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Die Private Equity-Gesellschaft TPG Capital denkt über einen Börsengang nach. Das verriet Mitgründer David Bonderman auf der SuperReturn 2014, dem Jahrestreffen der internationalen Finanzinvestoren, die gestern in Berlin zu Ende ging. Damit löste er eine hitzige Debatte über Fluch und Segen eines Listings in der Private Equity-Branche aus.

Ob es ihm einfach herausrutschte oder ob er die Information ganz bewusst streute, war schwer zu beurteilen. Auf jeden Fall erklärte Bonderman auf der wichtigsten Branchenkonferenz des Jahres, seine Gesellschaft ziehe einen Börsengang in Erwägung. „Am Ende des Tages gehen doch alle an die Börse, das wird auch in unserer Industrie nicht anders sein. Auch wir denken darüber nach. Aber nicht zu sehr“, orakelte der Finanzinvestor, ohne allerdings konkretere Nachfragen zu kommentieren. TPG Capital ist mit 55,7 Mrd. USD under Management eine der größten Beteiligungsgesellschaften weltweit. Viele der großen amerikanischen Private Equity-Häuser wie KKR, Blackstone, Carlyle oder Apollo sind in den vergangenen Jahren an die Börse gegangen. Die Listings waren in der Branche zunächst skeptisch beäugt worden, es hatten Zweifel geherrscht, ob sich der langfriste Anlagehorizont der Limited Partner, die in die Private Equity-Fonds investieren, mit den quartalsweise getakteten Erwartungen von Aktionären in Einklang bringen lassen würden. Diese Bedenken hätten sich als nicht berechtigt erwiesen, meinte Bonderman.

Sein Bekenntnis löste auf der Konferenz eine Diskussion über die Vor- und Nachteile einer Börsennotiz für Beteiligungsgesellschaften aus. Die meisten Private Equity-Häuser haben in der Vergangenheit ihr Listing genutzt, um mehr Kapital zu akquirieren und ihr Geschäftsmodell zu verbreitern. So erklärte Johannes Huth, der das EMEA-Geschäft des Finanzinvestors KKR leitet, sein Unternehmen habe durch die Börsennotiz einen Spielraum erhalten, der Investments in Bereichen wie Öl oder Gas erlaubt hätte und durch den KKR seine Tätigkeiten ausweiten konnte, während Wettbewerber noch mit den Folgen der Finanzkrise beschäftigt waren. Gesellschaften wie KKR oder auch der US-Investor Blackstone betreiben heute nicht mehr nur klassisches Buyout-Geschäft, sondern investieren beispielsweise auch in Infrastruktur oder reichen Fremdkapital aus.

Mit mehr Listings im Private Equity-Bereich rechnet auch David Rubenstein, Mitgründer von Carlyle. Er erwartet, dass nach den IPOs der großen Beteiligungsgesellschaften demnächst auch viele mittlere und kleinere Adressen den Sprung an die Börse wagen könnten. Eine vorläufige Absage erteilte hingegen Joseph Schull jeglichen IPO-Spekulationen für sein Unternehmen. Der Europachef von Warburg Pincus stellte klar: „Wir sehen keine Vorteile in einem Listing, deshalb ist auch nichts geplant.“ Nur falls seine Gesellschaft einmal Probleme beim Fundraising entstehen könnten, weil sie nicht börsennotiert ist, könne ein Listing in Frage kommen.

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