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Die jüngsten Äußerungen von Vertretern des Bundesfinanzministeriums zeigen einmal mehr, wie stark das Facebook-Projekt Libra polarisiert: Während Regierungen und Notenbanken die Facebook-Kryptowährung als potenzielle Gefahr für die geldpolitische Souveränität verstehen, werden von Befürwortern die Potenziale für Entwicklungsländer und die Vorteile finanzieller Inklusion vorgebracht. Von Frank Wagner

Die eigentlich erwähnenswerte Entwicklung ist jedoch, wie Libra die Debatte über Blockchain weltweit befeuert. Die Potenziale stecken nämlich in der Technologie und nicht in einer einzelnen Anwendung.

Seit Facebook angekündigt hat, in der ersten Jahreshälfte 2020 eine digitale Währung einführen zu wollen, hat sich die Intensität, mit der weltweit über Kryptowährungen und andere Anwendungen von Blockchain gesprochen wird, drastisch gesteigert. Die aktuellen Debatten in China und Indien sind dafür zwei Beispiele. Die chinesische Zentralbank hat angekündigt, noch vor dem Start von Libra eine eigene Kryptowährung zu starten, in Indien hat ein Ministerien-übergreifender Ausschuss gar empfohlen, sämtliche private Kryptowährungen zu verbieten. Für die Pläne von Facebook sind dies bedrohliche Entwicklungen. In erster Linie steckt hinter Libra nämlich ein wirtschaftliches Interesse. Internationale Überweisungen sollen günstiger durchgeführt und somit zukünftig über WhatsApp und Co. abgewickelt werden.

Zentrale Zielgruppe sind daher Menschen, die in anderen Ländern ihr Geld verdienen und größere Summen an Freunde und Familie im Heimatland überweisen – eine Funktion, die aufgrund der hohen Nutzungszahlen von Facebook und WhatsApp in Indien für im Ausland lebende Inder besonders relevant sein wird. Das Land könnten somit die Rolle des Gatekeepers für das Libra-Projekt einnehmen. Und obwohl WhatsApp in China blockiert ist und die Mehrheit der Chinesen den Konkurrenz-Messenger WeChat nutzen, sorgt sich die chinesische Zentralbank trotzdem, dass mit Libra eine dollargestützte, digitale Leitwährung entsteht. Sie will dieser Entwicklung daher mit einem eigenen Angebot entgegenwirken.

Alte Denkmuster aufbrechen

Betrachtet man die Blockchain-Technologie und ihre Anwendungen wie beispielsweise Kryptowährungen aber losgelöst von einzelnen Projekten und stattdessen in den größeren Maßstäben, die den immensen Potenzialen der Technologie gerecht werden, kann die Entwicklung nur begrüßt werden. Länder rund um den Globus beschäftigen sich mit Blockchain und scheinen zu verstehen, welche disruptiven Potenziale sich darin verbergen. Veraltete Strukturen und Denkmuster brechen auf und die andere Perspektive auf die Debatte in Indien ist eben auch, dass gleicher Ausschuss, der Kryptowährungen verbieten will, ebenfalls die Potenziale der Blockchain hervorhebt – Begriffe wie die ‚digitale Rupie‘ stehen im Raum.

Europa täte gut daran, sich eine solche Betrachtungsweise anzueignen und aktiver bei dieser Zukunftstechnologie mitzugestalten, anstatt sich nur auf regulatorische Hindernisse für Projekte wie Libra zu versteifen. Die Frage darf nicht sein, ob man Kryptowährungen verhindern kann, sondern wie Regierungen und Notenbanken auf Basis der Technologie staatliche Angebote schaffen können.

 

 

Über den Autor

Frank Wagner

Frank Wagner ist CEO und Mitbegründer des Investment Managers INVAO, das sich auf Blockchain-Assets spezialisiert hat.