Spätestens seit Enron und WorldCom ist dem Amerikaner klar: In seinen Chefetagen stimmt etwas nicht. Jeder kann tricksen und an Zahlen schleifen wie er will, der Gesetzgeber wird wenig dagegen ausrichten. Damit das in Zukunft nicht mehr so ist oder zumindest nicht ganz so leicht wie bisher und amerikanische und nicht-amerikanische Anleger wieder Vertrauen zu US-Unternehmen finden, wurde ein ganzes Maßnahmenpaket gegen Bilanzbetrug geschaffen. Sein Name: Sarbanes-Oxley Act. Jetzt müssen Vorstände von Unternehmen, die an US-Börsen notiert sind, garantieren, daß die veröffentlichten Unternehmensdaten der Wahrheit entsprechen. Sonst drohen bis zu 20 Jahre Haft und 5 Mio. US-$ Strafe.

Eine sinnvolle Sache nach all den Skandalen, vor allem aber wichtig vor den US-Wahlen Mitte November. Deutsche Unternehmer sehen das allerdings anders, denn es könnte auch sie treffen. Der amerikanische Gesetzgeber hat es bisher unterlassen, Ausnahmeregelungen für Unternehmen zu treffen, die zwar an US-Börsen gelistet, aber ihren Hauptsitz nicht im Inland haben. 24 deutsche Unternehmen sind betroffen – und entschlossen, gegen das Fehlen der Ausnahmeregelung vorzugehen. Das neue Gesetz laufe dem deutschen System der Mitbestimmung in Aufsichtsräten zuwider und sei darüber hinaus ein Angriff auf die europäische Bilanzierungs- und Wirtschaftsprüfungspraxis, heißt es aus Expertenkreisen. Wirtschaftsverbände fordern rechtliche Schritte der EU gegen die USA, sollten die Gesetze gegen europäische Unternehmen angewendet werden. Ein drohender Justizimperialismus?

Wohl kaum. Eher schon eine Nachlässigkeit in der Ausarbeitung des Gesetzes. Ein Schnellschuß, der hermußte, weil die Bevölkerung danach verlangte, aber wahrscheinlich kein verdeckter Versuch, die halbe Weltwirtschaft maßregeln zu wollen.

Für die Politik ist das Ganze ein gefundenes Fressen. Flugs haben die Bundestagsparteien erweiterte Haftungsregeln zum Wahlkampfthema gemacht. "Je größer die Verantwortung eines Managers, desto geringer ist offenbar seine persönliche Haftung. Da passt etwas nicht zusammen", wird Hartmut Schauerte, wettbewerbspolitischer Sprecher der Unionsfraktion im Bundestag zitiert. Unzählige Verbesserungsvorschläge werden aus den Wahllagern genannt. Doch all die Initiativen wirken eher  aktionistisch denn wohlüberlegt. Nicht ganz nachzuvollziehen ist jedenfalls das Geschrei von DaimlerChrysler, Allianz und Co. um die scharfen Haftungsregeln.

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Die GoingPublic Kolumne erscheint jeweils montags, mittwochs und freitags in Zusammenarbeit mit dpa-AFX.

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