Dr. Marc Feiler, Leiter Wertpapierzulassung, Bayerische Börse AG

GoingPublic: Herr Dr. Feiler, der Münchner Börsenplatz hat sich in Bezug auf Mittelstandsanleihen bis dato noch nicht hervorgetan. Was unternehmen Sie?

Feiler: Wir haben derzeit verschiedene Kommunikationsmaßnahmen anlaufen lassen mit auf Anleihen zugeschnittenen Seminaren, Workshops und zahlreichen bilateralen Informationsterminen. Natürlich führen wir intensiv Gespräche mit Emissionsexperten und einigen potenziellen Emittenten.

GoingPublic: Also demnächst auch  Anleihen im m:access?

Feiler: Das Marktumfeld hat sich zuletzt deutlich aufgehellt, das hilft natürlich ungemein oder ist sogar die wesentliche Voraussetzung. Also: Ja, ich rechne in Kürze mit den ersten Mittelstandsanleihen in m:access.

GoingPublic: Woran haperte es denn bisher?

Feiler: Wir waren zunächst von einer klassischen Fremdemission ausgegangen, mit einer Bank, die den Platzierungsprozess für den Emittenten vornimmt. So hatten wir eine Zeichnung bzw. Platzierung über ein Börsentool ursprünglich nicht vorgesehen. Dabei hat sich andernorts ein Marktstandard herausgebildet, den wir nun aufgreifen und weiter entwickeln. Wir haben unser Regelwerk deshalb entsprechend angepasst.

GoingPublic: Heißt konkret?

Feiler: Eigenemissionen sowie Online-Zeichnungsmöglichkeiten über ein entsprechendes Tool sind nunmehr möglich: also wie bei einer normalen Wertpapierorder, wie man sie von Aktien kennt. Zusätzlich bieten wir eine umfangreiche Vertriebsunterstützung.

GoingPublic: Geht denn nicht gerade der Trend schon wieder weg von Eigen­emissionen, weil die meisten Emit­tenten doch die Platzierungskraft ­vermissten?

Feiler: Es wird natürlich bei jeder Emission Antragsteller, Skontroführer und Emissionsexperten geben. Finanzinstitute sind ohnehin stets beteiligt. Allerdings können Emissionsbegleiter auch Corporate-Finance-Dienstleister ohne KWG-Status sein, also nicht notwendig Vollbanken oder Kreditinstitute. Nach der mittlerweile eingebürgerten Definition sind das Eigenemissionen. In der Praxis liegt die Wahrheit irgendwo in der Mitte, mit einer Mischung aus Fremd- und Eigenemission.

GoingPublic: Ihre Prognose: Nur bayerische Emittenten für die Münchner Börse?

Feiler: Nein, unser Anspruch geht ­weiter. Lokaler Bekanntheitsgrad ist bei einer Emission jedoch sicher nicht von Nachteil – das gilt für alle Börsenplätze. In München sind wir nicht nur mit den meisten DAX-Unternehmen gesegnet, sondern auch mit einem großen Reservoir an erfolgreichen ­Mittelständlern und Spezialinvestoren. Dies stimmt uns sehr zuversichtlich.

GoingPublic: Herr Dr. Feiler, ganz herzlichen Dank für das interessante Gespräch.

Das Interview führte Falko Bozicevic.