Markus Friebel, Analyst bei Independent Research

GoingPublic: Herr Friebel, wie laufen derzeit die Geschäfte der großen Telekom-Konzerne?

Friebel: Die hauptsächlich in der Eurozone aktiven Gesellschaften bekommen die aktuelle Konjunkturschwäche deutlich zu spüren. Dies gilt besonders für die Konzerne, die ihren Heimatmarkt in einem der Peripherie-Staaten haben – wie zum Beispiel Telefónica. Positiv entwickeln sich dagegen vor allem Unternehmen mit einem Schwerpunkt im deutschen Markt – wie die Deutsche Telekom, Vodafone und O2.

GoingPublic: Die Hauptmarke von Telefónica Deutschland ist O2. Wie sehen Sie O2 im deutschen Markt aufgestellt?

Friebel: Operativ gesehen steht O2 sehr solide da. Im Gegensatz zu den meisten anderen Telekom-Konzernen konnte O2 sowohl beim Umsatz und OIBDA als auch bei der Kundenzahl zulegen. Allerdings darf der Konzern nicht die Qualität seines Netzes vernachlässigen. Das gilt besonders für den Bereich Mobiles Internet, der durch die Verbreitung von Smartphones und Tablet-PCs zunehmend an Bedeutung gewinnt. Im Gegensatz zu den zwei Marktgrößen Deutsche Telekom und Vodafone hat O2 hier noch erhebliches Nachholpotenzial.

GoingPublic: Die Umsätze der Mobilfunkanbieter sind in den letzten Jahren geschrumpft. Mit welcher Gewinnentwicklung rechnen Sie in Zukunft bei O2?

Friebel: Während im laufenden Jahr Umsatz und Gewinn (OIBDA) um rund 6% bzw. 12% zulegen sollten, dürfte diese Entwicklung im kommenden Jahr in etwa stagnieren.

GoingPublic: Der Mutterkonzern will mit dem Emissionserlös Schulden abbauen und lockt mit einer hohen Dividende. Könnten O2 die Investitionsmittel fehlen?

Friebel: Sollten sich die Geschäfte von O2 so entwickeln wie wir es derzeit erwarten, dürften ausreichend Mittel zur Verfügung stehen. Allerdings nehmen die Bedeutung des mobilen Internets und damit die Wichtigkeit flächendeckender und schneller Netze – Stichwort LTE – so rasant zu, dass sich das Blatt auch schnell wenden könnte.

GoingPublic: Spricht die Preisspanne für ein attraktives Angebot?

Friebel: Es handelt sich nicht um ein Schnäppchen, aber man kann das Angebot als durchaus attraktiv bezeichnen. Die mittlere Bewertung von Telefónica von 6,6 Mrd. Euro liegt deutlich unterhalb der vom Markt vorher kolportierten Spanne von 7,5 bis 11 Mrd. Euro. Ebenso liegt die für Telekom-Konzerne wichtige Bewertungskennziffer EV/EBITDA  für 2013 mit rund 5,1 unterhalb des Durchschnitts anderer Anbieter (5,6). Wir erwarten, dass der Börsengang ähnlich erfolgreich wie bei Talanx verlaufen wird. Die Erstnotierung dürfte am oberen Ende der angegebenen Spanne von 5,25 Euro bis 6,50 Euro liegen sowie eine Zuteilung aller 259 Mio. angebotenen Aktien inklusive des Greenshoes.

GoingPublic: Herr Friebel, vielen Dank für das interessante Gespräch!

Das Interview führte Thomas Müncher