Und die besagen, daß in jenen Zeiten, in denen Unternehmen Rekordgewinne einfahren, der Keim der Enttäuschung gesät wird. Die DAX-Werte haben fast ausnahmslos hervorragende Ergebnisse abgeliefert, und auch in der zweiten Reihe blitzen viele Bilanzen mit güldenem Rand. Auf den ersten Blick erscheinen viele Papiere noch nicht zu ambitioniert bewertet, doch die erwarteten Gewinnsteigerungen in der Zukunft, die die Preise rechtfertigen, werden zunehmend schwerer zu erreichen sein. Mit anderen Worten: Es drohen auch Ergebnisse, die nicht den Erwartungen entsprechen.

In den vergangenen Quartalen bedeuteten Zahlen „inline“ zudem eine Bestätigung der Investition: Wenn sich ein Unternehmen in schwierigem Umfeld wie erhofft behauptet hat, lohnt es die Aktie zu halten. Doch nun ist der Markt in eine optimistischere Phase eingetreten, in der das Erreichen der Erwartungen nicht mehr als zufriedenstellend angesehen werden wird. Man sieht das immer wieder: Zahlen eines Unternehmens sind eigentlich in Ordnung, dennoch kommt Verkaufsdruck auf. Händler und Analysten werden dann mit Statements zitiert wie „unklarer Ausblick“ oder „man hatte insgeheim auf eine positive Überraschung gesetzt, die zum Teil eingepreist war“.

Nicht unterschätzt werden darf auch der schwelende Konflikt mit dem Iran um dessen Atomprogramm. Der Ausfall iranischen Rohöls könnte derzeit nicht aufgefangen werden, mit dramatischen Folgen für den Rohölpreis. Nach derzeitiger Nachrichtenlage scheint die Berechenbarkeit der iranischen Regierung zwar überschaubar, aber im Zusammenspiel mit der Berechenbarkeit der aktuellen US-Außenpolitik sind bewaffnete Handlungen, etwa ein Luftschlag gegen einschlägige Anlagen, mit ins Kalkül zu ziehen.

So sehr dies die Weltpolitik weiter verkomplizieren würde. Für all jene, die nun erst über (neue) Engagements nachdenken, würde sich die Fragestellung vereinfachen: Kaufe, wenn die Kanonen donnern?

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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