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Die Deutsche Börse plant bereits seit November eine vorbörsliche Plattform für Start-ups und Investoren. Was halten Sie von solchen Entwicklungen?

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG
Es ist zu begrüßen, dass die Deutsche Börse für Unternehmen, die an die Börse streben, und deren potenziellen Anlegern ein Instrument schafft, das beide Seiten schon vorab zusammenbringt. Dies schafft Vertrauen, da man sich mit der Materie auseinandersetzen kann. Wichtig ist es, den Aufmerksamkeitsgrad für diese Plattform zu steigern. Jedoch kommt auch hier dem Staat wieder eine entscheidende Bedeutung zu. Macht er deutschen Anlegern das Aktiensparen mit Anreizen schmackhaft, wird sich auch der deutsche Anleger im Zeitablauf immer mehr mit der Anlageklasse Aktien beschäftigen. So kann auch der Staat dafür sorgen, dass auf dieser Plattform „Traffic“ stattfindet.

Roger Peeters, Head of Research Oddo Seydler Bank AG
Man sollte abwarten, wie die Plattform genau aussehen wird. Wirtschaft und Finanzmarkt können eine solche Plattform aber definitiv gebrauchen.

Pierre Drach, geschäftsführender Gesellschafter von Independent Research: "Gute Start-ups werden immer eine Plattform für ihre Vermarktung finden."
Pierre Drach, geschäftsführender Gesellschafter von Independent Research: „Gute Start-ups werden immer eine Plattform für ihre Vermarktung finden.“

Pierre Drach, geschäftsführender Gesellschafter, Independent Research GmbH
Prinzipiell finde ich das positiv. Allerdings gibt es schon einige privatrechtliche Alternativen. Gute Start-ups werden immer eine Plattform für ihre Vermarktung finden und zudem muss man auch beachten, dass Start-up-Investments quasi der „Heilige Gral“ für eine Investmententscheidung sind. Man sollte dem normalen Anleger nicht vorgaukeln, dass dies vergleichbar zu einem Investment an der Börse sei – das Risiko ist viel schwerer einzuschätzen und die Bewertungsfindung eine Kunst für sich.

Aufgrund des Frosta-Urteils ist die Anzahl der Unternehmen, die von der Börse verschwunden sind, drastisch gestiegen. Wird sich dieser Delisting-Trend auch künftig fortsetzen?

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG
Mit einem Börsenrückzug wollen vor allem kleinere Aktienunternehmen eine feindliche Firmenübernahme verhindern, indem der Übernehmer die Aktienmehrheit kauft. Dass diese Möglichkeit überhaupt existiert, liegt an der geringen Marktkapitalisierung, die wiederum Folge zu geringer Aktienquoten deutscher Anleger ist. Ist das Aktienvolumen deutlich größer, beißt sich so mancher Investor bei der Übernahme die Zähne aus. Solange sich also die deutsche Aktienkultur in Deutschland im Vergleich zu andern Ländern noch auf „Neandertal-Niveau“ befindet, könnte sich der Delisting-Trend fortsetzen.

Roger Peeters, Head of Research Oddo Seydler Bank AG
Ich denke, wir haben hier bereits den Zenit gesehen. Es wäre allerdings zum Wohle des Finanzplatzes, wenn es den Unternehmen nicht so einfach gemacht würde von rechtlicher Seite.
Pierre Drach, geschäftsführender Gesellschafter, Independent Research GmbH
In vielen Fällen ist ein Delisting ein sinnvoller Weg, um innerhalb einer Gesellschaft Kosten zu sparen, Entscheidungen einfacher zu treffen und die Interessen von Großaktionären umzusetzen. Ich erwarte daher eine Fortsetzung des Trends.

Der Beitrag erschien zuerst im „Corporate Finance & Private Equity Guide 2015“ – das E-Paper dazu finden Sie hier.

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Die GoingPublic Redaktion informiert über alle Börsengänge, Being Public, Investor Relations, Tax & Legal, Themen und Trends rund um die Hauptversammlung sowie Technologie – Finanzierung – Investment in den Lebenswissenschaften.

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