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Am IPO-Markt tut sich wieder etwas! Bereits zwei Börsengänge konnten in diesem Jahr verzeichnet werden und weitere spannende Neuemissionen werden erwartet – nicht nur dem Niedrigzinsumfeld sei Dank. Für das laufende Jahr rechnen die meisten unserer befragten Kapitalmarkexperten mit einer spürbaren Belebung auch des heimischen Kapitalmarkts. Dringenden Handlungsbedarf sieht ein Großteil der Befragten jedoch bei den Privatanlegern – so zeigen einmal mehr jüngste Studien, dass ein Großteil der deutschen Bevölkerung vor Aktieninvestments zurückscheut und lieber auf konservative Anlagen setzt. Etwa zu Recht?

Die Saison der Börsengänge hat bereits begonnen – mit Tele Columbus und Ferratum konnten hierzulande bereits zwei erfolgreiche IPOs verzeichnet werden. Wie schätzen Sie die Lage weiterer Börsengänge für das Gesamtjahr 2015 ein?

Robert Halver von der Baader Bank erwartet für das laufende Jahr weitere spannende Börsengänge
Robert Halver von der Baader Bank erwartet für das laufende Jahr weitere spannende Börsengänge.

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG
Wenn die Aktienstimmung auch nur annähernd so gut bleibt wie aktuell, erwarte ich weitere Börsengänge in diesem Jahr. Für Unternehmen, die eine Börsennotierung anstreben, ist die Großwetterlage von entscheidender Bedeutung. Bei allgemein schwacher Börsenverfassung kann selbst das aussichtsreichste Unternehmen keinen vernünftigen Emissionspreis erzielen. Und welches Management will schon seine fundamental gut aufgestellte Firma als billigen Jakob an die Börse bringen? Man stelle sich nur vor, dass die Aktie durch Kollateralschäden einer Krise mit nach unten gezogen wird. Wenn Anleger sich daran erinnern, dass das IPO ein Flop gewesen ist, kann der Reputationsverlust für das Unternehmen viele Jahre anhalten.

Roger Peeters, Head of Research, Oddo Seydler Bank AG

In diesem ausgesprochen positiven Marktumfeld wird sich das Klima auch für Börsengänge weiter verbessern. Wir werden 2015 eine spürbar erhöhte Anzahl von IPOs sehen.

Pierre Drach, geschäftsführender Gesellschafter, Independent Research GmbH
Das aktuelle Kapitalmarktumfeld spricht natürlich für IPOs. Allerdings haben wir das prinzipielle Problem bei hoch bewerteten Märkten, dass die Erwartungen der Altaktionäre und der Investoren recht weit auseinander liegen. Nur wenn das Management der IPO-Kandidaten und Altaktionäre keine überzogenen Bewertungserwartungen haben, können derzeit erfolgreiche IPOs stattfinden. Daher erwarte ich auch eher größere Transaktionen mit Unternehmen, die Indexpotenzial haben als bei Small Caps.

Erst jüngst sorgte die Debatte um die Aktienkultur in Deutschland für Schlagzeilen. Wie könnten Aktieninvestments speziell für Privatanleger wieder attraktiver werden?

Robert Halver, Leiter Kapitalmarktanalyse, Baader Bank AG
Leider ist es so, dass der deutsche Durchschnittshaushalt mehr Geld für Bananen als für Aktien ausgibt. Dies ist verwunderlich, da Unternehmen aus dem DAX oder MDAX vielfach die Basis für unsere stabile Wirtschaft sind. Lieber investieren die deutschen Anleger in attraktivloses Zinsvermögen. Hier ist der Staat gefragt, der seine hartnäckige Haltung gegen die Aktie endlich aufgeben muss. Denn wenn 80% der Deutschen ihr Finanzvermögen in Zinspapieren anlegen, die nach Inflation nichts mehr übrig lassen, tickt hier in punkto Altersvorsorge eine Zeitbombe, die zu Verarmungstendenzen führen wird. Die Regierung muss mit steuerlichen Erleichterungen das Aktiensparen z.B. in Form regelmäßiger Ansparpläne fördern. Selbst Schweden hat längst begriffen, dass eine auskömmliche Altersvorsorge, die eben auch auf Aktien basiert, dem Staat längerfristig die Verpflichtung abnimmt, auf Kosten der Steuerzahler Sozialleistungen zahlen zu müssen. Wer in Aktien anspart, tut etwas für sich und für den Staat. Diese einfachen Weisheiten scheinen bei der Regierung noch nicht auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Erst wenn der Staat sich pro Aktie aufstellt, wird es in Deutschland einen gesunden „Volkskapitalismus“ geben, den andere Länder schon längst haben. Nur die Regierung kann die alten Anlage-Zöpfe abschneiden.

Nach Roger Peeters, Oddo Seydler Bank, müsse bei Privatanlegern ein Umdenken stattfinden, um die Vorteile von Aktieninvestments zu erkennen.
Nach Roger Peeters, Oddo Seydler Bank, müsse bei Privatanlegern ein Umdenken stattfinden, damit wieder mehr in Aktien investiert wird.

Roger Peeters, Head of Research Oddo Seydler Bank AG
Wenn man nur die DAX-Performance in den ersten 2,5 Monaten 2015 sieht, dann sind Aktieninvestments für Privatanleger ohne jede Frage attraktiv. Das Problem ist nur, dass die meisten Privatanleger sich dessen nicht bewusst sind. Doch auch hier werden die Haussen an den Märkten sowie die Niedrigzinsen für Umdenken sorgen.

Pierre Drach, geschäftsführender Gesellschafter, Independent Research GmbH
Ich denke, vor allem eine zeitgemäße Umstellung der Anlagepolitik von deutschen Kapitalsammelstellen, wie es in den USA, Großbritannien oder Frankreich üblich ist, würde dem Aktienmarkt helfen. Die deutschen Privatanleger sind zu verunsichert und neue Dax-Höchststände sorgen nicht für eine bessere Aktienkultur, sondern für mehr Angst und Respekt vor dem Aktienmarkt. Privatanleger müssen nicht direkt in den Aktienmarkt investieren, aber indirekt über ihre Pensionen, Versicherungen und Ansparpläne.

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