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Politiker, Fußballprofis und Showsternchen sind bekannt dafür, oft, gerne und andauernd zu sprechen, dabei aber so gut wie nichts zu sagen. Nach dem „Na gut, ich saach mal…“ oder dem „dazu hat meine Partei schon immer gesagt…“ folgt zumeist eine mehr oder minder originelle Anhäufung mehr oder minder origineller Worthülsen. Das ist im heutigen Mediendschungel eine probate Überlebensstrategie. Wer Position bezieht, kann festgenagelt werden. Doch wer will schon seine Geschmeidigkeit verlieren?

Gemessen an den Verlautbarungen von Notenbankern freilich sind die zuvor Gescholtenen geradezu kleine Plappertüten. Was ist schon ein 1.000-Kästchen Sudoku gegen ein Statement von Alan Greenspan gewesen? Und wenn Opa Jean-Claude oder Uncle Ben zu ihren Jüngern sprechen, dann ist das so wie eine globale Ratestunde. Jedes einzelne Wort wird auf die Goldwaage gelegt, besonders die gar nicht gesprochenen. Unter den dürren Communiqués sollte eigentlich stehen: „Es gilt das nicht gesprochene Wort“.

Klar, auch Notenbanker wollen nicht festgelegt werden. Inflationsrisiken unterschätzt, Konjunkturgefahren nicht erkannt, bei der Geldmenge daneben gelangt – das hört niemand gern. Eine gewisse Zurückhaltung in der Kommunikation ist durchaus angebracht, weil sonst Korrekturen tendenziell krasser am Markt ankommen, und nichts braucht das fragile Finanzsystem weniger als regelmäßige Erschütterungen. Aber ganz so kryptisch muss es nun auch nicht sein. Schließlich besitzen Notenbanken Führungsfunktion, und Führung muss letztlich unmissverständlich  kommuniziert werden.

Vielleicht gibt es bald ja ein neues Wörterbuch: Deutsch – Notenbanker / Notenbanker – Deutsch. Dann wäre allen geholfen. Die Notenbanker können wie gehabt ihre Wortspiele ohne Worte spielen, und die Investoren hätten dennoch den Durchblick.

Stefan Preuß

Die GoingPublic Kolumne erscheint wöchentlich in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.