleinsatz findet, kann der Werthebel weiter

Prof. Dr. Wolfgang Blättchen
Prof. Dr. Wolfgang Blättchen

erhöht werden. Zu den Top-Adressen unter den Fondsauflegern zählen Häuser wie KKR, Carlyle, CVC oder Blackstone. Im Venture-Capital-Bereich finden sich Namen wie Kleiner Perkins, Intel, Accel oder Sequoia mit Frühphaseninvestments in spätere „Leuchtturmunternehmen“ wie Google, Amazon, Facebook oder Apple. Tatsächlich weisen Private-Equity-Investments über einen längeren Zeitraum signifikante Überrenditen gegenüber dem öffentlichen Kapitalmarkt auf. Laut Cambridge Associates konnten PE-Investments in einem Zeitraum von 20 Jahren eine Überrendite von rund 4% p.a. erzielen. Noch deutlicher fällt diese Überrendite bei VC-Fonds aus, die gegenüber dem Nasdaq Composite um 14% p.a. besser abschneiden[1]. Der Zugang zu diesen Investments ist vor allem institutionellen Investoren wie Pensionskassen, Versicherungen oder Versorgungswerken vorbehalten, deren einzelne Fondseinlage in der Regel einen zweistelligen Millionenbetrag umfasst. Privatanlegern ist der Zugang aufgrund eines hohen „Eintrittsgeldes“ eigentlich versperrt – jedoch gibt es auch für jene mit kleinerem Geldbeutel zunehmend Möglichkeiten.

Der einfachste Weg ist die Aktienbeteiligung an einem der Private-Equity-Unternehmen oder einem seiner Fonds, sofern diese börsennotiert sind. So stehen dem Privatanleger z.B. bei der Schweizer BB Biotech beide Optionen offen, sofern er mit der Life-Science-Branche liebäugelt. Eine andere Form des Venture-Investments bietet die German Startups Group, die als börsennotierte VC-Gesellschaft kleinere Anteile an Start-up-Unternehmen von anderen Investoren erwirbt. Neben dem Aktieninvestment in das Berliner VC-Unternehmen kann der Anleger auch selbst über eine neu gegründete Sekundärmarktplattform der German Startup Group Anteile an Techunternehmen von verkaufswilligen Mitarbeitern oder Investoren erwerben. Jedoch liegt der Mindestanlagebetrag bei 200.000 EUR. Seit über zehn Jahren bietet die Münchner Beteiligungsgesellschaft MIG AG Privatanlegern Venture-Fonds an, die in der Frühphase in aussichtsreiche Technologieunternehmen investieren. Die Mindesteinlage für den jüngst aufgelegten Fonds 14 beträgt anlegerfreundliche 20.000 EUR. Einen anderen Investmentansatz bietet das neu gegründete Berliner Fintech Moonfare an: Hier können Privatinvestoren mit einem Mindestbetrag von 200.000 EUR in große Private-Equity-Fonds wie EQT investieren. Dabei bündelt Moonfare die gesammelten Einlagen zu Investitionstickets von bis zu zweistelligen Millionen-Euro-Beträgen und tritt damit gegenüber den „Megafonds“ als bedeutender institutioneller Investor auf. Um eine genügend große Anzahl von Privatanlegern zu erreichen, bedient sich das Fintech des Internets. Zudem erfolgt die komplette Verwaltung der Vermögensanlage (Zeichnung, Reporting etc.) online. Solche virtuellen Plattformen sind in Deutschland noch ein Novum. In den USA sind diese Geschäftsmodelle bereits etabliert und sehr erfolgreich. So verwalten beispielsweise die beiden Anbieter iCapital Network und Artivest zusammen über 10 Mrd. USD Anlagevolumen von Privatanlegern.

Die Beispiele zeigen, dass sich eine bisher für Privatanleger nahezu verschlossene Assetklasse langsam öffnet. Ein wesentlicher Katalysator bildet das Internet bzw. die Prozessdigitalisierung, die trotz gestiegener Anforderungen an den Anlegerschutz einen effizienten Marktzugang ermöglicht. Für kapitalsuchende Unternehmen ist diese Entwicklung ebenfalls von Bedeutung, da ein neuer Anlegertyp in den Wettbewerb zu bestehenden Kapitalgebern tritt.

[1] Quelle: Cambridge Associates US Private Equity Index / US Venture Capital Index and Selected Benchmark Statistics März 2018

Die Kolumne erschien zuerst in der Dezember-Ausgabe des GoingPublic Magazins.

Über den Autor

Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.